Gemeinsam sind wir Kirche

Predigtarchiv

Predigt der Osternachtsfeier am 4. April

Liebe Gottesdienstgemeinschaft!

Die Feier dieser Nacht hat im Dunkel begonnen – und mit einem kleinen Licht, das so oft weitergegeben wurde, dass es die ganze Kirche hell gemacht hat. Auch das Evangelium beginnt im Dunkeln – beim Anbruch des Tages und erzählt uns von zwei Frauen: von Maria aus Magdala und der anderen Maria. Sie gehen zum Grab. Nicht weil sie etwas hoffen oder erwarten, sondern aus Liebe. Sie gehen, weil sie Jesus nicht loslässt. Weil sie ihm treu bleiben – auch über den Tod hinaus.

Die beiden Frauen erleben etwas, worauf sie nicht gefasst sind. Sie erleben Auferstehung - als Erschütterung, wie ein Erdbeben. Der Stein wird weggewälzt von einem Engel, der aussieht wie ein Blitz. Und er spricht – nicht zu den Wächtern, die vor Furcht erstarren, sondern zu den Frauen. Und was heißt es da? „Fürchtet euch nicht!“ Das zeigt: Da ist zuerst Furcht, Erschrecken und Verunsicherung.
Ostern beginnt nicht mit Jubel – sondern mit Zittern. Und trotzdem: Gerade den Frauen wird die Botschaft anvertraut. Nicht den Mächtigen oder den Einflussreichen. Sondern ihnen – die beim Kreuz geblieben sind, die ausgehalten haben, die lieben. Die Frauen kommen im Dunkel – und sie sind die ersten, die das Licht sehen. Das Licht von Ostern fällt nicht einfach vom Himmel. Es begegnet Menschen, die unterwegs sind, die suchen, die trauern, die nicht aufgeben. So wird ihr Weg zum Grab zu einem Weg ins Licht. Vielleicht ist das auch unsere Erfahrung: Dass wir Gott nicht dort begegnen, wo alles klar und sicher ist – sondern mitten in unseren Fragen, in unserer Trauer, in unserer Dunkelheit.

Die Frauen bringen ihre Trauer mit – vielleicht auch ihre Tränen. Doch diese Tränen werden verwandelt. Aus dem Ort des Todes wird ein Ort neuen Lebens.
Aus dem Grab wird eine Quelle der Hoffnung. So wie Wasser Leben hervorbringt, so bricht Ostern hinein in das, was tot scheint – und lässt Neues wachsen.

Die Frauen bleiben nicht beim Grab stehen.
Es heißt: „Schnell verließen sie das Grab – voll Furcht und großer Freude.“ Beides ist da: Furcht und Freude. Zweifel und Hoffnung. Ostern ist kein glattes Gefühl. Es ist eine Bewegung. Es ist eine Hoffnung, die in Bewegung setzt. Die Frauen laufen. Sie werden zu Botinnen und zu den ersten Verkünderinnen der Auferstehung. Ihre Erfahrung wird zur Hoffnung für andere.

Und dann geschieht das Entscheidende: Jesus kommt ihnen entgegen. Nicht erst später oder irgendwo anders oder erst nach den Männern. Sondern jetzt auf ihrem Weg. Er begegnet ihnen und spricht sie an. Das ist konkrete Begegnung, eine Begegnung, die alles verändert. Was bedeutet das für uns? Die Frauen am Grab zeigen uns einen Weg: Sie bleiben – auch im Dunkel und Trauer. Sie gehen – trotz Angst und Unsicherheit. Sie vertrauen – auch ohne alles zu verstehen. Und sie werden beschenkt – mit Licht, mit Leben, mit Begegnung. Vielleicht erkennen wir uns in ihnen wieder, in ihrer Unsicherheit, in ihrer Sehnsucht, in ihrer Treue. Dann gilt auch uns die Zusage: „Fürchtet euch nicht!“ Der Auferstandene kommt uns entgegen. Mitten auf unserem Weg, mitten in unserem Leben.
So tragen wir heute Nacht das Licht der Auferstehung weiter. Wie die Frauen – die ersten Zeuginnen von Ostern. Mit allem, was in uns ist: Mit Angst und Hoffnung, mit Fragen und Vertrauen. Denn Ostern heißt:
Das Leben ist stärker als der Tod. Die Liebe ist stärker als die Angst.
Und Gott begegnet uns – oft dort, wo wir ihn am wenigsten erwarten.

Monika Liedler

Predigt vom 22. März

Liebe Gottesdienstgemeinschaft!

Zweimal kommt ein Lazarus in der Bibel vor. Diesmal geht es um Lazarus aus Bethanien, einem der besten Freunde Jesu. Bevor ich nun genauer in die packende Erzählung der Auferweckung, der Befreiung des Lazarus einsteige, lege ich Euch ein paar Gedankensplitter zum Hintergrund dieser Bibelstelle vor:

Zuerst kurz zur geographischen Einordnung: Als er zu seinem Freund Lazarus nach Bethanien gerufen wurde, war Jesus ziemlich sicher auch an einem Ort namens Bethanien, der allerdings an der Ostseite des Jordan im heutigen Jordanien lag. Er musste also mindestens zwei Tage zu Fuß unterwegs sein, um in das Dorf Bethanien des Lazarus und seiner beiden Schwestern Martha und Maria zu kommen. Bethanien war nahe bei Jerusalem, heißt es im Evangelium, etwa 2 – 3 km entfernt. 2 Tage wartete Jesus, bevor er losging – also das mit den 4 Tagen könnte passen.

Nicht unwichtig ist der Name Lazarus selbst. Bei uns in Westeuropa kommt der Name im Gegensatz zum Osten des Kontinents nicht sehr häufig vor. Trotzdem hat der Name Lazarus gerade in letzter Zeit eine ziemliche Karriere hingelegt:

„Computerprogramme zum Wiederherstellen abgestürzter Dateien heißen „Lazarus“. In Videospielen heißen Figuren, die wieder lebendig werden, „Lazarus“. Opern sind ihm gewidmet. Popsänger besingen ihn. Und in Science-Fiction-Filmen sorgt Lazarus dafür, dass die Hauptdarsteller immer wieder jung werden und in neue Welten aufbrechen können.“ Ich zitierte aus einer Predigt von Dr. Franz Haringer!

Aber was bedeutet der Name Lazarus eigentlich: Sein Ursprung liegt im Hebräischen: Dort heißt er EL AZAR, was so viel heißt wie „Gott hat geholfen, Gott hilft (EL = Gott)“. Der Name ist also Programm für Jesus damals und für uns jetzt: Im Namen Gottes helfen.

Nicht umsonst lässt sich das Wort Lazarett für eine Einrichtung zur Heilung Leidender auf Lazarus zurückführen. Und der Orden der Lazaristen, im 17. Jahrhundert von Vinzenz von Paul gegründet, wendet sich bis heute bewusst der Arbeit mit Kranken, Leidenden und Sterbenden zu. Ein überzeugendes und überzeugtes Mitglied des Lazaristenordens war der bekannte Grazer Pfarrer Pucher, der erst 2023 starb. Er gründete die Vinzigemeinschaft, die Häuser für Arme, Notleidende und Flüchtlinge betreibt.

Das führt mich direkt zur Grundaussage der heutigen Bibelstelle: Gott hilft und Gott befreit, Gott erweckt Menschen zum Leben, er löst die Fesseln von Menschen, durch die sie gebunden sind. Letztlich löst, erlöst er uns von allen irdischen Fesselungen und führt uns in ein neues Leben.

Die Geschichte des Lazarus wurde wahrscheinlich von einem Schreibkollektiv um den Evangelisten Johannes ca. 100 Jahre nach Christi Geburt niedergeschrieben. Daher ist logisch, dass die Geschichte nicht eins zu eins zu verstehen ist, sie ist dramaturgisch aufbereitet mit direkten Reden, die nach so langer Zeit niemand mehr wissen konnte. Aber die Dramaturgie unterstützt die Grundaussage, die Jesus den Menschen in jedem Fall verdeutlichen wollte – Gott hilft, Gott befreit, Gott löst Fesseln, Gott erlöst - über den Tod hinaus.

Im Angesicht dieser überwältigenden Botschaft ist der Wahrheitsgehalt der Geschichte, die Dramaturgie, die dahintersteckt, eigentlich zweitrangig. Wir dürfen durchaus zweifeln daran, dass Jesus wie ein Supermann einen bereits verwesenden Leichnam einfach so mir nix dir nix lebendig machen konnte.

Sie meinen, es sei nicht zulässig an einem Bibeltext zu zweifeln? Ich halte dagegen: Zweifel und Glaube sind keine Gegensätze, sondern untrennbare Bestandteile eines lebendigen, wachsenden Glaubens. (Liedhinweis) Zweifel und Glauben ergänzen sich, so wie Tag und Nacht, wie Leere und Fülle.

Gerade anhand dieser Bibelstelle können wir festmachen: Zweifel führt den Glauben von der Oberfläche in die Tiefe. Durch das kritische Hinschauen auf den Text, erkenne ich erst die unglaubliche Botschaft der Liebe, die in dieser Geschichte steckt: Jesus liebt Lazarus und befreit ihn deshalb im Namen Gottes zum Leben.

Vielleicht war ja seine tödliche Krankheit die unerbittliche Fesselung durch seine Mitwelt, vielleicht ist er erstickt in der Überfürsorge seiner Schwestern, vielleicht schlug ihn die zudringliche Bösartigkeit seiner Nachbarn zu Tode, vielleicht waren es die normativen Zwänge der gesellschaftlichen und religiösen Strukturen (siehe Markus Schlagnitweit, Predigt zu Joh. 11), die ihm die Luft zum Atmen nahmen, usw.

Im Übrigen finden wir solche todbringenden Fesseln auch heute in unserer modernen Welt vor! Sie werden, wenn sie kurz nachdenken, auch in ihrem Umfeld lähmende, fesselnde Strukturen finden, die letztlich todbringend sein können.

Jesus liebt Lazarus so sehr, dass er ihn nicht an sich bindet, sondern durch seine Liebe befreit zu neuem Leben, nicht irgendwann, sondern im Hier und Jetzt.

Jeder von uns, der es schafft, jemanden so zu lieben, dass er ihn nicht an sich bindet, sondern frei lässt, seine Lebensbestimmung, seine Würde zu finden, ist ein Lazarist, ein Gotthelfer und Jesusnachfolger

Jede von uns, die anderen Menschen hilft, aus dem dunklen Loch ihrer Verstrickungen, ihrer Erschwernisse aufzusteigen, ist eine Lazaristin, ein Gotthelferin.

Jede/Jeder von uns kann versuchen, Menschen aus ihrer tödlichen Verzweiflung herauszurufen, indem wir einfach da sind, wenn sie uns brauchen.

Jesus zeigt anhand des Lazarus, was uns Menschen in Gottes Namen zuteilwerden soll: Dass wir geheilt, befreit und erlöst werden – im Hier und Jetzt - wenn wir einander lieben und einmal, wenn wir uns auferwecken lassen von der Liebe Gottes.

Das ist es, was uns der Evangelist in dieser Geschichte eigentlich erzählt.

Diakon Franz Hofmarcher
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Predigt vom 15. März

Liebe Gottesdienstgemeinschaft!

Der Blindgeborene sieht wieder - hören wir im heutigen Evangelium! Durch die eigenwillige Jesusberührung sieht er neu, - wie Gott ist, - wer seine Nächsten sind, - was er selber ist .
Die Fastenzeit ist die Einladung an uns alle, wieder neu sehen zu lernen!

Ich verwende heute dazu ein neues geistliches Lied von Andrea Adams-Frey und Albert Frey: ihr habt den Text in der Bank aufliegen zum Mitschauen und auch zum Mit-nach-Hause-Nehmen!

Wir hören die erste Strophe dieses Liedes!

Das Lied „Wo ich auch stehe“ beginnt mit einer tiefen Wahrheit:
Gott kennt uns. Ganz. Ohne Masken. Gott sieht uns, er ist nicht blind.
Er schaut voll Liebe auf seine Welt und auf unser Leben.

Viele Menschen haben Angst davor, wirklich erkannt zu werden.
Wir zeigen anderen oft nur einen Teil unseres Lebens: das Gelungene, das Ordentliche, das Erfolgreiche. Unsere Zweifel, Fehler und Brüche verstecken wir lieber. Doch Gott sieht alles – und liebt uns trotzdem. Er kann gar nicht anders!

Diese Botschaft erinnert an den Psalm 139:
Gott kennt unsere Gedanken, unsere Wege, auch unsere Ängste, Sorgen und Qualen. Von Mutterleib an weiß Gott um uns, er hat uns geformt und gewollt. Und er wendet sich niemals von uns ab.

Gottes Liebe ist also keine Belohnung für ein perfektes Leben.
Sie ist der Anfang. Sie öffnet uns die Augen! Wir lernen Gott neu sehen, die Nächsten, uns selber!
Wer das begreift, darf aufatmen: Ich muss Gott nichts beweisen. Ich darf einfach zu ihm kommen – so wie ich bin.
Und genau daraus wächst Glauben: nicht aus Pflicht, sondern aus Vertrauen.

Weil wir geliebt sind, können wir lieben lernen, wie Jesus geliebt hat!
Er ist unser Erlöser, Gottes Sohn, Retter. Wenn wir erfahren, dass Gott uns kennt und liebt, verändert das unseren Blick auf andere Menschen.
Denn dann merken wir: Auch der andere Mensch, mein Nächster lebt von dieser göttlichen Liebe, Gott liebt meinen Nächsten, wie mich!

Gerade in der Vorbereitung auf Ostern erinnern wir uns daran, wie radikal diese Liebe ist. Jesus, der heile und heilige, wendet sich Menschen zu, die übersehen werden: den Kranken, den Schuldigen, den Ausgestoßenen. Nächstenliebe beginnt oft ganz klein, aber sehr konkret:
  • jemandem wirklich zuhören, auch wenn ich schon weiß, was jetzt wieder kommt: das ist wie ein neues Sehen.
  • Geduld zeigen, wo man sonst genervt wäre und sich schnell abwendet: mit Liebe auf jemanden schauen lernen.
  • vergeben, wo Verletzung geschehen ist, auch wenn man das Geschehene ganz anders deutet und sieht.
  • Hoffnung aussprechen, wo andere resignieren, nicht aufhören, das Gute zu sehen.

Unser Glaube ist nicht nur eine Überzeugung im Kopf, ein Hirnwissen. Glaube wird sichtbar im Umgang miteinander, wird konkret in gezeigter, in geschenkter Liebe.
Die Welt verändert sich nicht zuerst durch große Programme, sondern durch Menschen, die aus Gottes Liebe heraus leben.

Gott richtet uns wieder auf!
Im Lied heißt es: „Herr, du richtest mich wieder auf.“

Viele Menschen tragen heute eine schwere Last in sich:
Selbstzweifel, Schuldgefühle, Einsamkeit, Verletzungen, Enttäuschungen über das eigene Leben, Resignation.

Doch unser Glaube sagt etwas Befreiendes: Du bist mehr als deine Fehler und deine Dunkelheiten.
In Ostern liegt genau diese Hoffnung: Das Leben gewinnt über Schuld und Tod.

Selbstliebe bedeutet im christlichen Sinn nicht Egoismus.
Selbstliebe bedeutet, sich mit Gottes Augen sehen zu lernen, von der Bindheit geheilt zu werden.
Ich bin ein Mensch, der gewollt ist, ein Mensch, dem immer wieder vergeben wird, ein Mensch, der stets neu anfangen darf. Es gibt bei Gott kein zu spät!
Wer sich selbst so annimmt, kann auch anderen mit mehr Geduld begegnen.

Ostervorbereitung ist deshalb auch eine Einladung zum neu sehen lernen, wie der Blindgeborene im Evangelium!
Gott neu sehen lernen, den Nächsten, auch sich selber neu sehen lernen, weil Gott mich liebt.

Pfarrer Franz Kronister

Predigt vom 22. Februar

Liebe Gottesdienstgemeinschaft!

Wie schon einmal hat mir beim Vorbereiten meiner Predigt ein Artikel aus der Zeitschrift „Leben jetzt“, ehemals „Stadt Gottes“ weitergeholfen. Da findet sich auf der Titelseite der Februarausgabe ein Bild von Pipi Langstrumpf (da fällt mir doch zu, dass unsere junge Organistin Magdalena letzte Woche am Faschingssonntag die Titelmelodie des Pippi Langstrumpffilms verwendet hat).

Also Pippi auf dem Titelbild mit dem untergelegten Text: HÖR AUF…zu gehorchen und hör auf die Stimme, die dich ruft. Und auf den Innenseiten des Heftes geht es eben genau darum: Wo sind wir als Christen gerufen zu gehorchen, wo sind wir verpflichtet Widerstand zu leisten, und wie hängt das mit der Freiheit zusammen, die uns Menschen von Gott verliehen wurde.

Ich kann zu diesen Themen nur kurz ganz weniges aufreißen, es ist ein weites, weites Spannungsfeld unseres Glaubens und ich will euch hiermit einladen, alleine oder mit Freunden darüber weiterzudenken. Beide heutigen Bibelstellen beziehen sich auf diesen Themenkomplex: Gehorsam – Widerstand – Freiheit.

Zuerst zur Lesung: In unserer Schöpfungsgeschichte ereignet sich laut Bibel gleich zu Beginn ein Akt des zivilen Ungehorsams. Adam und Eva essen verbotenerweise vom Baum der Erkenntnis und müssen den Garten Eden verlassen.

In der Zeitschrift „Leben jetzt“ lese ich dazu – ich zitiere:

„Der Philosoph und Psychoanalytiker Erich Fromm interpretiert diese Erzählung nun so, dass Adam und Eva durch ihren Ungehorsam nicht etwa verdorben oder bestraft, sondern freigesetzt wurden – freigesetzt, um ganz Mensch zu werden.

Dass ein Akt des Ungehorsams ganz am Anfang der biblischen Menschheitserzählung steht, ist schon interessant. Es gehört offenbar zu Gottes Plan, dass die Freiheit zu entscheiden, wesentlich für unser Menschsein ist. Gott meint es ernst mit dieser Freiheit.“

Blickwechsel auf das Evangelium: Jesus leistet dem Verführer, dem Teufel heftigsten Widerstand in seinen Verlockungen.

Nicht nur da in der Wüste – an vielen Beispielen aus Jesu Leben kann man festmachen, dass der Menschensohn gegenüber der Bosheit von Mächtigen und Verführern zivilen Ungehorsam zeigt. Was ihn ja letztlich bis ans Kreuz brachte, wie wir wissen.

In dieser Sinngeschichte vom Teufel als Verführer leistet Jesus dreimal Widerstand und Ungehorsam:

Erst einmal indem er dem Teufel sein Angebot ausschlägt aus Steinen Brot zu machen und ihm damit vermittelt, dass die materielle Grundversorgung für uns Menschen zwar wichtig ist, dass aber Beziehung untereinander, Beziehung zu unserem Schöpfer noch viel wichtiger sind und dass aus diesem sozialen Beziehungsverhalten mehr als genug materielles Vermögen für alle entstehen könnte.

Der zweite Verführungsversuch des Teufels scheitert, weil Jesus der Hybris, der Selbstüberschätzung abschwört, der Mensch könne sich zu Gott erheben und wäre dadurch unverletzlich und unangreifbar.

Und letztlich schmettert Jesus den letzten Versuch des Teufels ab, indem er der Verführung zu unendlicher Macht widersteht. Der Sohn Gottes outet sich gleichzeitig als erster Diener Gottes, er ist nur gehorsam gegenüber seinem Vater.

Jesus widersteht der Verlockung von menschlicher Macht, menschlicher Allmacht und setzt darum ein wesentliches Zeichen wie wir als Christen kritisch sein sollen gegenüber jenen, die sich Macht aneignen oder sogar in einen Machtrausch verfallen, wie wir es dieser Tage vielfältig auf unserer Erde erleben können.

Aus dem Verhalten von Jesus in dieser Parabel lässt sich ein wichtiger Grundsatz unseres Lebens herauslesen: Die einzige Verpflichtung, der wir auf dieser Welt uneingeschränkt Folge leisten sollen, ist die Liebe.

Damit ist auch festgelegt, dass wir nur einem wirklich Gehorsam leisten sollen, nämlich unserem Gott, der ja die Liebe selbst ist.

Wer sich Jesus zum Vorbild nimmt, dem sollte ganz klar sein, dass sich Jesus mächtigen Menschen gegenüber durchaus widerspenstig gezeigt hat, dass er immer wieder entgegen dem Mainstream jene unterstützt hat, die der Liebe bedurften. Ich denke da an Maria Magdalena, an den Zöllner Zachäus, an die des Ehebruchs beschuldigte Frau usw.

Es gibt ja viele, viele Menschen, manche namenlos, andere berühmt, die sich dem Widerstand gegen die Versuchung des Bösen, des Teuflischen verschrieben haben, auch weil sie sich die Freiheit genommen haben, gehorsam das Wesen der Liebe vertreten.

Mir fällt da zum Beispiel Hildegard Burjan ein, die die Caritas Sozialis in Wien gegründet hat, Franz Jägerstätter, der sich gegen die Anordnung eines Vernichtungsregimes gestellt hat, die Suffragetten, die in England das Wahlrecht für die Frauen erkämpft haben, bis zu Maximilian Kolbe, Martin Luther King, Nelson Mandela, Mahatma Ghandi, um nur einige wenige zu nennen.

Wie gesagt, es finden sich immer wieder Menschen, die sich gegen die Bosheiten, die Machtgelüste einiger weniger, die Niederträchtigkeit von Machthabern beharrlich wehren.

Jede/Jeder dieser Vorbilder ermutigt uns, im Ringen um Liebe, liebevolles und damit gottgewolltes Handeln stark zu bleiben.

So könnte also ein Fastenvorsatz darin bestehen, sich mit Wort und Tat besonders für die eine oder den anderen Schwächeren einzusetzen, bewusst in der Öffentlichkeit seine Solidarität mit Bedürftigen aller Art zu zeigen und den Mund aufzumachen, um gegen abfälliges und ausgrenzendes Sprechen aufzutreten – und versuchen, der Liebe in dieser Welt Auftrieb zu verleihen.

Diakon Franz Hofmarcher

Predigt vom 8. Februar

Liebe Gottesdienstgemeinschaft!

Ich habe jetzt genau geschaut, wie ihr reagiert beim heutigen Evangelium: ich habe nichts Außergewöhnliches beobachet – und hab mir das auch genauso gedacht!
Das war wohl ganz anders, als Jesus damals zu den vielen Leuten gesprochen hatte.
Frauen und Männer, Kranke und Gesunde von überallher - und darunter sicher auch Spitzel, Pharisäer und Schriftgelehrte!
Die Leute dachten wohl, sie haben nicht richtig gehört: „Was hat er da eben gesagt?“ „Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt!“
Die Leute haben sich schmunzelnd angeschaut und gedeutet: Du, ich? Salz der Erde, Licht der Welt? – Und die Pharisäer sind erschrocken: So kann er doch nicht reden, das ist Lästerung unseres Gottes, ein Skandal!

Warum?
„Salz der Erde“: da wird der sogenannte Salzbund (zweites Buch der Chronik) erinnert, wo Jahwe seinem Volk ewige Treue schwört!
Salz ist die unverbrüchliche Treue Gottes, aber doch nicht ein Mensch!

„Licht der Welt“: das ist ein Bild für die Liebe Jahwes: im Psalm 27 singt das Volk: „Der Herr ist mein Licht“ – Gott ist Licht und Liebe, aber doch nicht ein Mensch!

Diese Botschaft wird damals und heute gewöhnlichen Menschen in die Hände, ins Herz gelegt: Ihr seid / Wir sind Salz der Erde, Licht der Welt. In unserem Leben soll Gottes Treue und Liebe für andere erfahrbar werden!

Zum Weitertragen dieser befreienden Botschaft braucht es aber Hilfe, Struktur, - sonst zerrinnt das Salz (das Zeichen der Treue Gottes) zwischen den Fingern und ist das Licht (der ewigen Liebe Gottes) schnell ausgeblasen.

Deswegen habe ich hier einen Salzstreuer und eine Laterne.
Der Salzstreuer hilft, das Salz weiterzugeben, die Laterne schützt das Licht!
Nur darf man beides nicht verwechseln!
Der schönste Salzstreuer hilft nichts, wenn das Salz schal ist oder gar nicht mehr da ist.
Die herrlichste Lampe ist umsonst, wenn kein Licht in der Laterne ist!

Salzstreuer und Laterne: das sind hilfreiche Strukturen für die Botschaft, die wir weitertragen dürfen: Gottes Treue, Gottes Liebe.

Konkret: Eine schöne Kirche und ein Pfarrheim, die Gremien und Strukturen der Kirche bis zum Vatikan. Das alles kann dienlich sein, ersetzt aber niemals das Salz und das Licht, die Treue und Liebe unseres Gottes!

Es ist eine große Gefahr, den Salzstreuer und die Laterne zu bewundern und zu pflegen, aber das Salz und das Licht zu vergessen: die Treue Gottes und die Liebe unseres Gottes!

Die Weitergabe des Glaubens an Gottes Treue und Liebe ist heute nicht ganz einfach.
Wieviele klagen, dass die nächste Generation nichts mehr vom Glauben hält. Großeltern leiden darunter, dass die Enkelkinder nicht mehr in die Kirche gehen.
Da ist man schnell in Gefahr, vom Salz der Botschaft schnell einmal zuviel in die Lebenssuppe der Jungen zu schütten - und die Jungen wenden sich ab, denn das kann man nicht essen.
Das Licht der Liebe Gottes darf man niemandem aufdrängen, es könnte etwas verbrennen und zu heiß werden.

Wir müssen einüben, die Botschaft der Treue Gottes und der Liebe Gottes anzubieten, hinzuhalten. Die Treue Gottes und die Liebe Gottes sichtbar zu machen durch unser Leben.
Wir brauchen die Geduld des Wartens und die Ohnmacht des Anbietens.
Aber in der tiefen Gewissheit: Gottes Treue ist ewig, Gottes Liebe ist mächtig!

Also niemals verwechseln: Salzstreuer und Salz, Licht und Laterne!

Jesus mutet den Menschen damals und uns heute viel zu: „Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt“. Amen

Pfarrer Franz Kronister

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Predigt vom 1. Februar

Geschätzte Gottesdienstgemeinschaft!

„Sucht den Herrn, ihr Gedemütigten“, so beginnt die heutige Lesung aus dem Buch Zefanja.
Und setzt dann für unsere Ohren schon etwas eigenartig fort: „sucht Gerechtigkeit, sucht Demut!“

Demut ist ein schwieriges Wort, es ist auch ein Wort, das im modernen Sprachgebrauch kaum mehr vorkommt.
Wie viele einzelne Worte stoßen uns auf, blockieren uns, lehnen wir ab, weil wir mit diesen einzelnen Ausdrücken etwas Bestimmtes verbinden, oder gar nichts mehr anfangen.
Demut gehört, glaube ich, dazu.
Was wurde nicht schon alles an berechtigtem Widerstand abgewürgt mit dem Hinweis, man müsse halt demütiger werden. Und man verbindet bis heute mit dem Wort Demut das „hinnehmen und ertragen“, das „hinunterschlucken“, das „sich unterordnen“, bis hin zu „den eigenen Willen brechen“.

Und schon unterliegen wir der Versuchung Demut mit Demütigung zu verwechseln.
Demütigung ist Missbrauch, ist ein Kaputt-Machen, eine Schwächung der Persönlichkeit, ein Raub der Würde.
Demut meint – im richtig verstandenen Sinn – etwas ganz anderes. Es ist der ehrliche Blick auf die eigene Grundkonstitution, auch auf die eigene Zerbrechlichkeit. Demut hat im biblischen und christlichen Sinn schon mit dem Annehmen zu tun, aber mit dem Annehmen der eigenen Schwäche und Begrenztheit, nicht mit dem Hinnehmen von Unrecht und Ungerechtigkeit.

In dem Wort Demut steckt das Wort Mut: Ja, erfordert Mut: der ehrliche Blick auf die eigene Unzulänglichkeit genauso, wie das Angehen gegen Unrecht.
Demut ist Mut zur Wahrheit! Und weil wir diesen Mut oft nicht aufbringen, einzugestehen, dass wir nicht alles in der Hand haben, errichten wir Fassaden, die unser wahres Ich verbergen, markieren wir „den starken Mann“ oder die „starke Frau“, obwohl wir es gar nicht sind, und demonstrieren so vermeintliche Stärke. Demut ist nicht das „Sich-Klein-machen“ aber es gegen eine ungerechtfertigte Selbsterhöhung.

Demut ist Mut zur Wahrheit!
Und weil wir diesen Mut oft nicht aufbringen, in unserer Begrenztheit gegen die Unwahrheit aufzustehen, lassen wir es oft lieber gleich ganz bleiben, statt unsere Möglichkeiten, die wir immer noch haben, zu nutzen.

Der Prophet Zefanja eröffnet uns gleich als erstes Wort in der heutigen Lesung ein für uns Christen gar nicht so fremdes Angebot, eigentlich eine Erinnerung: „Sucht den Herrn!“
Hat er, Gott, der Schöpfer, uns nicht seinen Lebensgeist eingehaucht, jenen Geist, der aus unserem fehlerhaften Material trotzdem etwas unglaublich Schönes und Starkes machen kann? Feiern wir das nicht speziell in Taufe und Firmung?

Demut ist Mut zur Wahrheit und Sinn für Realität: für die Realität der eigenen Armut, aus der Reichtum entstehen kann, wenn wir die Möglichkeiten nutzen, die mit Gottes Hilfe entstehen. Eine Kraft, die Welt zu verändern, gerechter zu machen, Unrecht beim Namen zu nennen, Hungernde satt zu machen, Trauernde zu trösten.
Davon sprechen ja auch die Seligpreisungen im Evangelium.

Die Seligpreisungen fordern uns auf, trotz aller Widerstände und Bedrohungen, den Weg des Guten zumindest zu versuchen.
Die Seligpreisungen fordern uns auf, durchzuhalten, auch wenn es schwierig und vielleicht sogar schmerzhaft wird.
Die Seligpreisungen fordern uns auf, Mut und Zivilcourage zu zeigen, damit Recht und Gerechtigkeit die Oberhand bekommen oder behalten.
Die Bergpredigt mit den Seligpreisungen fordern uns auf, von Gott und vom Leben selbst dann noch etwas zu erwarten, wenn es nach menschlichem Ermessen und irdischen Gesetzen sinnlos und ausweglos scheint.

Die eigene Begrenztheit ist noch nicht die ganze Wahrheit. Die ganze Wahrheit erleben wir, wenn wir Gott mit ins Boot holen, oder um es im Sinne des heutigen Evangeliums zu sagen: wenn wir mit Jesus auf den Berg steigen.
Wer das schon erlebt hat, oder wer das erleben darf: selig seid ihr!

Amen

Diakon Peter Leichtfried

Predigt vom 15. Jänner

Liebe Gottesdienstgemeinschaft!

… Frage an Kinder und Ministrant*innen: Wieviele Lämmer gibt es in unserer Kirche?... Habt ihr schon einmal ein kleines Lamperl gesehen, gestreichelt… jetzt kann man das bald, jetzt kommen die Lämmer zur Welt… und sie sind noch sehr zart und pflegebedürftig…Es werden in nächster Zeit auch viele geschlachtet…

Ja, liebe Erwachsene, das Wort vom „Lamm Gottes, das hinweg nimmt die Sünden der Welt“ – gesprochen von Johannes dem Täufer am Jordan und gerichtet an alle, die sich rund um die Taufe Jesu versammelt haben – dieses Bild ist die zentrale Stelle des heutigen Evangeliums. Und daraus folgend ist es eine der wichtigsten Teile unserer Messfeiern, vom Priester vor der Austeilung der Kommunion gesprochen: „Seht das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünden der Welt“. Worauf wir auch mit einem Bibelzitat antworten: Nämlich jenem, mit dem der heidnische Hauptmann Jesus bittet, seinen Diener zu heilen. Wir sagen: „Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach. Aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.“

Wie ich schon mit den Kindern angedeutet habe, ist der Begriff Lamm Gottes erklärungsbedürftig. Denn, während es im Nahen Osten zur Zeit Jesu (und auch durchaus heute noch) selbstverständlich war, mit Lämmern Kontakt zu haben, sie in ihrer Zartheit und Unbedarftheit, in ihrer Verletzlichkeit und Angreifbarkeit direkt kennenzulernen, haben wir heute kaum mehr Kontaktmöglichkeiten mit Lämmern. Kinder maximal in irgendwelchen Tierparks und wir vermutlich am ehesten auf den Tellern von Speiselokalen. Niemand mehr verwendet heute das Lamm als Opfertier, so wie das in biblischen Zeiten üblich war, sodass in unserer Zeit eine Übersetzung, eine Neudeutung dieses „Opfer Lamm Gottes Bildes“ durchaus sinnvoll und angezeigt ist.

Dazu müssen wir uns nochmals vergegenwärtigen, dass Jesus sich selbst als Verkünder des Wortes Gottes sieht, dass er sozusagen als Rolemodell Gottes leben möchte, den Menschen damals wie heute erlebbar machen möchte, wie Gott ist, wie Gott wirken möchte und kann.

Ich wandle Lamm Gottes versuchshalber einmal um in Vorbild für Gott, oder noch radikaler in die heutige Sprache übersetzt als Influencer Gottes. Vorbild, wie sich Gott durch liebende Hingabe von Menschen verwirklichen kann.

Hingabe ist zwar nicht grade sehr modern, aber ein sprechendes Wort, weil da das wichtige Geben drinnen steckt. Die Sünde der Welt, das heißt für mich übersetzt die Summe aller Verstrickungen in das vorsätzlich Böse, das auf dieser Welt geschieht, diese Sünde der Welt lässt sich hinwegnehmen, durch das Geben liebender Zuwendung.

Wenn wir diesen Evangeliumssatz vom Sünden hinwegnehmenden Lamm Gottes in unseren Messen hören, dann empfinde ich das wie eine Angelobung in Jesu Namen, eine Angelobung, das zu tun, was Jesus vorgelebt hat.

Es gibt ja inzwischen viele sogenannte religiöse Influencer, die im Fernsehen vor Millionenpublikum ihre Predigten halten und dort und da Ängste vor der Sündhaftigkeit der Menschen schüren: Die wirklichen Influencer Gottes, Vorbilder für Gottes Wirken in der Welt sind nicht diese Sonntagsredner.

Vielmehr sind es die vielen, vielen Menschen, die sich im täglichen Kleinklein um andere bemühen, die die Verletzungen und Sünden, unter denen Menschen leiden, hinwegnehmen, indem sie trösten, helfen, da sind, wo sie gebraucht werden. Fallen Ihnen in ihrem Umfeld oder vielleicht sogar bei sich selbst solche Beispiele ein, wo sie sich selbst oder ihr nähere Umgebung gegen die Sünde der Welt stemmen. Das sind die Gaben, die wir in der Gabenbereitung einbringen sollen.

Wir müssen da nicht gleich allzu groß denken: Ein kleines Beispiel: Sich für eine verletzende Bemerkung gegenüber der Partnerin entschuldigen, ist eine gar nicht so leichte Übung des Sünde hinwegnehmens, steht aber in keiner Zeitung. Oder eine Entschuldigung aus tiefem Herzen annehmen und verbindend darauf reagieren! Sie finden, das seien banale Beispiele? Wer so etwas immer wieder probiert, wird merken, dass diese Art von „Sünden hinwegnehmen“ ganz schön viel Anstrengung und Kraft erfordern kann.

Da rede ich noch gar nicht von denen, die große Teile ihrer Lebenskraft in Hilfe für Kriegsopfer oder Erdbebenopfer, in Betreuung Obdachloser, in Begegnung mit Drogen- und Alkoholsüchtigen, in Seelsorge für schwer Kranke oder psychisch Angeschlagene usw. stecken. (Auch noch einmal zurückblickend auf meine Weihnachtspredigt: Stellen sie sich vor: Wie unlebbar wäre unsere Welt ohne diese Sündenhinwegnehmer*innen im Sinne Jesu.)

Ich möchte sie also hiermit ermuntern, diesen Angelobungssatz: Seht das Lamm Gottes. Es nimmt hinweg die Sünde der Welt als Ermunterungssatz anzusehen: Seht das Vorbild Gottes. Versuchen wir es ihm gleichzutun.

Und im Gegensatz zu unserer herkömmlichen Antwort finde ich: Wir sind würdig, unserem Vorbild Jesus nachzueifern, aber wir sind bedürftig, ihn um seine Hilfe zu bitten. Daher bete ich schon lange auf Vorschlag unseres Pfarrers Franz: Herr, ich bin bedürftig, dass du eingehst unter mein Dach.

Der Refrain unseres eben gelernten Liedes fasst in zwei kurzen Sätzen wunderbar zusammen, was ich versucht habe, auszudeuten: Es heißt ja da: Aus deinem Opfer wird unser Opfer. Aus deinem Leben wird unser Leben.

Amen

Diakon Franz Hofmarcher
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Predigt vom 6. Jänner - Heilige drei Könige

Liebe Gottesdienstgemeinschaft,

Das Fest der Heiligen Drei Könige, auch Epiphanie oder Erscheinung des Herrn genannt, wird bei uns am 6. Januar gefeiert und erinnert an die biblische Erzählung von den Weisen aus dem Morgenland, die dem neugeborenen Jesuskind Gold - eine Opfergabe für Könige, Weihrauch - als Zeichen seiner Göttlichkeit - und Myrrhe - für die Einbalsamierung, die den Tod ankündigt – brachten.

Das kennen und wissen wir alles und man denkt sich unbewusst, so wie wir feiern, wird das wohl überall in der katholischen Welt sein.

Ein Blick nach Europa zeigt aber schon, dass es auch in unserer näheren Umgebung viele Formen des Feierns am 6. Jänner gibt!

Allein schon in Europa gibt es dazu sehr unterschiedliche Traditionen!

In Deutschland und Österreich ist vor allem der Brauch des Sternsingens verbreitet. Kinder, Jugendliche und Erwachsene verkleiden sich als die drei Könige – Caspar, Melchior und Balthasar – ziehen von Haus zu Haus, singen Lieder und sammeln Spenden für wohltätige Zwecke. Dabei schreiben sie mit Kreide den traditionellen Haussegen über die Tür: 20+C+M+B+26
Die Buchstaben werden volkstümlich oft als Namen der Könige gedeutet, stehen jedoch ursprünglich für den lateinischen Segensspruch „Christus mansionem benedicat“ („Christus segne dieses Haus“). Inzwischen werden auch schon viele Aufkleber erbeten, weil auf vielen neuen Türen die Kreide nicht zu sehen ist!

In Frankreich und Belgien ist der Dreikönigstag vor allem ein kulinarisches Fest. Traditionell wird ein Blätterteigkuchen mit Mandelcreme, gegessen. In dem Kuchen ist eine kleine Figur versteckt. Wer sie findet, wird für einen Tag zur Königin oder zum König gekrönt und darf oft bestimmen, wer das nächste Mal bezahlt.

In Spanien spielen die Heiligen Drei Könige eine besonders zentrale Rolle, denn dort bringen nicht der Weihnachtsmann oder das Christkind die Geschenke, sondern die Heiligen drei Könige!
Am Abend des 5. Januar finden in vielen Städten große Umzüge statt.
Die Kinder stellen in der Nacht Schuhe bereit, in die am nächsten Morgen die Geschenke gelegt werden.

In Italien ist die Epiphanie eng mit der Figur der Befanav verbunden, einer alten Frau auf einem Besen. Der Legende nach wollte sie die Weisen begleiten, verpasste sie jedoch und sucht seitdem das Jesuskind. In der Nacht vom 5. auf den 6. Januar bringt sie den Kindern Geschenke oder – bei Unartigkeit – Kohle aus Zucker.

Noch einmal aber ein Blick zu unserer Tradition in Österreich.
Bei uns ist das Sternsingen rund um den Jahreswechsel seit Jahrzehnten eine schöne und wichtige Aktion der Katholischen Jungschar!

In Purgstall waren heuer über 100 Kinder, Jugendliche und Erwachsene an 5 Tagen vor und nach dem 1. Jänner unterwegs, verkündeten die Geburt Christi in Bethlehem und sammelten Geld für Menschen in Not in armen Ländern. Über 500 Projekte werden heuer wieder unterstützt, ihr habt ja alle einen Begleitzettel bekommen mit genaueren Daten!

21 Gruppen, davon 6 Erwachsenengruppen waren bei uns in Purgstall heuer unterwegs, 29 Routen gibt es in Purgstall und 20 BegleiterInnen.

Natürlich braucht es da im Hintergrund ein starkes Team, damit die ganze Aktion gut begleitet ist.
Da gibt es einmal unsere Helferinnen für die Gewänder, also 4 Frauen, die die Gewänder vorbereiten, den Kindern beim Ankleiden helfen, reparieren und alles wieder in Ordnung bringen: Monika Greimel, Nina und Gisela Wutzl und Verena Jagesberger.
Und im Hintergrund gibt es das Hauptteam der Sternsingeraktion bei uns: Monika Liedler, Birgit und Werner Wenighofer und Andreas Karner. Da laufen alle Fäden zusammen, da wird von langer Hand vorbereitet, geprobt und organisiert. Heuer schon zum 10-ten Mal ist dieses Team in der Verantwortung! Danke für eure Arbeit in der Pfarre für die Sternsingeraktion!

Ein großes Danke auch allen Familien, die heuer die Sternsinger verköstigt haben! Alle Gruppen wurden zum Mittagessen eingeladen.

Ich selber war auch wieder einen Tag als Begleiter unterwegs und ich bin immer überrascht, wie freundlich, erwartungsvoll und wohlwollend die Sternsinger aufgenommen werden. Viele warten auf die Sternsinger oder sind traurig, wenn sie sie verpassen!

Jetzt werdet ihr fragen: und wieviel wurde gespendet?
Ich kann nur dankbar verkünden: wieder ein Rekordergebnis - wie schon all die Jahre zuvor! Um 1400.- Euro wurde heuer mehr gesammelt als letztes Jahr, im Gesamten bis jetzt 25661,42 Euro! Danke und Vergelt’s Gott!

Jetzt aber freuen wir uns, dass auch wir heute noch einmal Besuch von den Sternsingern hier in der Kirche bekommen:
Sternsingergruppe in der Kirche

Pfarrer Franz Kronister

Predigt vom 4. Jänner

Liebe Gottesdienstgemeinschaft,

Weihnachten ist noch nicht vorbei.
Auch wenn uns genau das Fernsehen, Radio und Wirtschaft schon seit dem 25. Dezember sagen: „Weihnachten ist vorbei. Jetzt kommt der nach – weihnachtliche – Geschenke – Umtausch – Stress!“

Als Kirche zeigen wir etwas anderes: Weihnachten ist noch! Wir sehen es am Kirchenschmuck: Christbaum, Weihnachtsbild, die kleine Krippe vor dem Kreuz, die große Krippe auf der Kirchenplatz-Seite. Wir hören und singen es in unseren Liedern. Und wir hören es im Evangelium: Den gleichen Text haben wir am Weihnachtstag gehört.
„Im Anfang war das Wort. ... Im Anfang war es bei Gott.“
Das soll uns besonders daran erinnern, dass mit dem 24. Weihnachten nicht vorbei ist, sondern dass es der Beginn ist!

Der Beginn einer neuen Erfahrung mit Gott: Gott zeigt sich, wie er ist.
Dieser Beginn ist für mich ganz besonders ausgerückt im Evangelium: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“
So zeigt sich Gott: als Mensch unter Menschen.

Was bedeutet es, wenn etwas Fleisch wird – Gestalt annimmt, wie wir heute sagen würden?
Damals hat das geheißen: Gott nimmt in Jesus Gestalt an. Und lebt nicht im Königspalast oder bei den Priestern, sondern in einer ganz normalen Familie.
Er lernt das Leben kennen und lieben. Er lebt mit den Menschen, erfährt und teilt ihre Freuden und Sorgen. Er lernt das Leben von allen Seiten kennen, an seinem eigenen Körper, seiner eigenen Gestalt – Höhen und Tiefen, Freud und Leid, Leben und Tod.

Damals nahm das Wort Gestalt in Jesus an. Das Wort bekommt ein Gesicht und Hand und Fuß und hinterlässt Spuren. Es ist der Fingerabdruck Gottes, ein persönlicher Stempel: Im Menschen kommt Gott zur Welt.

Und heute? Welche Gestalt nimmt Gott heute an?
Diese Frage kann ich nicht für euch alle beantworten – für jeden von uns wird es etwas anderes bedeuten.
Ich möchte mit euch teilen, was für mich zur Zeit bedeutet: „... und das Wort wird Fleisch …“ - Gott nimmt Gestalt an:

Ich komme mit vielen unterschiedlichen Menschen zusammen – in der Schule, in der kfb, im Alltag und im Beruf.
Und ich sehe das Wort Gottes Gestalt annehmen in den Menschen in den Pfarren, für die der Glaube wichtig ist, die ihr Leben aus dem Glauben heraus gestalten, die sich mit Gott, mit Gottes Wort beschäftigen.
Ich sehe das Wort Gottes Gestalt annehmen in den Menschen, die gemeinsam beten singen, suchen fragen, feiern, einander helfen.
Ich sehe das Wort Gottes Gestalt annehmen, wenn in Diskussionen Verständnis wächst und Glaubenserfahrungen geteilt werden.
Ich sehe das Wort Gottes Gestalt annehmen in Jugendlichen, die fragen, zweifeln und mich als Lehrerin herausfordern: „Warum glauben Sie an Gott?“

In den vielen Gesichtern dieser Menschen nimmt Gott für mich Gestalt an, bekommt Hand und Fuß und hinterlässt Spuren.

Eines bin ich mit sicher: Gott wird auch heute Fleisch, nimmt auch heute Gestalt an und wohnt unter uns.
Und so wie damals ist das Wort Gottes klein und unscheinbar und ohnmächtig – ein kleines Kind.
Ein Beginn, kein Ende.
Weihnachten ist nicht vorbei. Weihnachten ist der Beginn.

Monika Liedler

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