Gemeinsam sind wir Kirche

Predigtarchiv

Predigt vom 22. Februar

Liebe Gottesdienstgemeinschaft!

Wie schon einmal hat mir beim Vorbereiten meiner Predigt ein Artikel aus der Zeitschrift „Leben jetzt“, ehemals „Stadt Gottes“ weitergeholfen. Da findet sich auf der Titelseite der Februarausgabe ein Bild von Pipi Langstrumpf (da fällt mir doch zu, dass unsere junge Organistin Magdalena letzte Woche am Faschingssonntag die Titelmelodie des Pippi Langstrumpffilms verwendet hat).

Also Pippi auf dem Titelbild mit dem untergelegten Text: HÖR AUF…zu gehorchen und hör auf die Stimme, die dich ruft. Und auf den Innenseiten des Heftes geht es eben genau darum: Wo sind wir als Christen gerufen zu gehorchen, wo sind wir verpflichtet Widerstand zu leisten, und wie hängt das mit der Freiheit zusammen, die uns Menschen von Gott verliehen wurde.

Ich kann zu diesen Themen nur kurz ganz weniges aufreißen, es ist ein weites, weites Spannungsfeld unseres Glaubens und ich will euch hiermit einladen, alleine oder mit Freunden darüber weiterzudenken. Beide heutigen Bibelstellen beziehen sich auf diesen Themenkomplex: Gehorsam – Widerstand – Freiheit.

Zuerst zur Lesung: In unserer Schöpfungsgeschichte ereignet sich laut Bibel gleich zu Beginn ein Akt des zivilen Ungehorsams. Adam und Eva essen verbotenerweise vom Baum der Erkenntnis und müssen den Garten Eden verlassen.

In der Zeitschrift „Leben jetzt“ lese ich dazu – ich zitiere:

„Der Philosoph und Psychoanalytiker Erich Fromm interpretiert diese Erzählung nun so, dass Adam und Eva durch ihren Ungehorsam nicht etwa verdorben oder bestraft, sondern freigesetzt wurden – freigesetzt, um ganz Mensch zu werden.

Dass ein Akt des Ungehorsams ganz am Anfang der biblischen Menschheitserzählung steht, ist schon interessant. Es gehört offenbar zu Gottes Plan, dass die Freiheit zu entscheiden, wesentlich für unser Menschsein ist. Gott meint es ernst mit dieser Freiheit.“

Blickwechsel auf das Evangelium: Jesus leistet dem Verführer, dem Teufel heftigsten Widerstand in seinen Verlockungen.

Nicht nur da in der Wüste – an vielen Beispielen aus Jesu Leben kann man festmachen, dass der Menschensohn gegenüber der Bosheit von Mächtigen und Verführern zivilen Ungehorsam zeigt. Was ihn ja letztlich bis ans Kreuz brachte, wie wir wissen.

In dieser Sinngeschichte vom Teufel als Verführer leistet Jesus dreimal Widerstand und Ungehorsam:

Erst einmal indem er dem Teufel sein Angebot ausschlägt aus Steinen Brot zu machen und ihm damit vermittelt, dass die materielle Grundversorgung für uns Menschen zwar wichtig ist, dass aber Beziehung untereinander, Beziehung zu unserem Schöpfer noch viel wichtiger sind und dass aus diesem sozialen Beziehungsverhalten mehr als genug materielles Vermögen für alle entstehen könnte.

Der zweite Verführungsversuch des Teufels scheitert, weil Jesus der Hybris, der Selbstüberschätzung abschwört, der Mensch könne sich zu Gott erheben und wäre dadurch unverletzlich und unangreifbar.

Und letztlich schmettert Jesus den letzten Versuch des Teufels ab, indem er der Verführung zu unendlicher Macht widersteht. Der Sohn Gottes outet sich gleichzeitig als erster Diener Gottes, er ist nur gehorsam gegenüber seinem Vater.

Jesus widersteht der Verlockung von menschlicher Macht, menschlicher Allmacht und setzt darum ein wesentliches Zeichen wie wir als Christen kritisch sein sollen gegenüber jenen, die sich Macht aneignen oder sogar in einen Machtrausch verfallen, wie wir es dieser Tage vielfältig auf unserer Erde erleben können.

Aus dem Verhalten von Jesus in dieser Parabel lässt sich ein wichtiger Grundsatz unseres Lebens herauslesen: Die einzige Verpflichtung, der wir auf dieser Welt uneingeschränkt Folge leisten sollen, ist die Liebe.

Damit ist auch festgelegt, dass wir nur einem wirklich Gehorsam leisten sollen, nämlich unserem Gott, der ja die Liebe selbst ist.

Wer sich Jesus zum Vorbild nimmt, dem sollte ganz klar sein, dass sich Jesus mächtigen Menschen gegenüber durchaus widerspenstig gezeigt hat, dass er immer wieder entgegen dem Mainstream jene unterstützt hat, die der Liebe bedurften. Ich denke da an Maria Magdalena, an den Zöllner Zachäus, an die des Ehebruchs beschuldigte Frau usw.

Es gibt ja viele, viele Menschen, manche namenlos, andere berühmt, die sich dem Widerstand gegen die Versuchung des Bösen, des Teuflischen verschrieben haben, auch weil sie sich die Freiheit genommen haben, gehorsam das Wesen der Liebe vertreten.

Mir fällt da zum Beispiel Hildegard Burjan ein, die die Caritas Sozialis in Wien gegründet hat, Franz Jägerstätter, der sich gegen die Anordnung eines Vernichtungsregimes gestellt hat, die Suffragetten, die in England das Wahlrecht für die Frauen erkämpft haben, bis zu Maximilian Kolbe, Martin Luther King, Nelson Mandela, Mahatma Ghandi, um nur einige wenige zu nennen.

Wie gesagt, es finden sich immer wieder Menschen, die sich gegen die Bosheiten, die Machtgelüste einiger weniger, die Niederträchtigkeit von Machthabern beharrlich wehren.

Jede/Jeder dieser Vorbilder ermutigt uns, im Ringen um Liebe, liebevolles und damit gottgewolltes Handeln stark zu bleiben.

So könnte also ein Fastenvorsatz darin bestehen, sich mit Wort und Tat besonders für die eine oder den anderen Schwächeren einzusetzen, bewusst in der Öffentlichkeit seine Solidarität mit Bedürftigen aller Art zu zeigen und den Mund aufzumachen, um gegen abfälliges und ausgrenzendes Sprechen aufzutreten – und versuchen, der Liebe in dieser Welt Auftrieb zu verleihen.

Diakon Franz Hofmarcher

Predigt vom 8. Februar

Liebe Gottesdienstgemeinschaft!

Ich habe jetzt genau geschaut, wie ihr reagiert beim heutigen Evangelium: ich habe nichts Außergewöhnliches beobachet – und hab mir das auch genauso gedacht!
Das war wohl ganz anders, als Jesus damals zu den vielen Leuten gesprochen hatte.
Frauen und Männer, Kranke und Gesunde von überallher - und darunter sicher auch Spitzel, Pharisäer und Schriftgelehrte!
Die Leute dachten wohl, sie haben nicht richtig gehört: „Was hat er da eben gesagt?“ „Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt!“
Die Leute haben sich schmunzelnd angeschaut und gedeutet: Du, ich? Salz der Erde, Licht der Welt? – Und die Pharisäer sind erschrocken: So kann er doch nicht reden, das ist Lästerung unseres Gottes, ein Skandal!

Warum?
„Salz der Erde“: da wird der sogenannte Salzbund (zweites Buch der Chronik) erinnert, wo Jahwe seinem Volk ewige Treue schwört!
Salz ist die unverbrüchliche Treue Gottes, aber doch nicht ein Mensch!

„Licht der Welt“: das ist ein Bild für die Liebe Jahwes: im Psalm 27 singt das Volk: „Der Herr ist mein Licht“ – Gott ist Licht und Liebe, aber doch nicht ein Mensch!

Diese Botschaft wird damals und heute gewöhnlichen Menschen in die Hände, ins Herz gelegt: Ihr seid / Wir sind Salz der Erde, Licht der Welt. In unserem Leben soll Gottes Treue und Liebe für andere erfahrbar werden!

Zum Weitertragen dieser befreienden Botschaft braucht es aber Hilfe, Struktur, - sonst zerrinnt das Salz (das Zeichen der Treue Gottes) zwischen den Fingern und ist das Licht (der ewigen Liebe Gottes) schnell ausgeblasen.

Deswegen habe ich hier einen Salzstreuer und eine Laterne.
Der Salzstreuer hilft, das Salz weiterzugeben, die Laterne schützt das Licht!
Nur darf man beides nicht verwechseln!
Der schönste Salzstreuer hilft nichts, wenn das Salz schal ist oder gar nicht mehr da ist.
Die herrlichste Lampe ist umsonst, wenn kein Licht in der Laterne ist!

Salzstreuer und Laterne: das sind hilfreiche Strukturen für die Botschaft, die wir weitertragen dürfen: Gottes Treue, Gottes Liebe.

Konkret: Eine schöne Kirche und ein Pfarrheim, die Gremien und Strukturen der Kirche bis zum Vatikan. Das alles kann dienlich sein, ersetzt aber niemals das Salz und das Licht, die Treue und Liebe unseres Gottes!

Es ist eine große Gefahr, den Salzstreuer und die Laterne zu bewundern und zu pflegen, aber das Salz und das Licht zu vergessen: die Treue Gottes und die Liebe unseres Gottes!

Die Weitergabe des Glaubens an Gottes Treue und Liebe ist heute nicht ganz einfach.
Wieviele klagen, dass die nächste Generation nichts mehr vom Glauben hält. Großeltern leiden darunter, dass die Enkelkinder nicht mehr in die Kirche gehen.
Da ist man schnell in Gefahr, vom Salz der Botschaft schnell einmal zuviel in die Lebenssuppe der Jungen zu schütten - und die Jungen wenden sich ab, denn das kann man nicht essen.
Das Licht der Liebe Gottes darf man niemandem aufdrängen, es könnte etwas verbrennen und zu heiß werden.

Wir müssen einüben, die Botschaft der Treue Gottes und der Liebe Gottes anzubieten, hinzuhalten. Die Treue Gottes und die Liebe Gottes sichtbar zu machen durch unser Leben.
Wir brauchen die Geduld des Wartens und die Ohnmacht des Anbietens.
Aber in der tiefen Gewissheit: Gottes Treue ist ewig, Gottes Liebe ist mächtig!

Also niemals verwechseln: Salzstreuer und Salz, Licht und Laterne!

Jesus mutet den Menschen damals und uns heute viel zu: „Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt“. Amen

Pfarrer Franz Kronister

Online auf Youtube

Predigt vom 1. Februar

Geschätzte Gottesdienstgemeinschaft!

„Sucht den Herrn, ihr Gedemütigten“, so beginnt die heutige Lesung aus dem Buch Zefanja.
Und setzt dann für unsere Ohren schon etwas eigenartig fort: „sucht Gerechtigkeit, sucht Demut!“

Demut ist ein schwieriges Wort, es ist auch ein Wort, das im modernen Sprachgebrauch kaum mehr vorkommt.
Wie viele einzelne Worte stoßen uns auf, blockieren uns, lehnen wir ab, weil wir mit diesen einzelnen Ausdrücken etwas Bestimmtes verbinden, oder gar nichts mehr anfangen.
Demut gehört, glaube ich, dazu.
Was wurde nicht schon alles an berechtigtem Widerstand abgewürgt mit dem Hinweis, man müsse halt demütiger werden. Und man verbindet bis heute mit dem Wort Demut das „hinnehmen und ertragen“, das „hinunterschlucken“, das „sich unterordnen“, bis hin zu „den eigenen Willen brechen“.

Und schon unterliegen wir der Versuchung Demut mit Demütigung zu verwechseln.
Demütigung ist Missbrauch, ist ein Kaputt-Machen, eine Schwächung der Persönlichkeit, ein Raub der Würde.
Demut meint – im richtig verstandenen Sinn – etwas ganz anderes. Es ist der ehrliche Blick auf die eigene Grundkonstitution, auch auf die eigene Zerbrechlichkeit. Demut hat im biblischen und christlichen Sinn schon mit dem Annehmen zu tun, aber mit dem Annehmen der eigenen Schwäche und Begrenztheit, nicht mit dem Hinnehmen von Unrecht und Ungerechtigkeit.

In dem Wort Demut steckt das Wort Mut: Ja, erfordert Mut: der ehrliche Blick auf die eigene Unzulänglichkeit genauso, wie das Angehen gegen Unrecht.
Demut ist Mut zur Wahrheit! Und weil wir diesen Mut oft nicht aufbringen, einzugestehen, dass wir nicht alles in der Hand haben, errichten wir Fassaden, die unser wahres Ich verbergen, markieren wir „den starken Mann“ oder die „starke Frau“, obwohl wir es gar nicht sind, und demonstrieren so vermeintliche Stärke. Demut ist nicht das „Sich-Klein-machen“ aber es gegen eine ungerechtfertigte Selbsterhöhung.

Demut ist Mut zur Wahrheit!
Und weil wir diesen Mut oft nicht aufbringen, in unserer Begrenztheit gegen die Unwahrheit aufzustehen, lassen wir es oft lieber gleich ganz bleiben, statt unsere Möglichkeiten, die wir immer noch haben, zu nutzen.

Der Prophet Zefanja eröffnet uns gleich als erstes Wort in der heutigen Lesung ein für uns Christen gar nicht so fremdes Angebot, eigentlich eine Erinnerung: „Sucht den Herrn!“
Hat er, Gott, der Schöpfer, uns nicht seinen Lebensgeist eingehaucht, jenen Geist, der aus unserem fehlerhaften Material trotzdem etwas unglaublich Schönes und Starkes machen kann? Feiern wir das nicht speziell in Taufe und Firmung?

Demut ist Mut zur Wahrheit und Sinn für Realität: für die Realität der eigenen Armut, aus der Reichtum entstehen kann, wenn wir die Möglichkeiten nutzen, die mit Gottes Hilfe entstehen. Eine Kraft, die Welt zu verändern, gerechter zu machen, Unrecht beim Namen zu nennen, Hungernde satt zu machen, Trauernde zu trösten.
Davon sprechen ja auch die Seligpreisungen im Evangelium.

Die Seligpreisungen fordern uns auf, trotz aller Widerstände und Bedrohungen, den Weg des Guten zumindest zu versuchen.
Die Seligpreisungen fordern uns auf, durchzuhalten, auch wenn es schwierig und vielleicht sogar schmerzhaft wird.
Die Seligpreisungen fordern uns auf, Mut und Zivilcourage zu zeigen, damit Recht und Gerechtigkeit die Oberhand bekommen oder behalten.
Die Bergpredigt mit den Seligpreisungen fordern uns auf, von Gott und vom Leben selbst dann noch etwas zu erwarten, wenn es nach menschlichem Ermessen und irdischen Gesetzen sinnlos und ausweglos scheint.

Die eigene Begrenztheit ist noch nicht die ganze Wahrheit. Die ganze Wahrheit erleben wir, wenn wir Gott mit ins Boot holen, oder um es im Sinne des heutigen Evangeliums zu sagen: wenn wir mit Jesus auf den Berg steigen.
Wer das schon erlebt hat, oder wer das erleben darf: selig seid ihr!

Amen

Diakon Peter Leichtfried

Predigt vom 15. Jänner

Liebe Gottesdienstgemeinschaft!

… Frage an Kinder und Ministrant*innen: Wieviele Lämmer gibt es in unserer Kirche?... Habt ihr schon einmal ein kleines Lamperl gesehen, gestreichelt… jetzt kann man das bald, jetzt kommen die Lämmer zur Welt… und sie sind noch sehr zart und pflegebedürftig…Es werden in nächster Zeit auch viele geschlachtet…

Ja, liebe Erwachsene, das Wort vom „Lamm Gottes, das hinweg nimmt die Sünden der Welt“ – gesprochen von Johannes dem Täufer am Jordan und gerichtet an alle, die sich rund um die Taufe Jesu versammelt haben – dieses Bild ist die zentrale Stelle des heutigen Evangeliums. Und daraus folgend ist es eine der wichtigsten Teile unserer Messfeiern, vom Priester vor der Austeilung der Kommunion gesprochen: „Seht das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünden der Welt“. Worauf wir auch mit einem Bibelzitat antworten: Nämlich jenem, mit dem der heidnische Hauptmann Jesus bittet, seinen Diener zu heilen. Wir sagen: „Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach. Aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.“

Wie ich schon mit den Kindern angedeutet habe, ist der Begriff Lamm Gottes erklärungsbedürftig. Denn, während es im Nahen Osten zur Zeit Jesu (und auch durchaus heute noch) selbstverständlich war, mit Lämmern Kontakt zu haben, sie in ihrer Zartheit und Unbedarftheit, in ihrer Verletzlichkeit und Angreifbarkeit direkt kennenzulernen, haben wir heute kaum mehr Kontaktmöglichkeiten mit Lämmern. Kinder maximal in irgendwelchen Tierparks und wir vermutlich am ehesten auf den Tellern von Speiselokalen. Niemand mehr verwendet heute das Lamm als Opfertier, so wie das in biblischen Zeiten üblich war, sodass in unserer Zeit eine Übersetzung, eine Neudeutung dieses „Opfer Lamm Gottes Bildes“ durchaus sinnvoll und angezeigt ist.

Dazu müssen wir uns nochmals vergegenwärtigen, dass Jesus sich selbst als Verkünder des Wortes Gottes sieht, dass er sozusagen als Rolemodell Gottes leben möchte, den Menschen damals wie heute erlebbar machen möchte, wie Gott ist, wie Gott wirken möchte und kann.

Ich wandle Lamm Gottes versuchshalber einmal um in Vorbild für Gott, oder noch radikaler in die heutige Sprache übersetzt als Influencer Gottes. Vorbild, wie sich Gott durch liebende Hingabe von Menschen verwirklichen kann.

Hingabe ist zwar nicht grade sehr modern, aber ein sprechendes Wort, weil da das wichtige Geben drinnen steckt. Die Sünde der Welt, das heißt für mich übersetzt die Summe aller Verstrickungen in das vorsätzlich Böse, das auf dieser Welt geschieht, diese Sünde der Welt lässt sich hinwegnehmen, durch das Geben liebender Zuwendung.

Wenn wir diesen Evangeliumssatz vom Sünden hinwegnehmenden Lamm Gottes in unseren Messen hören, dann empfinde ich das wie eine Angelobung in Jesu Namen, eine Angelobung, das zu tun, was Jesus vorgelebt hat.

Es gibt ja inzwischen viele sogenannte religiöse Influencer, die im Fernsehen vor Millionenpublikum ihre Predigten halten und dort und da Ängste vor der Sündhaftigkeit der Menschen schüren: Die wirklichen Influencer Gottes, Vorbilder für Gottes Wirken in der Welt sind nicht diese Sonntagsredner.

Vielmehr sind es die vielen, vielen Menschen, die sich im täglichen Kleinklein um andere bemühen, die die Verletzungen und Sünden, unter denen Menschen leiden, hinwegnehmen, indem sie trösten, helfen, da sind, wo sie gebraucht werden. Fallen Ihnen in ihrem Umfeld oder vielleicht sogar bei sich selbst solche Beispiele ein, wo sie sich selbst oder ihr nähere Umgebung gegen die Sünde der Welt stemmen. Das sind die Gaben, die wir in der Gabenbereitung einbringen sollen.

Wir müssen da nicht gleich allzu groß denken: Ein kleines Beispiel: Sich für eine verletzende Bemerkung gegenüber der Partnerin entschuldigen, ist eine gar nicht so leichte Übung des Sünde hinwegnehmens, steht aber in keiner Zeitung. Oder eine Entschuldigung aus tiefem Herzen annehmen und verbindend darauf reagieren! Sie finden, das seien banale Beispiele? Wer so etwas immer wieder probiert, wird merken, dass diese Art von „Sünden hinwegnehmen“ ganz schön viel Anstrengung und Kraft erfordern kann.

Da rede ich noch gar nicht von denen, die große Teile ihrer Lebenskraft in Hilfe für Kriegsopfer oder Erdbebenopfer, in Betreuung Obdachloser, in Begegnung mit Drogen- und Alkoholsüchtigen, in Seelsorge für schwer Kranke oder psychisch Angeschlagene usw. stecken. (Auch noch einmal zurückblickend auf meine Weihnachtspredigt: Stellen sie sich vor: Wie unlebbar wäre unsere Welt ohne diese Sündenhinwegnehmer*innen im Sinne Jesu.)

Ich möchte sie also hiermit ermuntern, diesen Angelobungssatz: Seht das Lamm Gottes. Es nimmt hinweg die Sünde der Welt als Ermunterungssatz anzusehen: Seht das Vorbild Gottes. Versuchen wir es ihm gleichzutun.

Und im Gegensatz zu unserer herkömmlichen Antwort finde ich: Wir sind würdig, unserem Vorbild Jesus nachzueifern, aber wir sind bedürftig, ihn um seine Hilfe zu bitten. Daher bete ich schon lange auf Vorschlag unseres Pfarrers Franz: Herr, ich bin bedürftig, dass du eingehst unter mein Dach.

Der Refrain unseres eben gelernten Liedes fasst in zwei kurzen Sätzen wunderbar zusammen, was ich versucht habe, auszudeuten: Es heißt ja da: Aus deinem Opfer wird unser Opfer. Aus deinem Leben wird unser Leben.

Amen

Diakon Franz Hofmarcher
Online auf Youtube

Predigt vom 6. Jänner - Heilige drei Könige

Liebe Gottesdienstgemeinschaft,

Das Fest der Heiligen Drei Könige, auch Epiphanie oder Erscheinung des Herrn genannt, wird bei uns am 6. Januar gefeiert und erinnert an die biblische Erzählung von den Weisen aus dem Morgenland, die dem neugeborenen Jesuskind Gold - eine Opfergabe für Könige, Weihrauch - als Zeichen seiner Göttlichkeit - und Myrrhe - für die Einbalsamierung, die den Tod ankündigt – brachten.

Das kennen und wissen wir alles und man denkt sich unbewusst, so wie wir feiern, wird das wohl überall in der katholischen Welt sein.

Ein Blick nach Europa zeigt aber schon, dass es auch in unserer näheren Umgebung viele Formen des Feierns am 6. Jänner gibt!

Allein schon in Europa gibt es dazu sehr unterschiedliche Traditionen!

In Deutschland und Österreich ist vor allem der Brauch des Sternsingens verbreitet. Kinder, Jugendliche und Erwachsene verkleiden sich als die drei Könige – Caspar, Melchior und Balthasar – ziehen von Haus zu Haus, singen Lieder und sammeln Spenden für wohltätige Zwecke. Dabei schreiben sie mit Kreide den traditionellen Haussegen über die Tür: 20+C+M+B+26
Die Buchstaben werden volkstümlich oft als Namen der Könige gedeutet, stehen jedoch ursprünglich für den lateinischen Segensspruch „Christus mansionem benedicat“ („Christus segne dieses Haus“). Inzwischen werden auch schon viele Aufkleber erbeten, weil auf vielen neuen Türen die Kreide nicht zu sehen ist!

In Frankreich und Belgien ist der Dreikönigstag vor allem ein kulinarisches Fest. Traditionell wird ein Blätterteigkuchen mit Mandelcreme, gegessen. In dem Kuchen ist eine kleine Figur versteckt. Wer sie findet, wird für einen Tag zur Königin oder zum König gekrönt und darf oft bestimmen, wer das nächste Mal bezahlt.

In Spanien spielen die Heiligen Drei Könige eine besonders zentrale Rolle, denn dort bringen nicht der Weihnachtsmann oder das Christkind die Geschenke, sondern die Heiligen drei Könige!
Am Abend des 5. Januar finden in vielen Städten große Umzüge statt.
Die Kinder stellen in der Nacht Schuhe bereit, in die am nächsten Morgen die Geschenke gelegt werden.

In Italien ist die Epiphanie eng mit der Figur der Befanav verbunden, einer alten Frau auf einem Besen. Der Legende nach wollte sie die Weisen begleiten, verpasste sie jedoch und sucht seitdem das Jesuskind. In der Nacht vom 5. auf den 6. Januar bringt sie den Kindern Geschenke oder – bei Unartigkeit – Kohle aus Zucker.

Noch einmal aber ein Blick zu unserer Tradition in Österreich.
Bei uns ist das Sternsingen rund um den Jahreswechsel seit Jahrzehnten eine schöne und wichtige Aktion der Katholischen Jungschar!

In Purgstall waren heuer über 100 Kinder, Jugendliche und Erwachsene an 5 Tagen vor und nach dem 1. Jänner unterwegs, verkündeten die Geburt Christi in Bethlehem und sammelten Geld für Menschen in Not in armen Ländern. Über 500 Projekte werden heuer wieder unterstützt, ihr habt ja alle einen Begleitzettel bekommen mit genaueren Daten!

21 Gruppen, davon 6 Erwachsenengruppen waren bei uns in Purgstall heuer unterwegs, 29 Routen gibt es in Purgstall und 20 BegleiterInnen.

Natürlich braucht es da im Hintergrund ein starkes Team, damit die ganze Aktion gut begleitet ist.
Da gibt es einmal unsere Helferinnen für die Gewänder, also 4 Frauen, die die Gewänder vorbereiten, den Kindern beim Ankleiden helfen, reparieren und alles wieder in Ordnung bringen: Monika Greimel, Nina und Gisela Wutzl und Verena Jagesberger.
Und im Hintergrund gibt es das Hauptteam der Sternsingeraktion bei uns: Monika Liedler, Birgit und Werner Wenighofer und Andreas Karner. Da laufen alle Fäden zusammen, da wird von langer Hand vorbereitet, geprobt und organisiert. Heuer schon zum 10-ten Mal ist dieses Team in der Verantwortung! Danke für eure Arbeit in der Pfarre für die Sternsingeraktion!

Ein großes Danke auch allen Familien, die heuer die Sternsinger verköstigt haben! Alle Gruppen wurden zum Mittagessen eingeladen.

Ich selber war auch wieder einen Tag als Begleiter unterwegs und ich bin immer überrascht, wie freundlich, erwartungsvoll und wohlwollend die Sternsinger aufgenommen werden. Viele warten auf die Sternsinger oder sind traurig, wenn sie sie verpassen!

Jetzt werdet ihr fragen: und wieviel wurde gespendet?
Ich kann nur dankbar verkünden: wieder ein Rekordergebnis - wie schon all die Jahre zuvor! Um 1400.- Euro wurde heuer mehr gesammelt als letztes Jahr, im Gesamten bis jetzt 25661,42 Euro! Danke und Vergelt’s Gott!

Jetzt aber freuen wir uns, dass auch wir heute noch einmal Besuch von den Sternsingern hier in der Kirche bekommen:
Sternsingergruppe in der Kirche

Pfarrer Franz Kronister

Predigt vom 4. Jänner

Liebe Gottesdienstgemeinschaft,

Weihnachten ist noch nicht vorbei.
Auch wenn uns genau das Fernsehen, Radio und Wirtschaft schon seit dem 25. Dezember sagen: „Weihnachten ist vorbei. Jetzt kommt der nach – weihnachtliche – Geschenke – Umtausch – Stress!“

Als Kirche zeigen wir etwas anderes: Weihnachten ist noch! Wir sehen es am Kirchenschmuck: Christbaum, Weihnachtsbild, die kleine Krippe vor dem Kreuz, die große Krippe auf der Kirchenplatz-Seite. Wir hören und singen es in unseren Liedern. Und wir hören es im Evangelium: Den gleichen Text haben wir am Weihnachtstag gehört.
„Im Anfang war das Wort. ... Im Anfang war es bei Gott.“
Das soll uns besonders daran erinnern, dass mit dem 24. Weihnachten nicht vorbei ist, sondern dass es der Beginn ist!

Der Beginn einer neuen Erfahrung mit Gott: Gott zeigt sich, wie er ist.
Dieser Beginn ist für mich ganz besonders ausgerückt im Evangelium: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“
So zeigt sich Gott: als Mensch unter Menschen.

Was bedeutet es, wenn etwas Fleisch wird – Gestalt annimmt, wie wir heute sagen würden?
Damals hat das geheißen: Gott nimmt in Jesus Gestalt an. Und lebt nicht im Königspalast oder bei den Priestern, sondern in einer ganz normalen Familie.
Er lernt das Leben kennen und lieben. Er lebt mit den Menschen, erfährt und teilt ihre Freuden und Sorgen. Er lernt das Leben von allen Seiten kennen, an seinem eigenen Körper, seiner eigenen Gestalt – Höhen und Tiefen, Freud und Leid, Leben und Tod.

Damals nahm das Wort Gestalt in Jesus an. Das Wort bekommt ein Gesicht und Hand und Fuß und hinterlässt Spuren. Es ist der Fingerabdruck Gottes, ein persönlicher Stempel: Im Menschen kommt Gott zur Welt.

Und heute? Welche Gestalt nimmt Gott heute an?
Diese Frage kann ich nicht für euch alle beantworten – für jeden von uns wird es etwas anderes bedeuten.
Ich möchte mit euch teilen, was für mich zur Zeit bedeutet: „... und das Wort wird Fleisch …“ - Gott nimmt Gestalt an:

Ich komme mit vielen unterschiedlichen Menschen zusammen – in der Schule, in der kfb, im Alltag und im Beruf.
Und ich sehe das Wort Gottes Gestalt annehmen in den Menschen in den Pfarren, für die der Glaube wichtig ist, die ihr Leben aus dem Glauben heraus gestalten, die sich mit Gott, mit Gottes Wort beschäftigen.
Ich sehe das Wort Gottes Gestalt annehmen in den Menschen, die gemeinsam beten singen, suchen fragen, feiern, einander helfen.
Ich sehe das Wort Gottes Gestalt annehmen, wenn in Diskussionen Verständnis wächst und Glaubenserfahrungen geteilt werden.
Ich sehe das Wort Gottes Gestalt annehmen in Jugendlichen, die fragen, zweifeln und mich als Lehrerin herausfordern: „Warum glauben Sie an Gott?“

In den vielen Gesichtern dieser Menschen nimmt Gott für mich Gestalt an, bekommt Hand und Fuß und hinterlässt Spuren.

Eines bin ich mit sicher: Gott wird auch heute Fleisch, nimmt auch heute Gestalt an und wohnt unter uns.
Und so wie damals ist das Wort Gottes klein und unscheinbar und ohnmächtig – ein kleines Kind.
Ein Beginn, kein Ende.
Weihnachten ist nicht vorbei. Weihnachten ist der Beginn.

Monika Liedler

Online auf Youtube

Predigt vom 25. Dezember

Liebe Gottesdienstgemeinschaft,

An den beiden wichtigsten Hochfesten unseres Glaubens – Ostern und Weihnachten, und auch bei vielen anderen liturgischen Anlässen, hat das Licht, das Licht bringen einen zentralen Platz in unseren Feiern. Denken Sie an das Osterlicht, die Osterkerze, die Taufkerze, an die adventlichen Kerzen, das Licht von Bethlehem, an das ewige Licht in unserer Kirche, an die Gedenkkerzen für die Verstorbenen im Rückraum unseres Gotteshauses – und viele, viele Lichtsymbole mehr! Ich bin mir ziemlich sicher: Es gibt keine wichtigere Symbolik für unseren Glauben als das Licht.

In dieser Meinung bestätigt mich das heutige Weihnachtsevangelium ganz nachdrücklich, indem der Evangelist Johannes gleich zu Beginn seines berühmten Prologes eine ganze Passage dem Licht, dem Lichtbringer Jesus Christus widmet. Ich wiederhole: „In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.“ Und weiter heißt es: „Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.“ Allein diese wenigen Sätze zeugen davon, welche Kraft, welche Leuchtkraft von Jesus ausgehen will, auf welche Kraft wir in unserem Glauben bauen können!

Das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst. Ich bitte Euch nun, Euren Blick auf unser schönes Weihnachtsbild am Hochaltar zu richten. Der uns unbekannte Maler hat diesen Satz vom Licht in der Finsternis bildlich wunderbar umgesetzt, indem er aus einer rundum dunklen Umgebung die Krippenszene, das Jesuskind in hellem Licht erstrahlen lässt. Dieser - besonders in der Barockzeit angewandte - Malstil soll das Wesentliche in einem Bild in deutlicher Weise hervorheben. In unserem Bild hebt der Künstler aus der dunklen Stallumgebung diesen lichtbringenden Jesus heraus.

Und das ist nicht nur Symbolik, das ist auch der Lebensrealität der Menschen geschuldet, der damaligen Bewohner von Judäa ebenso wie unserer heutigen Erdbevölkerung. Sind doch die Menschen damals wie heute vom Dunkel umzingelt, immer wieder bedroht durch dunkle, furchtbare, ja katastrophale Ereignisse, die machtgierige, brutale und über Leichen gehende Menschen hervorrufen, die über uns Menschen hereinbrechen wie Naturkatastrophen.

Damals vor 2000 Jahren waren das die römischen Eroberer und Besatzer, die eigene jüdische Machtschicht, wie zum Beispiel Herodes, der hunderte Buben im Land ermorden ließ, heute sind es die Präsidenten der Supermächte, die mit ihren Eroberungsgelüsten und Machtdemonstrationen abertausende in den Tod und die Verzweiflung treiben. Gerade im Heiligen Land spiegeln sich Zeichen der Zerstörung und des Todes wider, die wir aus biblischen Schilderungen zur Zeit Jesu gut kennen.

Nicht zu vergessen, die kleinen und größeren dunklen Ecken, die wir in jedem Lebensbereich ausmachen können, unsere eigenen, die der Nachbarn, die in unserer Gemeinde. Auch die tragen zum Dunklen in unserer Welt bei, wie wir das eben als Sinnbild in dem Kunstwerk an unserem Altar wahrnehmen können.

Doch da ist eben auch das Zentrum des Bildes, das lichtdurchflutete, das lichtbringende Jesuskind. Auch das ist Sinnbild, ja überwältigende Symbolik, die da drinnen steckt. Das lichte, das erhellende, das wärmende, das göttliche lässt sich von keiner Finsternis verdrängen, im Gegenteil, das Licht kann die Dunkelheit wandeln und das Gute, es kann das Helle, das Heile, den Heiland hervorbringen.

Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kann Böses in Gutes wandeln, kann Hass in Versöhnung wandeln, kann Verletzung in Heilung wandeln, kann Krankheit in Gesundheit wandeln, kann Krieg in Frieden wandeln, kann Sterbliches in ewiges Leben bei Gott wandeln. Insofern ist jede Wandlung in unseren Messfeiern auch eine Lichtfeier.

Ich spreche hier nicht nur von Lichtsymbolik, sondern von handfesten Tatsachen: Würden nicht abertausende Menschen, das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, täglich, stündlich, minütlich billionenfach über die ganze Erde verteilen, hätten wir eine Dunkelheit auf dieser Welt, die sich niemand vorstellen mag, eine Sonnenfinsternis der Menschlichkeit, die alles Leben auf dieser Erde vernichten würde.

Aber da sind wir mit unseren kleinen Lichtern davor: Da wird geholfen, wenn Katastrophen über Menschen hereinbrechen, Rettung, Feuerwehr, Zivilschutz, private Hilfe, da wird Versöhnung versucht, gefördert, da werden Menschen geheilt durch medizinische Eingriffe, durch psychologische Unterstützung, da wird Streit geschlichtet durch Verhandlungen und Gespräche, da werden Kinder gestärkt und wertschätzend erzogen, da gibt es für Trauernde seelsorglichen Zuspruch, da gehen Menschen zu den Ärmsten der Armen, um ihnen eine Spur von Menschenwürde zu ermöglichen, da versöhnen sich streitende Ehepaare immer und immer wieder und so weiter und so fort…

Es weihnachtet sehr auf unserer Welt und zwar ununterbrochen. Täte es das nicht, die Dunkelheit würde uns umfassen. Das ist der Kern der weihnachtlichen Botschaft: Dass wir das Licht, das uns erleuchtet und lebendig macht, zur Welt bringen. Damit können wir die Dunkelheit zurückdrängen und in Schach halten.

„Wird Christus tausendmal in Bethlehem geboren und nicht in dir, du bleibst doch ewiglich verloren.“ Ich möchte diesen durchaus sehr bekannten Satz des deutschen Dichters Angelus Silesius, mit bürgerlichen Namen Johannes Scheffler, in eine positive Richtung drehen und umdeuten: „Wird Christus nicht nur in Bethlehem geboren, sondern tausende Male in uns, dann ist die Welt ganz sicher nicht verloren.“

Diese Sehnsucht nach dem Guten, dem Hellen, dem Wärmenden, dem Menschlichen, dem Heilenden, dem Heiligen, das drücken wir doch zu Weihnachten mit unseren vielen Geschenken aus.

Ein Geschenk, dass sich jeder immer wieder über das ganze Jahr machen kann, ist, bewusst wahrzunehmen und zu sehen, wie in den Menschen, denen du begegnest, immer wieder göttliches Licht aufleuchtet, wie durch Menschen die Welt lichter gemacht wird.

Und es ist so wie im Stall von Bethlehem: Am besten siehst du die Leuchtkraft Gottes in den einfachen Leuten, die um dich sind.

Du kannst dafür ein Sensorium stärken und entwickeln. Du könntest ein Lichtentdecker werden und dadurch selbst licht werden. (Werde Licht!)

So könnten wir alle nachhaltiger weihnachtlich feiern und damit uns und unseren Mitmenschen immer wieder Gutes tun, uns gegenseitig stärken, ermutigen und aufbauen. An so ein Christkind können doch auch Erwachsene glauben, oder nicht?

Diakon Franz Hofmarcher

Predigt der Christmette 24. Dezember

Liebe Pfarrgemeinde,

Der heilige Abend und das Weihnachtsfest leben von Geschenken.
Was wäre Weihnachten ohne Geschenke? Ohne Schenken und Beschenktwerden? Eigentlich für uns alle unvorstellbar!
Ich hoffe, dass jede/r von uns heute schon ein Geschenk gegeben hat und auch bekommen hat!
Ich persönlich schenke sehr gerne, aber manchmal ist es auch
herausfordernd und mühsam, zu Weihnachten alle Geschenke beisammen zu haben. Ich will ja niemanden übersehen und vielen Freude machen. Und das Geschenk soll natürlich passen und überraschen.
Heuer habe ich es ein bisschen stressig erlebt und war froh und erleichtert, als ich alle Geschenke eingepackt hatte.

Übrigens: warum packen wir eigentlich die meisten Geschenke mit buntem Papier ein, wo dann ja doch wieder alles aufgerissen werden muss, die schönen Bänder zerschnitten werden und die Verpackung dann gleich weggeworfen wird?
Ich glaube, damit sagen wir: das eigentliche Geschenk ist nicht da drinnen, das Materielle, das Gekaufte oder das selbst Gemachte. Lass Dich nicht täuschen vom Geschenk selber, deshalb ist es im bunten Papier versteckt!
Das eigentliche Geschenk halte ich nicht in Händen und gebe es Dir in deine Hand, das wirkliche Geschenk sind wir Menschen füreinander.
Das eigentliche Geschenk bist Du für mich und bin ich für Dich!

Wir haben das im Pfarrhof heute am Heiligen Abend genau vor 13 Jahren sehr anschaulich und berührend erlebt.
Damals kam unser erster indischer Kaplan Wilson wenige Tage vor Weihnachten zu uns in den Pfarrhof. Alles war neu für ihn, wirklich alles, auch das Weihnachtsfest in unserer Art und Weise und das Beschenken und Beschenktwerden und natürlich auch unsere Traditionen im Pfarrhof.
Wir im Pfarrhof hatten kleine Geschenke für Wilson vorbereitet und überreichten sie ihm am Heiligen Abend nach Abendessen, Ausrauchen und Beten.
Wilson hatte noch keine Geschenke für uns vorbereiten können und war sehr traurig und ziemlich verlegen, weil er nichts geben und schenken konnte.
Da wollten wir ihn trösten und sagten zum ihm: „Lieber Wilson, das Geschenk von dir für uns im Pfarrhof sind nicht kleine gekaufte Packerl, das Geschenk heuer zu Weihnachten für unsere Pfarrhoffamilie, das bist DU, Du als Mensch!“
Ich weiß nicht, ob er mit dieser Einsicht damals gleich ganz zufrieden war, aber später haben wir diese Erfahrung oft erinnert und erzählt - und es stimmt eigentlich: das eigentliche Geschenk ist nicht das im bunten Geschenkspapier versteckte Gekaufte, sondern das sind wir Menschen füreinander!

Wir haben das ja von unserem Gott gelernt! Wie macht es unser Gott?
Natürlich auch so!
Gott schenkt - so hören wir im heutigen Evangelium – ein Kind, also einen Menschen, eingewickelt in Windeln, dargeboten für die Ärmsten zuerst, für die Hirten! Dann für alle Menschen, für alle Welt.
Das ist das Ur-Geschenk zu Weihnachten, ein Mensch, der Menschensohn Jesus als unser Freund, Bruder, Retter und Erlöser!
Gott schenkt einen Menschen, weil immer schon ein Mensch das beste Geschenk für einen Menschen ist.

Wie schön und weihnachtlich ist es, wenn jemand zu einem Menschen sagen kann: „Du bist ein Geschenk für mich, der Himmel hat Dich in mein Leben geschickt. Kein materielles Geschenk kann das ausdrücken, was Du für mich bist“.
Wir sollten das auch öfter zueinander sagen! Ein weihnachtlicher Gedanke!

So dürfen und sollen wir zu Weihnachten von unserem Gott lernen, der als Geschenk, als Mensch zu uns kommt.
Wie der Evangelist Lukas schreibt: „Und das soll euch als Zeichen dienen: ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.“
Gott ist Liebe, Liebe will schenken, sich selber schenken.

Weihnachten lebt vom Schenken und Beschenktwerden.
Jedes verpackte Geschenk möge uns erinnern und zeigen, dass das eigentliche Geschenk immer ein Mensch ist.
Amen.

Pfarrer Franz Kronister

Online auf Youtube