Gemeinsam sind wir Kirche

Predigtarchiv

Predigt vom 1. November - Allerheiligen

Liebe Gottesdienstgemeinschaft!

Kennt ihr die Peanuts? Die sympathischen Figuren decken mit ihrem entwaffnenden Charme menschliche Schwächen auf und erklären sich und uns das Leben.

Hier ein Beispiel:

Linus tut so, als würde er mit Pfeil und Bogen schießen. Lucy beschwert sich bei Charlie Brown: „O nein, jetzt ist er Robin Hood! Wenn er einen Film über Tiefseetaucher gesehen hat, spielt er wochenlang Taucher. Und wenn er einen Film übers Bergsteigen gesehen hat, klettert er anschließend auf alle Möbel!“

Charlie Brown überlegt und sagt dann: „Warum nimmst du ihn nicht einmal mit zu einem Film über Albert Schweitzer?“

Eine nette Geschichte, die uns zum Schmunzeln bringt. Aber sie wirft auch eine interessante Frage auf: Wer ist mein Vorbild? Von wem lasse ich mich inspirieren?

Wir alle haben und brauchen solche Vorbilder. Menschen, an denen wir uns orientieren können. Menschen, die uns Mut machen und zeigen, wie ein Leben gelingen kann.

Schauen wir auf einige solcher Menschen:

Klara von Assisi war eine junge Frau aus einer wohlhabenden Familie. Sie entschied sich, ihr bisheriges Leben hinter sich zu lassen und gemeinsam mit Franz von Assisi einen neuen Weg zu gehen. Sie gründete eine Gemeinschaft von Frauen, die in Einfachheit, Armut und gegenseitiger Unterstützung leben wollten. Auch gegenüber kirchlichen Autoritäten vertrat sie mutig ihre Überzeugungen.

Was von ihr bleibt: Klara zeigt uns, dass Frauen ihren eigenen Weg gehen dürfen. Dass es Mut braucht, zu den eigenen Überzeugungen zu stehen und sich nicht von gesellschaftlichen Erwartungen bestimmen zu lassen. Sie steht für Gemeinschaft, Solidarität und ein Leben in Einfachheit.
Franz von Assisi stammte aus einer wohlhabenden Familie. Doch er entschied sich für ein ganz anderes Leben. Er wandte sich den Armen und Ausgegrenzten zu und wollte so leben, wie Jesus es vorgelebt hatte. Besonders verbunden fühlte er sich mit der Natur. Für ihn waren Sonne, Mond, Wasser und Tiere Geschwister. Sein berühmter Sonnengesang erzählt von dieser Liebe zur Schöpfung.

Was von ihm bleibt: Franz erinnert uns daran, dass alles Leben miteinander verbunden ist. Er lädt uns ein, einfach zu leben, Frieden zu stiften, die Natur zu achten und jedem Geschöpf mit Respekt zu begegnen.
Albert Schweitzer war deutscher Theologe, Musiker und Arzt. Obwohl er bereits beruflich erfolgreich war, entschied er sich, Medizin zu studieren, um Menschen direkt helfen zu können. In Gabun in Afrika gründete er ein Krankenhaus und widmete sein Leben der medizinischen Versorgung kranker Menschen. Seine wichtigste Überzeugung war die „Ehrfurcht vor dem Leben“. Alles Leben ist wertvoll und verdient Achtung.

Was von ihm bleibt: Albert Schweitzer zeigt uns, dass Menschlichkeit nicht nur aus schönen Worten besteht. Sie zeigt sich darin, dass wir Verantwortung übernehmen, Leid lindern und das Leben achten – in all seinen Formen.
Schwester Lea Ackermann war eine deutsche Ordensfrau. Während ihrer Arbeit in Afrika begegnete sie Frauen, die unter Armut, Menschenhandel und sexueller Ausbeutung litten. Sie wollte nicht wegsehen und gründete 1985 die Hilfsorganisation SOLWODI. Diese unterstützt bis heute Frauen und Mädchen, die Gewalt und Ausbeutung erfahren haben.

Was von ihr bleibt: Lea Ackermann zeigt uns, wie wichtig es ist, nicht wegzuschauen. Sie erinnert uns daran, dass jeder Mensch Würde hat und ein Recht auf ein Leben in Freiheit und Sicherheit. Und dass wir manchmal den Mut brauchen, unsere Stimme für andere zu erheben.
Vier beeindruckende Menschen. Vier ganz unterschiedliche Lebensgeschichten. Und doch verbindet sie etwas: Sie haben sich von einer Idee, von einer Überzeugung, von ihrem Glauben bewegen lassen. Und sie haben daraus etwas gemacht.

Aber keine Sorge: Wir müssen uns nicht mit diesen großen Persönlichkeiten messen. Wir müssen nicht gleich ein Krankenhaus gründen, eine Ordensgemeinschaft ins Leben rufen oder eine Hilfsorganisation aufbauen.

Ich kenne viele ganz normale Menschen in meinem Umfeld, die mich unglaublich inspirieren. Menschen, die mit viel Liebe für andere da sind. Menschen, die sich engagieren, die nicht wegschauen, wenn jemand Hilfe braucht. Menschen, die einen tiefen Glauben haben, der sie trägt und ihnen Kraft gibt. Menschen, die durch ihr Leben zeigen, was wirklich wichtig ist.

Es sind oft gar nicht die großen Taten. Es sind die kleinen Dinge, die Spuren hinterlassen. Ein gutes Wort. Eine helfende Hand. Ein offenes Herz. Der Mut, für andere einzustehen. Die Bereitschaft, das Leben mit anderen zu teilen.

Und vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft von Allerheiligen:

Wir brauchen Vorbilder. Menschen, die uns zeigen, was möglich ist. Aber wir sind auch selbst eingeladen, Vorbilder zu sein. Nicht perfekt. Nicht außergewöhnlich. Nicht für alle sichtbar. Sondern einfach durch das, was wir tun und wie wir leben.

Denn vielleicht wird sich irgendwann jemand an uns erinnern und sagen: Von diesem Menschen habe ich gelernt, was es heißt, füreinander da zu sein. Dieser Mensch hat mir Mut gemacht. Durch diesen Menschen habe ich etwas von Gottes Liebe erfahren.

Heilige leben nicht nur in der Vergangenheit. Sie leben auch heute – mitten unter uns. Und vielleicht können auch wir für andere zu solchen Menschen werden.

Amen.

Monika Liedler

Predigt vom Weltmissionssonntag, 18. Oktober

Liebe Gottesdienstgemeinschaft!

Heute ist Sonntag der Weltkirche, Weltmissionssonntag. Da passt der Brief des Apostel Paulus an die Thessalonicher hervorragend. Wir hörten den Eröffnungsvers des Briefes. Paulus wünscht zuerst Gnade und Frieden. Und dann beginnt er mit einem ausführlichen DANKE! Danke, dass die ersten Christen Thessalonikis ihre Mission im Sinne Christi erfüllen, er dankt für den starken Glauben, für die liebevolle Mühe und für die Hoffnung in scheinbar schwieriger Situation. Und er ermuntert die Gemeinde in Thessaloniki mit dem Hinweis, dass die Frohe Botschaft Christi nicht nur in Worten, sondern mit Geist und Kraft - ich übersetze das mit geistvollem, klugem Handeln - weitergetragen wird.

Wir dürfen uns als heutige Christen von Paulus in ähnlicher Weise angesprochen fühlen, indem wir als Menschen guten Willens, als Missionare Christi versuchen, seine Worte, seinen Geist der Liebe und Zuwendung zu den Menschen in kraftvolles Handeln zu übersetzen.

Mission heißt Sendung: Wir alle sind spätestens seit unserer Taufe Gesandte Gottes. Es ist nicht nur der Priester, die geistliche Schwester, die Diakone, die Geweihten, die Gottes Liebe verbreiten sollen. Nein, wir alle sind zur Mission berufen, zum liebevollen, achtsamen aufeinander Schauen und einander unterstützen. Unsere Missionsstationen sind unsere Familien, unser Arbeitsplatz, unsere Pfarrgemeinschaft usw. Und wir können stolz sein, dass sich in unserer Pfarrgemeinde so viele um Mission am Nächsten bemühen, Paulus würde dankbar sein, Natürlich sind wir auch als Pfarrleitung, an der Spitze unser Pfarrer Franz, dankbar für so vielfältige Missionsarbeit in unserem pfarrlichen Umfeld. (Suppenküche, Pensionistinnen, Krankenkommunion usw.)

Aber Sonntag der Weltkirche weist uns schon darauf hin, dass es wohl zu wenig ist, nur in der engeren Lebensumgebung zu missionieren. Unsere katholische Kirchengemeinschaft hat nicht umsonst den Anspruch eine Weltkirche zu sein. Deshalb ist der sprichwörtliche Blick über den eigenen Tellerrand gerade in einer Zeit gefragt, in der wir mit der ganzen Welt vernetzt sind. Angesichts vieler bedrohlicher Szenarien auf dieser Erde, ist es ganz besonders wichtig, dass sich Menschen guten Willens zusammentun, um in möglichst vielen kleinen Initiativen dem Auftrag Christi zur Mission, um der Sendung Gottes befreiender Botschaft zum Durchbruch zu verhelfen.

Nachdem wir nicht alle in den ärmeren Gebieten der Erde Hand anlegen können, ist es für uns als wohlhabende Gesellschaft angemessen, finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen - für Menschen, die sich in ärmlichen Gegenden dieser Erde engagieren für ein besseres Leben von Bedürftigen, für die Ermächtigung von Ausgegrenzten im Sinne unseres Gottes. Viele von uns unterstützen schon missionarische Tätigkeiten und helfen mit kleinen oder größeren Spenden, sei es z, B, für Oradea oder auch für Schulprojekte in Indien.

Und damit bin ich am Punkt meines heutigen Anliegens. Da ich schon mehrmals diese Missionsprojekte in Indien besuchen durfte, sind sie mir ein besonders Anliegen. Im Mittelpunkt steht heuer die Schul - Mission von Father Leonard in Vellakulam in Tamil Nadu. Weil es in dieser Gegend so viele arme Kinder gibt, die Schulbildung brauchen um sich zu entwickeln, muss die Gemeinschaft um Father Leonhard einen großen Zubau zur Schule errichten, damit die 1 300 derzeitigen Schüler:innen gut unterrichtet werden können. Die Baukosten für den Neubau betragen 380 000 €, etwa die Hälfte ist bisher finanziert. Mein Ehrgeiz, auch mit Pfarrer Franz und dem Pfarrteam abgesprochen ist es, 10 000 € von der Pfarre Purgstall mitzutragen.

Dazu habe ich schon einige Runden und Gruppen gebeten mitzuhelfen und habe auch dankenswerter Weise schon einige Zusagen. Sehr hilfreich sind auch die 10 % von der Erntedanksammlung für dieses Projekt.

Um wirklich die 10 000 Euro zu schaffen, braucht es aber noch einige kreative Aktionen. So bin ich auf die Idee gekommen einen Jahreskalender für 2027 drucken zu lassen, ihn in Purgstall und Umgebung, eben auch in unserer Pfarre anzubieten mit der Bitte um eine Spende für das Projekt.

Die Druckkosten übernehme ich persönlich, das ist mein Beitrag. Also jeder Euro, der für den Kalender gespendet wird, kommt dem Missionsprojekt zugute. Den Kalender könnte man auch gleich als Weihnachtsgeschenk an andere und sich selbst, sowie wunderbarerweise auch an die Kinder in Indien sehen.

Mitglieder der Weltgruppe werden nach der Messe an den Ausgängen mit Kalender und einem Körbchen stehen. Wir würden uns freuen, wenn Ihr einen Kalender gegen eine möglichst großzügige Spende erwerben würdet. Ich habe den Kalender schon mit und möchte ihn Euch gerne kurz vorstellen.

Abschließend möchte ich noch einmal auf die Titelseite des Kalenders zurückkommen. Dort steht folgendes afrikanische Sprichwort, das auch das Motto unserer Unterstützung sein kann: „Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können das Gesicht dieser Welt verändern.“ Ich würde den letzten Teil hier heute gerne abwandeln: …können Gottes frohe, ermutigende Botschaft zur Welt bringen. In diesem Sinn sind Millionen Menschen guten Willens Missionare, Gesandte Gottes. Wir brauchen jede/jeden Einzelnen. Danke für einen starken Glauben und für ein zuversichtliches Handeln.

Amen.
Diakon Franz Hofmarcher

Predigt vom 11. Oktober

Schwestern und Brüder im Herrn, geschätzte Gottesdienstgemeinschaft!

Die Diözese St. Pölten feiert heute den Weihetag ihrer Domkirche. Wann genau die Weihe stattgefunden hat, weiß man nicht mehr so genau, seit dem Jahr 2015 wird dieser Jahrestag am 11. Oktober gefeiert. Das wurde als verbindliches Datum von der Gottesdienst-Kongregation in Rom so festgelegt.
Was ist an diesem Gedenktag so wichtig, dass er sogar, da er heuer auf einen Sonntag fällt, den regulären Sonntag der Leseordnung verdrängt?

Sicher geht es nicht um die Feier dieses kirchen- und kunstgeschichtlich so interessanten Gebäudes der ehemaligen Stiftskirche und jetzigen Kathedralkirche; auch nicht an die Erinnerung an die Baumeister und seine Handwerker – so geschickt die auch gewesen sind.

Schon eher kommt dieser diözesanweite Gedenktag daher, dass der Bischof und damit eine Diözese nicht einfach nur ein Verwaltungsbereich der weltweiten Kirche, eine Filiale von Rom ist, sondern als Teilkirche eigentlich ganz Kirche ist.
Die Bischöfe werden von Bischöfen geweiht, die selbst von Bischöfen geweiht wurden, die auch von Bischöfen geweiht wurden usw. bis hin zu den Aposteln – man nennt das die „Apostolische Sukzession“. Es ist also Symbol einer 2000-jährigen Gemeinschaft, deren Ursprung in der Ernennung und Aussendung der zwölf Apostel liegt.
Darum tragen auch fast alle Kirchen - auch unsere - diese Zeichen der Apostel, das sind die Apostelkreuze. Diese Kirchen aus Stein mit den Apostelkreuzen verweisen auf eine Kirche, die aus lebendigen Steinen erbaut ist, deren Fundament und Haupt Christus ist.
Oder wie Paulus im 1. Korintherbrief schreibt: „Wisst ihr nicht, dass ihr Tempel Gottes seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“

Aber warum braucht es dann überhaupt noch Kirchen?
Das ist eine Frage, die auch Jesus und die Frau aus Samárien im Evangelium beschäftigen. Wo ist der geeignete Ort für das Gebet? Wo soll Gott angebetet werden? Hier am Berg, oder im Tempel in Jerusalem?
Eine Frage, die auch heute viele Menschen bewegt. Wo können wir Gott begegnen? Muss ich dazu in den Gottesdienst am Sonntag in die Kirche kommen? Kann ich nicht auch zu Hause im Gebet und beim Lesen der Bibel Gott nahe sein? Andere wieder sagen: Ein Spaziergang im Wald, in der Natur – da bin Gott ganz nahe. Wieder andere spüren Gottes Nähe im Dienst am Nächsten: Wenn ich anderen helfe, da spüre ich Gottes Geist.
Jesus sagt: Es geht nicht um bestimmte Zeiten und Orte, es geht vielmehr um ein überhaupt und in welcher Gesinnung. „Im Geist und in Wahrheit“ nennt Jesus das.

Noch einmal: Wozu aber dann eine Basilika, ein Tempel, eine Kirche, welche Bedeutung, welchen Zweck hat eine Kirche, ein Dom zu erfüllen?
Hier tun sich zumindest zwei Bedeutungsdimensionen auf:
Zum einen ist eine Kirche jener umbaute Raum, in dem die Erfahrung des Heiligen einen sichtbaren, begreifbaren und betretbaren Ort bekommt. Wir bezeichnen sie als heilige Orte. Wir weihen diese Anordnung von Steinen, Holz und Ziegel, und heben sie so aus dem profanen, aus dem gewöhnlichen heraus und machen daraus einen besonderen Ort, zu einem Ort der Gottesbegegnung.
Zum anderen ist Kirche jener Raum, der über meine persönliche Gottesbegegnung hinausgeht. Unser Glaube ist mehr als „Ich und mein Herrgott.“ Im Wissen um solidarisch Gleichgesinnte, wird die Kirche also zu einem Erfahrungsort des Wesens von Kirche als Gemeinschaft. Hier werden die Höhen und Tiefen des Lebens gefeiert, hier wird getauft und verabschiedet, hier wird der Bund fürs Leben geschlossen, hier wird das Brot des Lebens gereicht, hier werden die Jugendlichen mit den Gaben des Hl. Geistes ausgestattet, und, und, und. Und das alles in Gemeinschaft.

Diese Erfahrung von Gemeinschaft wurde für mich ganz besonders spürbar, als wir vor zwei Wochen im Dom in St. Pölten den Sonntag der Völker gefeiert haben, wo viele Menschen aus vielen Nationen und in vielen Sprachen zum gemeinsamen Gottesdienst zusammengekommen waren.
Hier wird spürbar: aus dem Glauben einzelner formt sich Gemeinschaft.

Ihr seid Gottes Tempel, in euch wohnt der Geist dessen, der Mitte und Haupt aller Kirchen ist: Christus, der Erlöser.


Amen.
Diakon Peter Leichtfried

Predigt vom 13. September

Liebe Gottesdienstgemeinschaft!

Ich beginne heute meine Überlegungen - nicht ohne Grund - mit einem Zitat aus der Lesung der vorigen Woche: Da hieß es gleich im ersten Satz des Römerbriefes des Apostels Paulus: „Bleibt niemandem etwas schuldig, nur die Liebe schuldet ihr einander immer!“ Weil das so eine tolle Aussage ist und weil sie so zu unseren heutigen Lesungen passt, gleich noch einmal: „Bleibt niemandem etwas schuldig, nur die Liebe schuldet ihr einander immer“.

Und heute hörten wir aus demselben Römerbrief die Erweiterung dazu: „Keiner von uns lebt sich selber“…usw., denn…so ergänze ich jetzt: Wir können gar nicht von alleine leben, wir sind angewiesen auf unsere Mitmenschen und noch mehr angewiesen sind wir auf die Erde, auf Gottes Schöpfung. Damit wir leben können, sind wir auf vielfältige Geschenke der Schöpfung, der Menschen mit und vor uns angewiesen. (Hinweis auf Schöpfungsverantwortung)

Auch wenn manche mächtige Erdenbewohner in einer Form von Hybris meinen, sie sind niemandem etwas schuldig, so wären sie nichts ohne die vielfältige Unterstützung und Zuwendung von Menschen. Ohne den bedingungslosen Lebenskredit Gottes und der Liebe, die er in die Menschen sät, kämen diese sogenannten Selfmademen - ein furchtbares Wort - nicht einmal auf die Welt. Und darum ist dieser Satz „Die Liebe schuldet ihr einander immer“ in einem unendlichen Ausmaß richtig. Gottes Liebe ist bedingungslos. Damit wir leben können, brauchen wir aber von Anfang an die Liebe, die Zuwendung, die Unterstützung, die Hilfe anderer Mitmenschen, der Eltern, der Erzieher:innen, der Freund:innen.

Ja nicht nur das: Um gut zu leben brauchen wir tagtäglich tausende Menschen, die sich anstrengen, damit wir unsere Bedürfnisse befriedigen können. Ein Beispiel gefällig? Ich habe hier ein Stück Brot. Wenn wir das essen, denken wir in der Regel nicht daran, was passieren musste, damit wir dieses Brot essen können. Da braucht es einmal einige Zutaten, Mehl, Salz, Germ, Gewürze, Wasser. Bleiben wir aber vorerst der Einfachheit halber beim Mehl.

Wordrap:; Mehl - Weizen, Roggen - Anbau auf den Feldern viele Monate vorher - Landwirte mit know how und Liebe zur Arbeit - Sämaschine - Metallteile - Stahl - Eisen - Bergbau, die ja wieder Maschinen und Werkzeug brauchen - Traktoren - neben schon erwähnten Stahlteilen Gummiräder - Gummifabrik - Gummibauern in Indien - Traktoren brauchen Diesel - Menschen in Raffinerien, Ölleitungen, Menschen auf Schiffen, Menschen, die nach Öl bohren --- Menschen, die das Korn zur Mühle bringen, Menschen, die Mühlen betreiben, die das Mehl abpacken - Papier - Papiererzeugung - wieder Maschinen, Papier kommt von Holz - Holzarbeiter - Holzfuhren - fürs Mahlen und die Papiererzeugung braucht es Strom - Stromleitungen. Wasserkraftwerke - Beton - Menschen, die Beton erzeugen, dazu braucht es Maschinen, Zementerzeugung und Wasser, damit das Wasser verwendet werden kann, braucht es Leitungen, Leitungsrohre, das Brot fliegt ja nicht zu mir mach Hause, ich hole es im Bauernladen - Holzeinrichtung durch Tischler usw. und so fort.

Dieses kleine Stück Brot, das mich ernähren soll, setzt voraus, dass es abertausende Menschen gibt, die mit Hingabe, Einsatz und Liebe ihre Arbeit tun. Jetzt bin ich aber nur vom Mehl ausgegangen. Dasselbe unglaubliche Spiel ließe sich noch mit dem Salz, mit der Germ, mit den Gewürzen und dem Wasser fortsetzen.

Wenn ich dieses Stück Brot esse, bin ich schon abertausenden Menschen etwas schuldig, obwohl ich dafür nur einen kleinen Betrag bezahle. Sie geben - vergeben mir - ihren Einsatz, ihre Lebenskraft.

Jetzt reden wir ja noch gar nicht davon, dass es dann noch die Menschen braucht, die das alles in den Geschäften verkaufen, dass all diese arbeitenden Menschen in allen sogenannten Lieferketten selbst versorgt werden müssen, dass sie betreut, geheilt werden müssen, wenn sie sich verletzen oder erkranken, dass sie gebildet werden müssen, damit sie das zu leisten imstande sind, was mir zu gutem Leben verhilft.

Und schon gar nicht reden wir davon, dass all diese Menschen, die für mein Wohlergehen arbeiten, selbst auch Kraft, Zuspruch. Motivation brauchen, dass sie Zuwendung und Liebe brauchen, damit sie sich selbst verwirklichen lernen und dadurch für ihre Mitmenschen da sind.

In diesem kleinen Stück Brot ist letztlich die ganze Welt versammelt. Und das gilt im Übrigen für alles, was wir brauchen um zu leben. Wir brauchen uns gegenseitig so wie ein Stück Brot. Deshalb ist es unglaublich wichtig, dass wir wie Nahrung zueinander sind, dass wir uns gegenseitig stärken, dass wir uns so gut wie möglich um einen liebevollen Umgang bemühen, dass wir einander nicht ausnützen, und dass wir einander dankbar unsere Schwächen vergeben.

Und damit bin ich mitten in unserem heutigen Evangelium angelangt: Aus all dem Gesagten ist wohl verständlich, dass der König immens zornig ist, wenn sein Knecht seinem Mitknecht nicht vergibt, ihn nicht entschuldet, wo er sich doch selbst einer bedingungslosen, allerdings unverfügbaren Liebe des Königs bedienen kann.

Die Schlussfolgerung für uns Menschen liegt auf der Hand: Gott, seine Liebe, die Schöpfung gibt unentwegt, bedingungslos. Deshalb schulden wir einander die Liebe immer. Wir sind als christliche Menschen von Gott gerufen, aneinander ähnlich zu handeln: zu lieben, zu achten, zu verzeihen, zu vergeben, wo es uns möglich ist.

Im Wort vergeben steckt ja das Wort geben. Vergeben hat also einen doppelten Sinn: Ich kann Schuld vergeben indem ich an meine Mitmenschen gebe, vergebe, was mir Gott an Talenten und Fähigkeiten geschenkt hat. Damit trage ich dazu bei, was wir im Vater unser immer wieder erbitten: „Dein Reich komme, Dein Wille geschehe.“

Das heutige Evangelium kann im 18. Kapitel des Matthäusevangeliums nachgelesen werden.

Amen!

Diakon Franz Hofmarcher

Predigt vom 16. August

Liebe Gottesdienstgemeinschaft!

Tyrus und Sidon waren zwei wichtige Hafenstädte im Lande Kanaan, etwa im heutigen Südlibanon gelegen. Jesus zog sich also in ein nichtjüdisches Gebiet zurück um seine Ruhe zu haben und auftanken zu können. Urlaub sozusagen. Gerade erst hatte er den Tod seines Cousins Johannes des Täufers zu verkraften, war von den vielen Begegnungen und Heilungen bei und nach der Speisung der 5000 erschöpft.

Und in dieser Situation erwischt ihn die kananäische Frau, eine Heidin, eine die einem Vielgötterglauben anhängt, mit ihrer Bitte um Heilung ihrer Tochter offensichtlich vorerst auf dem falschen Fuß. Die Apostel sind sowieso genervt über die Frechheit dieser Heidin, Jesus um Hilfe zu bitten. Aber Jesus ist gewöhnt, sich mit möglichst jedem Menschen auseinanderzusetzen (viele Beispiele dazu) und daher beginnt er mit ihr zu reden und macht ihr klar, dass er ohnehin mit den jüdischen Bedürftigen genug zu tun hätte, dass er jetzt nicht die Kraft hätte auch noch Andersgläubige zu heilen.

Aber diese Frau argumentiert klug, indem sie - natürlich im Bild der Brotkrumen für die kleinen Hunde bleibend - Jesus darauf aufmerksam macht, dass jeder und jede Gottes Geschöpf ist, egal ob sie sich als gläubig oder nichtgläubig zeigt. Und diese Argumentation beeindruckt Jesus mächtig. Ich würde sogar sagen, er besinnt sich in dem Moment seiner Aufgabe, die er von seinem Vater mitbekommen hat: Heilung, das Heil, das Göttliche allen Menschen dieser Welt anschaulich zu vermitteln:

„Frau, dein Glaube ist groß“ - er sagt das einer Heidin, so wie wenn wir das heute einer Muslima, einer Hindu, einem Bhuddistin zusagen würden. „Frau, dein Glaube ist groß“, sagt er und fügt an: „Es soll dir geschehen, wie du willst.“ Soweit - so spannend:

Aus dieser kleinen Szene entwickelte sich nämlich fast 2000 Jahre später eine sehr starke Wurzel für eines der allerwichtigsten und - bis heute umstrittensten Dokumente des 2. Vatikanischen Konzils. Das Dokument heißt Lumen Gentium - frei übersetzt „Christus ist das Licht für alle Völker“ - und beschäftigt sich mit dem Wesen der Kirche.

Es gibt tausende Schriften und Bücher darüber. Ich möchte hier aber nur diesen einen Wurzelstrang freilegen, der sich mit der Sicht der Kirche mit Nichtgläubigen und Andersdenkenden - mit den Fremden und Befremdlichen - beschäftigt. Gerade der Umgang mit allen, die scheinbar (siehe die kananäische Frau) Nichtgläubig sind, ist einer der größten Streitpunkte in dem aktuellen Konflikt zwischen unserem Papst und den Piusbrüdern oder anderen Teilen der Kirche, die sehr konservativen Glaubensvollzügen anhängen. Diese Kritiker erkennen tatsächlich Teile des Dokuments Lumen Gentium nicht wirklich an - eben auch jenen Abschnitt, den ich jetzt zitiere und der sich - wie ich schon sagte - unter anderem auf unsere heutige Evangeliumsstelle bezieht:

„Volk Gottes in aller Welt: Auch die Menschen, die das Evangelium noch nicht empfangen haben, gehören auf verschiedene Weise zum Volk Gottes. Das gilt in erster Linie von jenem Volk, dem der Bund und die Verheißungen gegeben worden sind und aus dem Christus dem Fleisch nach geboren ist. (gemeint ist das jüdische Volk). … Sein Heilswille umfasst aber auch alle, die ihn als ihren Schöpfer anerkennen. Unter ihnen sind besonders die Muslim zu nennen, die sich zum Glauben Abrahams bekennen und mit uns den einen Gott anbeten, den gnädigen und barmherzigen Gott. … Aber auch den anderen, die in Schatten und Bildern Gott suchen, auch ihnen ist er nahe, da er allen Wesen Leben und Atem und alles gibt; er ist ihr Erlöser, er will, dass alle Menschen gerettet werden. (II. Vatikan. Konzil, Über die Kirche 16)“

Für viele von uns, mit unserem heutigen Glaubensverständnis, hört sich der Text nicht gerade sensationell an. Wenn man allerdings bedenkt, wie sehr Vertreter der katholische Kirche im Zeitraum von fast 2000 Jahren ihre Glaubensauffassung über Andersgläubige erhöht haben, ja Andersdenkende, Andersglaubende verfolgen, erniedrigen, ausstoßen, ermorden haben lassen, dann ist dieser Text sensationell revolutionär und schließt genau beim revolutionären Zugang Jesu zu den Andersgläubigen seiner Zeit an.

Für konservative Kritiker dagegen wird durch Lumen Gentium mit dieser Offenheit gegenüber allen Glaubensvollzügen und allen Religionen der Untergang der katholischen Kirche eingeläutet. Aber wovor haben sie Angst? Was vergeben wir uns als Katholiken, wenn wir allen Menschen guten Willens dem Beispiel Jesu folgend zusagen: Dein Glaube ist groß - sofern du dich selbst als Geschöpf Gottes begreifst und dich um deinen Nächsten ebenso gern bemühst, wie um dich selbst.

Ja, ich behaupte sogar, dass es die einzige Art und Weise ist, wie unsere Kirche in der heutigen, säkularisierten Gesellschaft wirken kann: Indem sie auch ganz bewusst auf jene Menschen zugeht, die sich der Kirche entfremdet, entfernt haben, sie wahrnimmt als Menschen, die an ein gutes, friedliches, glückliches Leben glauben und hoffen. Die Gottesdienste unserer Gemeinde (wo wir immer weniger werden) dürfen sich wandeln in Gottesdienste des Alltags, wo die Nachfragen nach spiritueller, sozialer, gesundheitlicher Hilfe immer mehr werden.

Unser Glaube ist gefragt. Unser Glaube darf groß sein, unser Glaube, dass Gott wirkt, auch wenn nicht mehr so viele mit uns Gottesdienst feiern oder nur sehr unregelmäßig die Eucharistie empfangen.

Ich glaube wir sind in unserer Kirche auf dem Weg zur Jesusnachfolge auch nach 2000 Jahren noch lange nicht am Ziel.

Müssen wir auch nicht!! Denn unser Ziel entsteht im Gehen, im Zugehen auf die Menschen die guten Willens sind, im Zugehen auf Andersgläubige (da gehören die christlichen Religionen ebenso dazu wie die muslimischen Religionen und alle Glaubensauffassungen, die den Mitmenschen dienlich sind und für Frieden und Heil eintreten),

im Zugehen auf Befremdliche (Da gehören Menschen dazu, die nicht dem Mainstream entsprechen, homosexuelle, quere Menschen, auch Menschen, die ihren Lebensfaden verloren haben usw.),

und im Zugehen auf hilfesuchende Fremde, die guten Willens sind - und das sind wohl die meisten von ihnen.

Dass diese Fragen schon vor Jahrtausenden Thema unter den Gläubigen waren, beweist uns der Text des Propheten Jesaja, den wir heute in der Lesung hörten: Dort hieß es: „Und die Fremden, die sich dem Herrn anschließen, … sie werde ich zu meinem heiligen Berg bringen und sie erfreuen in meinem Haus des Gebets. Ihre Brandopfer werden Gefallen auf meinem Altar finden, denn mein Haus wird ein Haus des Gebetes für alle Völker sein.“

Wir haben mit Jesus und seinem Lebensvorbild allen Menschen dieser Welt etwas zu verkünden, ohne es ihnen aufdrängen zu wollen. Wir haben in Jesus vor allem ein Vorbild, wie wir die frohe Botschaft verkünden sollen: Im Da sein füreinander, im Beten füreinander, im Dienen füreinander , im Glauben aneinander. Dann wächst unser Glaube und wird vielleicht so groß, wie jener der kananäischen Frau.

Amen.

Diakon Franz Hofmarcher

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Predigt vom 15. August - Maria Himmelfahrt

Geschätzte Feiergemeinschaft!

Es war im Jahr 1950, da hat Papst Pius XII. das Dogma von der „Aufnahme Mariens in den Himmel“ feierlich verkündet.
„Die Gottesmutter Maria ist mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen worden.“
Es gab damals - 1950 - nicht nur Zustimmung zu diesem Dogma. Viele meinten, es unzeitgemäß, obwohl der Gedanke des Festes schon lange gelebter Glaube vieler Christen war, und missverständlich.

Papst Benedikt XVI. formulierte es einmal so: „Wir glauben, dass Maria, wie Christus, ihr Sohn, den Tod schon besiegt hat.“ Im Unterschied zu Jesus Christus, der im katholischen Glauben aus eigener Kraft zu Gott emporsteigt, wird Maria in den Himmel aufgenommen. Im Deutschen heißt beides Himmelfahrt, im Lateinischen wird der Unterschied deutlicher zwischen „Assumptio Mariae“ (Aufnahme Mariens) und „Ascensio Christi“ (Hinaufsteigen Christi).

Papst Pius XII. wollte mit diesem Fest auf etwas ganz Wesentliches hinweisen: Maria ist für uns als Zeichen „an den Himmel gesetzt“, damit wir „aufschauen“ zu ihr.
Ein Zeichen der Hoffnung ist sie für uns: am Himmel, wie ein Stern, der Orientierung gibt. Wie ein Meerstern, wie ein Morgenstern.
Ein leuchtendes Vorbild ist sie uns, in allem was sie war und wie sie war.
Eine, die für „Verheißungen“ zu haben war, eine, die sich auf etwas Unbekanntes einlassen konnte, eine, die auf Gott vertraute.

Wie gesagt: 1950 wurde dieses Dogma verkündet. Nach dem Krieg, nach einer Zeit, in der die Menschlichkeit mit Füßen getreten wurde, in der vielen Menschen schmerzlich bewusst geworden war, dass sie auf die falschen Vorbilder gesetzt hatten, in der sich Menschen selbst in den Himmel gehoben hatten, die dann abstürzten und viele mit ins Verderben rissen - Gerade in der Zeit nach dem Krieg brauchten die Menschen Hoffnung, Zeichen der Hoffnung.

Zeichen und Bilder gibt es viele in diesem Gottesdienst. In der Lesung aus der Offenbarung des Johannes erscheint das Bild des Drachen, der das Leben vernichten will – wie die Hitze und die Trockenheit, der wir scheinbar ohnmächtig gegenüberstehen, wie kriegstreibende Staatsmänner, die um den Preis des Lebens anderer ihre Macht ausspielen, wie kapitalistische Strukturen, die immer Reichere und gleichzeitig immer Ärmere hervorbringen.
Es erscheint aber auch das Zeichen der Frau mit dem Kind – eigentlich machtlos gegen den Drachen – und doch der rettende Sieg eines Gottes, der auf die Niedrigkeit seiner Magd schaut und die Hungernden mit seinen Gaben beschenkt.

Uns begegnet das Zeichen der Kräuter und Blumen, die heute gesegnet werden. Heilkräfte, die uns in den Kräutern und Blumen angeboten werden, als Teil der Schöpfung eines Gottes, der nichts anderes will, als unser Heil: körperlich und seelisch.

Welche Zeichen der Hoffnung brauchen wir heute? Und es sei auch die Frage erlaubt: Auf welche Vorbilder schauen wir heute? Wer sind unsere „Stars“? Zu wem blicken wir auf?

Das heutige Fest möchte uns Orientierung bieten, indem es auf Maria verweist, von der wir glauben: sie wurde in den Himmel aufgenommen.
Zu unserer Orientierung, als unsere Hilfe, zu unserem Heil.

Amen.

Diakon Peter Leichtfried

Predigt vom 2. August

Schwestern und Brüder im Herrn!

„Biblische Marktwirtschaft – ein ökonomisches Chaos.
Zuverlässige statistische Berechnungen haben ergeben, dass 5 Brote und zwei Fische nicht für 5000 Mann ausreichen können.“
So, oder so ähnlich könnte eine Schlagzeile in einer Zeitung lauten.

Ja, da haben die Jünger schon irgendwie recht: aus ehrlicher Sorge um die natürlichen Bedürfnisse der Menschen hätte Jesus die Leute nach Hause schicken müssen.

Wobei dieses Ansinnen auch mit sehr viel Optimismus verbunden ist, wo sie doch in einer einsamen Gegend sind, an einem abgelegenen Ort. Wo sollten vernünftigerweise 5000 Männer und dazu noch die Frauen und Kinder ausreichend Nahrung besorgen können in dieser öden Gegend. Auch eher unwahrscheinlich, dass sich das ausgeht.

Aber Jesus geht es scheinbar um viel mehr als um marktwirtschaftliche Modelle. Das Evangelium zeigt uns eindrücklich, wie groß das Interesse Gottes am Menschen ist.

Dazu bräuchten wir eigentlich gar nicht mehr hören, als dass Jesus Mitleid mit den Menschen hatte, und die Kranken heilte, die bei ihnen waren. Das geht fast ein wenig unter bei der nachfolgenden beeindruckenden Erzählung der Speisung der 5000.

Und dazwischen liegt noch der so bedeutungsvolle Satz Jesu: „Gebt ihr ihnen zu essen!“

Die Erfahrung, weggeschickt zu werden, ist alles andere als schön. Die Erfahrung: „Jetzt werde ich wieder vertröstet, jetzt muss ich wieder von Pontius zu Pilatus laufen, letztlich muss ich doch wieder alles selber leisten, organisieren, schaffen“, kann wieder zu der Überzeugung führen: meine Bedürftigkeit interessiert eigentlich niemanden.
Aber genau das zeigt Jesus: Interesse an den Bedürfnissen der Menschen. Ihre Not trifft ihn im Innersten, er hat Mitleid.
„Sie brauchen nicht wegzugehen“ sagt Jesus, er will nicht, dass die hungrigen Menschen ihrem Schicksal überlassen werden.
Und bei der Komposition der Erzählung wird auch klar: es geht nicht um den kleinen Hunger zwischendurch, es geht um den großen Lebenshunger.

„Gebt ihr ihnen zu essen“ sagt Jesus und sie bringen ihm fünf Brote und zwei Fische.
Für gläubige Juden dürfte sofort klar sein, worauf der Evangelist hinweist. Die fünf Brote stehen für die fünf Bücher Mose, das Gesetz. Die zwei Fische bezeichnen die beiden anderen großen Literatur-Gattungen des ersten Testaments: die Weisheits- und die Geschichtsbücher. Und: Fünf und Zwei ergibt Sieben: Die Zahl Sieben in der Sprache der Bibel ist die Vollkommenheit, die Fülle. Damit verweist der Evangelist darauf, dass wir längst alles dabeihaben – die materielle und die geistige Nahrung - alles, was wir brauchen, um satt zu werden – als ganze Menschen.

„Gebt ihr ihnen zu essen“. Dass die Menschen in ihrem vielfältigen Hunger satt werden können, bedeutet damit, dass man sich aber darum kümmern muss. Da hilft kein Heraushalten, kein Abschieben, kein Verweisen auf andere und damit sich herausstehlen aus der Verantwortung.
Es braucht Kreativität und Phantasie, es braucht das Beisteuern der eigenen Möglichkeiten und Ressourcen - auch wenn es nach nicht viel aussieht - damit Gott das Wunder der Sättigung bewirken kann.

Es wird nicht berichtet, wie die Leute satt werden, nur dass sie satt werden. In Darstellungen, auch in Filmen, begegnet uns das Speisenwunder oft in einer „Tischlein-deck-dich“-Manier. Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, dass Jesus diesen Hokuspokus braucht oder haben will.

„Gebt ihr ihnen zu essen“. Das sagt Jesus seinen Jüngern und damit seiner Kirche und damit uns.
Wenn wir bereit sind, das einzusetzen, was wir haben, kann Gott Großes daraus machen. Dann bleibt sogar noch viel übrig – 12 Körbe voll, also für das ganze Volk Gottes, also für die ganze Menschheit.

„Fünf Brote und zwei Fische, 5000 werden satt. Wenn Jesus lädt zu Tische, dann werden alle satt.“ Heißt es in einem Lied, das wir gerne auch am Jungscharlager als Tischgebet singen.
Wo geteilt wird, ereignet sich Reich Gottes.

Amen.

Diakon Peter Leichtfried

Online auf Youtube

Predigt vom 26. Juli

Liebe Gottesdienstgemeinschaft!

Unser heutiges Evangelium schließt an dem von letzten Sonntag an, von dem wir allerdings nur die Kurzfassung gehört haben. Erinnern wir uns: Es ging um die Saat und das Unrkraut. Es folgten dann die Gleichnisse von Senfkorn und vom Sauerteig. Und heute geht es weiter: mit dem Schatz, der Perle und dem reichen Fischfang.

Alles Gleichnisse, mit denen Jesus den Menschen vom Reich Gottes erzählt.

Jesus spricht vom Reich Gottes nicht in großen theologischen Begriffen. Er erzählt Geschichten aus dem Alltag der Menschen. Er spricht von einem Bauern, der Weizen sät und Geduld haben muss. Von einem winzigen Senfkorn, aus dem ein großer Baum wächst. Von Sauerteig, der im Mehl verschwindet und doch den ganzen Teig durchsäuert. Von einem Schatz, der im Acker verborgen liegt, von einer kostbaren Perle und von einem Netz voller Fische. Bilder aus dem Alltag – einfach und zugleich voller Tiefe.

Ich stelle mir vor, wie Jesus erzählt: Er sitzt im Boot vom Petrus, redet mit Händen und Füßen, dass Petrus ganz schön zu tun hat, das Boot ruhig zu halten, seine Geschichten schmückt er aus, so dass sie auch lustig sind - und zugleich ganz tiefsinnig. Und ich stelle mir die Menschen vor, die Jesus zuhören. Sie lachen, werden ernst, verstehen, was er meint. Seine Bilder sind ihnen vertraut. Sie kennen das Warten auf die Ernte, sie wissen, wie wenig Sauerteig genügt, um einen ganzen Teig zu verwandeln. Sie kennen den Traum, einen Schatz zu finden oder einen reichen Fang nach Hause zu bringen. Deshalb verstehen sie sofort: Das Reich Gottes ist nichts Fernes. Es beginnt mitten im Leben.

Und doch ist es anders, als viele es erwarten. So wirkt Gott auch heute. Nicht immer spektakulär, sondern oft leise und verborgen. Es wächst langsam wie eine Saat. Es wirkt verborgen wie der Sauerteig. Es ist oft unscheinbar und leicht zu übersehen. Aber gerade darin liegt seine Kraft.

Vielleicht wünschen auch wir uns manchmal deutlichere Zeichen Gottes. Wir möchten ihn sehen, seine Gegenwart spüren, klare Antworten bekommen. Doch Jesus lädt uns ein, genauer hinzusehen. Gott ist längst da – mitten in unserem Leben. Er wirkt oft dort, wo wir ihn zunächst gar nicht vermuten: in einem freundlichen Wort, in einer ausgestreckten Hand, in einem Menschen, der Trost schenkt, in einer Versöhnung nach einem Streit, in der Geduld, mit der jemand einen anderen begleitet.

Vielleicht können wir unser eigenes Leben als eine Art „fünftes Evangelium“ verstehen. Die vier Evangelien erzählen, wie Jesus den Menschen begegnet ist. Gott schreibt seine Geschichte weiter – in unserem Leben. Auch heute ist er da. Oft verborgen, oft leise, aber immer wirksam. Wir können seine Spuren entdecken, wenn wir aufmerksam werden für das Kleine, das Kostbare und das Unscheinbare. Es lohnt sich, mit offenen Augen durch den Alltag zu gehen und nach den Spuren Gottes zu suchen.

Vielleicht ist das Reich Gottes schon längst dort gewachsen, wo wir es gar nicht bemerkt haben. Vielleicht ist es in einem Lächeln sichtbar geworden, in einer mutigen Entscheidung, in einem offenen Ohr für einen einsamen Menschen oder in einer kleinen Geste der Liebe. Solche Momente erscheinen uns oft unbedeutend. Für Gott aber sind sie wie Senfkörner: klein am Anfang, aber voller Leben und voller Zukunft.

Jesus lädt uns ein, mit diesen Augen durch die Welt zu gehen – mit Augen, die den verborgenen Schatz entdecken, die die kostbare Perle mitten in besonderen Begegnungen finden, die dem kleinen Samen etwas Großes zutrauen und die darauf vertrauen, dass Gott mitten unter uns am Werk ist.

Denn das Reich Gottes ist nicht nur eine Hoffnung für morgen. Es ist heute schon da. Es wächst in unserer Welt und in unserem Leben – manchmal verborgen, manchmal unscheinbar, aber immer voller Leben.

Amen!

Monika Liedler

Predigt vom 5. Juli

Liebe sommerliche Gottesdienstgemeinschaft!

Es ist Hochsommer, dass spüren wir alle, noch dazu Ferienbeginn. Eine Zeit der Freude, eine Zeit des Durchatmens, manchmal auch eine Zeit des Versteckens in der Wohnung, wenn es - so wie letzte Woche - unendlich heiß wird.

Aber trotz aller Hitzebedrohung überwiegt doch die Freude über die sommerlichen Tage, über das ungestüme Wachstum in der Natur, über den Genuss des kühlenden Wassers in Flüssen und Bädern, über die Sonnenwärme, die auch die Nachstunden noch durchheizt.

Der Sommer wartet mit einer Überfülle an Sinnesreizen auf. Denken wir an das duftende Heu, an die Farben der Blumen, an den Geschmack der frischen Früchte wie z.B. Beeren und Kirschen.

Wie ihr vielleicht schon bemerkt habt: All diese positiven, lebensfrohen Seiten des Sommers sollen heute bei unserer Messfeier in Liedern und Texten Platz haben. Und da reihen sich die Bibelstellen des heutigen Tages ganz hervorragend ein.

Sowohl im Text aus dem ersten Testament als auch im Evangelium wird ein hoffnungsvolles, optimistisches, zukunftsgläubiges Bild gezeichnet, wenn zum Beispiel im Buch Sacharija geradezu visionär von einem Messias gesprochen wird, der gerecht und demütig ist, der die Kriegslust der Menschen ausmerzt und den Nationen Frieden verschafft.

Und Jesus steht dem in seiner frohen Botschaft um nichts nach, wenn er uns verspricht: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“

Das fühlt sich doch wie Balsam an in unseren Herzen. Oder? Bibel zum Seele schmeicheln, zum Aufatmen, zum Entspannen, genau passend zur Sommer - Urlaubs - Ferienzeit. In einem Kommentar zu Jesu Worten las ich sogar von Seelen-Wellness, andere, kritischere sprechen von einem Text aus der Werbe und Marketingabteilung der ersten Christen.

Aber angesichts der niederschmetternden Situation in Katastrophen - und Kriegsgebieten, der erschütternden Krankheitsschicksale vieler Menschen, der immer wieder aufflammenden bösartigen Konflikte in Familien: Können da die Betroffenen Jesu Worte ernst nehmen, wenn er von einer leichten Last und einem sanften Joch spricht, dass er uns auferlegt? Darf ich, in Not geraten, nicht fragen: Wo ist deine Erquickung, Jesus, die du uns versprichst?

Berechtigte Fragen, finde ich! Und trotzdem: Gerade in Zeiten von Krieg, Terror, Gewalt sollten wir die vielen Geschenke des Lebens, des tausendfachen Aufblühens von Menschlichkeit, der vielen, vielen kleinen Hilfsleistungen, die unzähligen kleinen Wunder des Alltags auf keinen Fall übersehen.

Trotz ökologischer und sozialer Krisen sollten wir bewusst auf jene Menschen und Kräfte schauen und bauen, die uns Lasten erleichtern, die uns Ruhe finden lassen, die gütig und von Herzen demütig sind.

Manchmal sind wir so verbissen auf die Probleme unserer Zeit und der Suche nach Lösungen fixiert, konzentrieren uns so auf den Widerstand gegen zerstörerische Kräfte, dass wir das viele Gute, dass um uns herum passiert und das letztlich unsere Welt zusammenhält, nicht wahrnehmen.

Jesus ist kein blauäugiger Gutmensch, der die Probleme seiner Umgebung nicht wahrnimmt: Wie wir gehört haben, spricht er gerade die an, die mühselig und beladen sind.

Und er sagt: „Kommt alle zu mir und lernt von mir“. Er meint damit:

Macht es so wie ich: Bekämpft die Bosheit einiger und haltet euch an das Gute der Vielen, lasst Euch nicht von wenigen aufeinanderhetzen, sondern baut auf die vielen, die sich gegenseitig unterstützen.

Und seid gewiss, ihr seid immer angefragt von Gott, ob ihr nicht seine Hand, sein Fuß, sein Mund, seine Liebe sein könnt für andere, egal in welch tollem oder erbärmlichem Zustand ihr im Moment zu sein scheint.

Die Frage, die der ehemalige amerikanische Präsident J. F. Kennedy in seiner Antrittsrede an seine Landsleute weitergegeben hat: „Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann, fragt vielmehr, was Ihr für Euer Land tun könnt“, lässt sich als Heilmittel nach Christi Vorbild auch auf unser Leben mit unserem Gott anwenden: Frage nicht, was Gott für dich tun kann, sondern frag, was Du für die Liebe Gottes auf dieser Welt beitragen kannst.

Selbst für schwer angeschlagene Menschen ist das kein zynisches Rezept, es kann die Last meines Lebens sehr erleichtern, wenn ich aus meinem Leidenshaus herausfinde und meine kleinen Kräfte, meine Sorgen, meine beschränkten Möglichkeiten mit anderen teile. Übrigens: Ich finde, das ist Beten in Reinform.

Drei sommerliche, d.h. lebensbejahende Botschaften leite ich aus den heutigen Bibelstellen ab:
  • Lassen wir uns nicht allzu sehr von den Problemen dieser Welt, von den Untergangsprophetien entmutigen und hinunterreißen. Wir sollen uns hochziehen, aufhelfen, ermutigen lassen von den vielen Menschen guten Willens, von der Schönheit, der Natur, von der Bereicherung durch Kunst und Kultur und vor allem von der Zusage Gottes, dass wir seine geliebten Kinder sind.

    Wir sollen mit Verve und Einsatz jene unterstützen, die Frieden zu leben versuchen und nicht der Spaltung und Herabwürdigung das Wort reden und wir sollen auf Begegnungen mit Menschen setzen, die Probleme nicht nur heraufbeschwören, sondern tatsächlich tagtäglich lösen. Kurze Nachdenkpause: Wer könnte so wer sein?
  • Eine zweite sommerliche Botschaft: Wir sind immer wieder selbst angefragt, an Lösungen von Problemen mitzuwirken - nach unseren Kräften und Möglichkeiten eben. Manchmal kann es sogar bei der Lösung von eigenen Problemen helfen.
  • Und letztlich: Jesus teilt im heutigen Evangelium mit uns seine Vision von einem guten, leichten, erlösten Leben für alle, nicht nur im Himmel, sondern auch im Hier und Jetzt.
Zugleich erinnert er uns daran, dass ein Kern seiner Botschaft - die Welt zu erlösen - nicht unsere Aufgabe ist und nicht in unserer Hand liegt. (Gefahr durch „menschliche Erlöser“). Wir können, sollen und dürfen höchstens daran mitwirken – und ein wesentlicher Punkt dabei ist: versuchen, selbst gut, leicht und erlöst zu leben.

Einen Platz an der Sonne anstreben, sich in der Liebe Gottes räkeln dürfen, ist ein erstrebenswertes Lebensziel. Vielleicht kann diese Sommerzeit auch bei Euch einen kleinen Beitrag dazu leisten. Amen!

Diakon Franz Hofmarcher