Gemeinsam sind wir Kirche

Predigt vom 9. Juni 2024


Liebe Gottesdienstgemeinschaft!

Die heutigen Lesungstexte haben beide doch einen erheblichen Erklärungsbedarf, besonders wenn wir sie in Bezug zur heutigen Zeit stellen wollen.

Vorerst einmal einige Anmerkungen zur – durchaus bekannten - Geschichte aus dem Buch Genesis.

Erstens: Die Paradieserzählung im Buch Genesis ist natürlich metaphorisch, sinnbildlich zu verstehen, d.h. es wird mit Bildern das Wirken Gottes zu erklären versucht.

Zweitens: Das Wort Adam klingt im Hebräischen sehr ähnlich dem Wort Adamah = Erdling, Adam heißt übersetzt ganz sicher nicht Mann, sondern Mensch. Es ist also ein Mensch, den Gott schuf, damit ist noch kein Geschlecht vorgegeben. Vielleicht eine kleine Gedächtnisstütze für all jene in unserer Gesellschaft und in unserer Kirche, die sich mit einer Bewertung der LGPTIQ – Bewegung schwertun.

Drittens: Landläufig sprechen wir vom Sündenfall im Paradies, weil Eva und Adam auf Geheiß der Schlange vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse Früchte nehmen und essen. Von Sünde ist aber im ganzen Bibeltext kein Wort zu finden. Im Gegenteil: Wenn man genau nachspürt, kann man das Entsetzen Gottes herauslesen, dass sich die Menschen so etwas angetan haben.

Dass wir Menschen ein Gewissen haben, das unterscheiden kann zwischen Gut und Böse ist in der Tat unglaublich wichtig und eben verlockend, wie die Früchte des Baumes. Im Gewissen steckt eben zur Gänze das Wort Wissen. Der Wissensdrang, der dem Menschen anheim ist, führte und führt ihn in ungeahnte Möglichkeiten der Entwicklung, die sich scheinbar immer schneller und schneller entfaltet. Die andere Seite dazu ist die permanente Gefahr einer Überforderung, der verderblichen Anwendung dieses Wissens gegen sich selbst und gegen andere. Dieses Spannungsfeld zwischen gottgeschenkten Möglichkeiten und menschlichen Hinfälligkeiten wird eben schon in der Paradiesgeschichte aufgemacht. Wir haben es in der Hand, unser Wissen im Sinne Gottes zum Guten, zur Liebe einzusetzen, oder aber damit das Böse in der Welt zu etablieren. Frappant für mich ist, wie nah diese bildhafte Geschichte an der Realität unseres Lebens angesiedelt ist. Denken sie nur an die Atomkraft – welch unglaublich verlockende Chancen darin zu sehen sind und wie verloren = nackt wir ihr gegenüberstehen, wenn sie in falsche Hände gerät oder nicht mehr unter Kontrolle zu bringen ist.

So wie es schon beim Baum der Erkenntnis dargestellt wird, ist das Verhältnis von Gut und Böse eben sehr ambivalent, es ist oft gar nicht leicht, das Gute vom Bösen zu unterscheiden, ja sehr oft verschlingt sich Gut und Böse ineinander. Denken sie nur an den aktuellen Konflikt im heiligen Land, im Heimatland Jesu: Wer hat da die Deutungshoheit über Gut und Böse? Ist es nicht so, dass Böses und Gutes auf beiden Seiten zu finden ist, dass das Böse geradezu mit dem Guten kämpft. Es wird eine wahre Mühsal, diesen Krieg wieder zu beenden und es wird noch mühseliger alles das aufzubauen, was zerstört wurde. Von dieser Mühsal spricht übrigens die Paradieserzählung gleich nach dem Abschnitt, den wir heute vorgelesen bekamen.

Wir brauchen aber gar nicht in die große Welt zu blicken, wenn wir über die Verschlungenheit („Verschlangenheit“) von Gut und Böse reden. In unseren Beziehungen wissen wir oft sehr genau, wie subtil wir manchmal die Boshaftigkeit einsetzen, obwohl wir uns sehr bewusst sind, wie sich das Gute = das Göttliche durch unsere Liebe zu unseren Mitmenschen, zu unserem Partner, unserer Partnerin ausbreiten kann. Nicht umsonst sprechen wir in besonders entzückenden Momenten von einer paradiesischen Liebe.

Damit sind wir auch schon am Punkt: Es gibt nur eine einzige Richtschnur, die uns die Mühsal, die Plage, das Böse abstreifen lässt: Es ist Gott selbst, also die Liebe. Und Gottes Sohn Jesus ist es, durch dessen beispielhaftes Handeln wir lernen, wie wir die Früchte vom Baum der Erkenntnis richtig ernten könnten, ohne dass faulende Bosheit die Welt zerstört.

Diese Tatsache bringt mich abschließend zum heutigen Evangelium: Erinnern sie sich? Jesus hat rund um den See Genezareth zu wirken begonnen, er hat angefangen, Leuten Heilung zukommen zu lassen, hat sie gestärkt und gesund gemacht, indem er sie berührt, ihnen zuhört, auf sie eingeht. Das führt zu einem richtigen Hype in der ganzen Gegend. Der Evangelist Markus beschreibt das sehr dicht und treffend: „Es kamen in dem Haus so viele Menschen zusammen, dass sie nicht einmal mehr essen konnten.“

Soweit die gute, die göttliche Botschaft, aber da gab es eben auch nachvollziehbar Zweifel, Irritation, wahrscheinlich auch Neid und Boshaftigkeit: Der spinnt ja komplett, der hat ja nicht alle Tassen im Schrank, was der tut, ist mir ganz und gar nicht geheuer, wären heutige Ausdrücke für das Empfinden mancher Menschen Jesus gegenüber. Sogar seine Verwandten machen sich sorgen, dass er übergeschnappt sei und wollen ihn holen. Zum Eklat kommt es aber erst mit den Schriftgelehrten aus Jerusalem, die Jesus vorwerfen, von einem unreinen Geist besessen zu sein. Da wird Jesus ziemlich ungehalten und erwidert mit einem bemerkenswerten Satz:

Amen, ich sage euch: „Alle Vergehen und Lästerungen werden den Menschen vergeben werden, so viel sie auch lästern mögen; wer aber den Heiligen Geist lästert, der findet in Ewigkeit keine Vergebung, sondern seine Sünde wird ewig an ihm haften.“

Der Theologe Detlef Hecking interpretiert diese Aussage Jesu auf interessante Weise. Er schreibt: „Jesus betont zunächst, dass Gott grenzenlos vergibt. Doch dann macht er eine Ausnahme: Nicht vergeben werde, wenn jemand „den Heiligen Geist lästert“. Damit ist das gemeint, was die Schriftgelehrten soeben gemacht haben: Sie haben die guten, heilvollen Taten Jesu – Krankenheilungen, Verkündigung des Gottesreiches usw. – zwar gesehen und anerkannt. Trotzdem haben sie sie sozusagen als „Teufelswerk“ verleumdet. Eine derartige Verdrehung der offensichtlichen Realität, eine geradezu mutwillige Fehlinterpretation, die Weiß für Schwarz ausgibt und Gutes als Böses diffamiert, ist für Jesus eine Lästerung gegen den Heiligen Geist.“

Diese Interpretation hat mich stutzig gemacht: Ich bemerke, wie gewisse politische und gesellschaftliche Kräfte in unserer heutigen Zeit Gutes und Böses zu vertauschen versuchen. Da wird Hilfe für Hilfesuchende als blauäugig erklärt, da werden Angreifer und Verteidiger in Kriegen willkürlich vertauscht, da werden medizinische Maßnahmen zur Rettung von Menschen als Verbrechen emotional hochstilisiert. Da werden Leute, die sich um einen gesellschaftlichen Zusammenhalt bemühen als sogenannte Gutmenschen diffamiert usw.

Wenn wir den Aussagen aus der Evangeliumsstelle folgen, würde sich Jesus auch heute gegenüber solchen Verdrehungen von Gut und Böse verwehren. Er würde wohl deutlich darauf hinweisen, dass unsere Handlungen im Geist Gottes, im Geist der Liebe zu erfolgen haben. Wer in diesem Geist handelt, ist Jesu Bruder, ist seine Schwester ebenso wie seine Mutter und … sein Vater!<

Amen!

Diakon Franz Hofmarcher

Predigt vom 30. Mai 2024 - Fronleichnam


Geschätzte versammelte Gottesdienst- und Eucharistiegemeinschaft!

Fronleichnam – Hochfest des Leibes und des Blutes Christi. Ein Festtag der Eucharistie, ein Fest der Mahlgemeinschaft der Christen.
Ein Feiertag zehn Tage nach Pfingsten, an einem Donnerstag. Es besteht eine enge Verbindung zwischen dem Gründonnerstag und dem Fronleichnamsdonnerstag. Wegen des eher stillen Charakters der Karwoche erlaubt der Gründonnerstag keine prunkvolle Entfaltung des Festes. Darum wurde bei der Einführung des Festes der zweite Donnerstag nach Pfingsten bestimmt.

Im Grunde genommen ist es ein und dasselbe Fest – Gründonnerstag und Fronleichnam. Aber natürlich mit einer unterschiedlichen Akzentuierung. Wichtigster Teil des Fronleichnamstages ist und bleibt die Eucharistiefeier.
Das Besondere am Fronleichnamstag ist normalerweise die Prozession.
Das II. Vatikanische Konzil spricht davon, dass die Prozession aus der Eucharistiefeier herauswächst. Mit der zuvor in der Messe konsekrierten Hostie wird die Kirche verlassen, um so den Menschen ein öffentliches Zeugnis des Glaubens abzulegen – Mit Christus, dem Brot des Lebens in der Mitte.
„Christus auf der Straße“ könnte man sagen. Es ist eine Demonstration, ein Herzeigen, ein Öffentlich-machen unseres Glaubens.

Was ursprünglich als Triumphzug im Stile eines siegreichen Feldherrn inszeniert war, ist heute viel eher ein Ausdruck des pilgernden Volkes Gottes. Es ist „Volk Gottes unterwegs“.
Gerade im Konzil wurde diese Bedeutung besonders hervorgehoben, und zitierte dabei den Kirchenlehrer Augustinus in der Begründung: „Volk Gottes zwischen den Verfolgungen dieser Welt und den Tröstungen Gottes auf dem Pilgerweg.“

Neben dem Zuschauen, wie der Himmel mit dem „Brot des Lebens“ vorbeizieht, lebt eine Prozession vom Mitgehen, vom Sich-Eingliedern in die Schar derer, die Gott suchen, die mit Christus auf dem Weg sind, hinter Jesus hergehen - ja das hat etwas von Nachfolge Jesu.

Die versammelte Schar verlässt den geschützten und gewohnten Rahmen der Kirche und tritt hinaus auf die Straße. Die Eucharistie verlässt den geschützten Raum des Tabernakels und geht hinaus zu den Leuten. Der Priester oder Diakon trägt die Monstranz, das heißt das Zeigegerät, unter dem Stoffbaldachin von Altar zu Altar. So kunstvoll und prächtig eine Monstranz auch gestaltet sein mag, das Wichtigste ist immer noch das Innere, die Mitte des Schaugerätes: die konsekrierte Hostie – Gegenwart Christi.

Ursprung und Quelle dieses Festes ist die liebende Hingabe Christi, die er den neuen Bund nennt, der Ewigkeitscharakter hat. Diesen neuen Bund hat er mit seinem Fleisch und Blut besiegelt, wie wir das im Evangelium gehört haben, und wie wir das in jeder Messe feiern.
Neu an diesem Bund ist, dass es nach dem Vorbild Jesu um die Hingabe des Menschen geht, da gibt es keine stellvertretenden Opfertiere, wie Paulus es in der Lesung andeutet, da gibt es nur mehr Gott und mich und die Menschen um mich herum.

Was bin ich bereit zu geben, wenn ich weiß: Jesus ist bereit, alles für mich zu tun.
Das dürfen wir bedenken, das dürfen wir feiern, wenn wir in festlicher Prozession durch unseren Ort gehen.

Christus ist in unserer Mitte.
Christus geht alle Wege mit, mehr noch: er geht uns voraus.
Pilgerndes Volk Gottes unterwegs – Fronleichnam.

Amen!

Diakon Peter Leichtfried

Predigt vom 26. Mai 2024


Im Evangelium hören wir heute: Jesus sandte die Jünger aus zu allen Völkern mit dem Auftrag: „Tauft alle auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“.
Das tat die Kirche von Anfang an! In den ersten Jahrhunderten war es noch lebensgefährlich Christin und Christ zu sein. Taufe musste gut überlegt sein! Viele hatten Leid und Kreuz, ja den Märtyrertod auf sich genommen, weil sie sich zu Christus bekannt hatten.
Im 4. Jahrhundert wurde das Christentum Staatsreligion und man musste ChristIn sein, um einen Staatsposten zu bekommen, es war von großem Vorteil ChristIn zu sein! So blieb das im Großen und Ganzen in unseren Breiten bis herauf in unsere Tage!
Der Urtag des Christwerdens war die Osternacht. Da wurden die neuen Mitglieder in der Taufe zu JesusfreundInnen, hineingenommen in die Gemeinschaft der Kirche. Das Taufwasser hatte eine große Bedeutung, das Getauchtwerden, die Taufe also, war das Sakrament des Kircheneintritts, der Anfang des Lebens in der christlichen Gemeinde.

Es gibt zwei besondere Kennzeichen, wie man weltweit katholische Kirchen von anderen Gotteshäusern unterscheiden kann:
Das Weihwasser an den Kircheneingängen (gibt es in jeder katholischen Kirche auf der ganzen Welt) und der Tabernakel mit der Eucharistie und dem ewigen Licht (überall auf dem Erdenrund ist das zu finden in katholischen Kirchen).
Das Weihwasser beim Kircheneingang erinnert uns: Ich bin getauft, ich gehöre zur Gemeinde Jesu, ich möchte nun im Gottesdienst die Gegenwart Gottes erleben und feiern.
Wenn ich die Kirche verlasse und wieder die Finger in das Weihwasser beim Kirchenausgang eintauche, dann sage und bekenne ich damit: Ich bin getauft und möchte in der Welt mich als Christin und Christ bewähren in der Gottesliebe und der Nächstenliebe.
Das Taufwasser der Osternacht ist Urgrund und Hintergrund für das Weihwasser, das wir in unterschiedlichen Situationen verwenden.
Wir haben in der Kirche hinten das große Weihwasserfass (gemacht vom letzten Jahr verstorbenen Purgstaller Siegfried Resch). Von da holten früher ganz viele Menschen, heute immer noch Leute das Weihwasser in Flaschen nach Hause und geben Weihwasser in kleine Weihbrunnkesserl bei der Tür der Küche oder der Stuben.
Ich erinnere mich noch heute an das Weggehen zur Schule und das Weihwasser, das die Mutter uns gegeben hat: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes“.

Was bedeutet es nun, wenn ein Haus gesegnet wird oder ein neu eröffneter Betrieb? Ein Kreuz, eine Kerze, eine Statue?

Die Segnung mit Weihwasser ist immer eine Erinnerung an die Taufe!
Wenn ein Haus gesegnet wird, so heißt das: Hier leben ChristInnen, das Weihwasser erinnere uns an die Taufe, damit wir nicht vergessen, in der Gottes- und Nächstenliebe zu wachsen.
Wenn ein Betrieb eröffnet und gesegnet wird: Hier arbeiten Christinnen und Christen, hier kaufen Getaufte ein, wir bitten Gott, dass er uns helfe uns in der Berufswelt als ChrsitInnen zu bewähren.
Wenn ein Kreuz, ein Geschenk, eine Statue gesegnet wird: Guter Gott, alle, die dieses Geschenk bekommen und sehen, mögen erinnert werden an die Taufe und deine unendliche Liebe, die uns in der Taufe geschenkt ist.

Ein besonderes und heiß diskutiertes Thema ist die unterschiedliche Verwendung von Weihwasser bei einer Erdbestattung (Sarg mit Leichnam) und einem Urnenbegräbnis.
Wir sind es gewohnt, mit Weihwasser von einem/einer Verstorbenen Abschied zu nehmen, indem wir den Sarg in der Kirche mit Weihwasser besprengen. Damit drücken wir aus: Der Leichnam in diesem Sarg war das Erdengewand eines/r Getauften. Wir nehmen Abschied von diesem Meenschen, der in der Taufe ganz zu Christus gehört und leben in der Hoffnung, dass er/sie nun bei Gott in der Vollendung ist.
Bei einem Urnenbegräbnis ist nun aber von der Kirche weder Weihwasser noch Weihrauch vorgesehn, und das führt manchmal zu Irritationen. Es ist Vorgabe der Kirche bei einem Urnenbegräbnis kein Weihwasser zu verwenden. Das ist keine Zurückweisung eines Urnenbegräbnisses, schon gar keine Bestrafung für die Entscheidung, eine Urne zu verwenden.
Der Hintergrund: Bei der Verbrennung im Krematorium mit einem Gasgemisch mit bis zun 1200 Grad Celsius geschieht eine Vernichtung des Leichnams. Die übriggebliebene Asche ist unidentifizierbar und kann auch mit DNA nicht mehr bestinmnt werden. Die Asche, die wir pietätvoll behandeln, ist also nur mehr symbolische Erinnerung an diesen Menschen und hat nicht mehr die starke Präsenz, die Sarg und Leichnam haben.
Es gibt bei der Urne mit Asche keine Tauferinnerung an den Verstorbenen.
Das Weihwasser wird aber mitgenommen bei einem Urnenbegräbnis, weil die Menschen beim Grab gesegnet werden mit der Erinnerung: wir sind Getaufte, wir gehören zum Christus und wir verabschieden uns von einem/r Verstorbenen in der Hoffnung auf ein Wiedersehen in der Ewigkeit.

Das Weihwasser ist Erinnerung an das Taufwasser der Osternacht. Weihwasser beim Kircheneingang und Zuhause erinnern uns an die eigene Taufe. Segnungen und Weihwasser erinnern uns an den Auftrag Jesu: Geht, tauft alle im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen!

Pfarrer Franz Kronister

Predigt vom 19. Mai 2024


Runder Tisch

Wir feiern Pfingsten! Den 50-sten Tag nach Ostern: daher kommt ja auch der Name, denn „Pfingsten“ kommt vom griechischen Wort für „50“!
Sieben mal sieben ist 49! „Sieben“ ist die Zahl der Fülle, also die Fülle mal die Fülle ist 49, der 50-ste Tag ist die Vollendung. Nicht das Ende, sondern als Startschuss für das Leben!
Viele sagen auch, Pfingsten ist das Geburtsfest der Kirche.
Jesus bringt zum Geburtstag der Kirche im heutigen Evangelium 3 besondere Geschenke mit: Frieden / Sendung / Heiliger Geist!

Und was ist Dein Geschenk heute zum Geburtstag der Kirche?
Ich schlage vor: Wir bringen runde Tische mit als unser Geburtstagsgeschenk! Der runde Tisch ist Symbol des Miteinander, des Zuhörens, des Redens auf Augenhöhe. Da gibt es nicht oben und unten, sondern alle sind um den runden Tisch versammelt!

Ich denke gerne zurück an den Tisch zu Hause in meiner Kindheit – und noch viel mehr an den Tisch zu Hause, an dem heute unsere altgewordenen Eltern sitzen. Da liegen auf dem Tisch der Rosenkranz und das Kirchenblatt, die Schnapskarten und der Bauernbündler.
Wenn Gäste kommen, wird hier gegessen und getrunken, geplaudert, diskutiert, zugehört und gelacht. Der Tisch, auch wenn er nicht rund ist, ist Mittelpunkt und sammelt Menschen. Ihr alle kennt das von zu Hause!

In der Pfarrfamilie haben wir auch einen Tisch in unserer Mitte:

     der Altar!

Wir versammeln uns „rund um den Tisch“, wie es in einem bekannten Lied heißt. Hier erleben wir Gemeinschaft, hören die Worte der Schrift vom Tisch des Wortes (Ambo) und werden gestärkt vom Tisch der Eucharistie mit dem heiligen Brot.
Jesus ist der Gastgeber. Hier wird niemand billig abgespeist!
Und nach der Messe sind die „Stammtische“ wichtig, das Beisammenstehen im Kreis am Kirchenplatz, das Sitzen im Gasthaus oder Cafe, das Reden und Austauschen über das Erlebte.
Bitte achten wir darauf, wie wir am Stammtisch, beim Wirt, am Kirchenplatz über andere reden!
Da komen oft so viele unterschiedliche Meinungen zusammen, prallen aufeinander. Wir dürfen lernen, die Unterschiede unter uns nicht als Gefahr, sondern als Bereicherung zu erleben. „Verschiedenheit wertschätzen lernen“ ist eine besonders pfingstliche und herausfordernde Aufgabe für uns alle.
Die Diskutiertische in unserem Alltag sollten Tische des Miteinander bei aller Verschiedenheit werden, ein Zuhören und Dazulegen, ein wertschätzendes Akzeptieren andere Standpunkte. Das ist Geschenk des runden Tisches heute für die Kirche.

Und dann gibt es die vielen Tische in der Pfarre, im Pfarrheim bei den verschiedenen Veranstaltungen der Jungschar, des Pfarrgemeinderates, der Bibelrunde und der Minis. Wir brauchen Gemeinschaft im Leben, die runden Tische des empathischen Zuhörens, des Mitgefühls mit anderen Menschen neben uns.
Und vergessen wir als Geburtstagsgeschenk für die Kirche nicht den Tisch für die Armen: den Blick auf Menschen in seelischer oder körperlicher Not. Sie sollen durch Kirche, also durch uns Hilfe und Unterstützung erfahren.

Die Idee der runden Tische als Geburtstagsgeschenk für die Kirche stammt nicht von mir! Bischof Glettler hat vor wenigen Wochen diese Idee gepredigt im Innsbrucker Dom, als die Diözese Innsbruck den 60. Geburtstag ihrer Diözesangründung gefeiert hat. Bischof Glettler hat 10 runde Tische im Dom und 50 runde Tische am Domplatz aufstellen lassen als Symbol des Miteinander in der Diözese, in der Kirche.
Beim runden Tisch gibt es nicht oben und unten, da sind alle gleich wertvoll. Niemand ist Erster und niemand ist Letzter, alle hören zu und reden miteinander!
Aber auch Bischof Glettler hat diese Idee nicht erfunden, sondern Papst Franziskus. Er hat in Rom in der Synodenaula beim synodalen Prozess in der Gesamtkirche viele runde Tische aufstellen lassen, wo Kardinäle und Frauen, Bischöfe und Laien beisammen sitzen und lernen aufeinander zu hören, bevor sie reden. Hören, reden, schweigen, beten, all das ist wichtig für die runden Tische, für die Erfahrung von Kirche heute!

Es gibt die „paradoxe Hoffnung“, dass sich die Kirche auch heute wandeln kann in der Kraft des Pfingstgeistes.
Viele sage: die Kirche ist alt geworden - und trauen ihr nicht viel zu. Andere spüren: die Kirche ist jung, wo Gottes Geistkraft in sie eingelassen wird und Neues wachsen kann.
Wir leben heute Kirche hier am Ort! Unser Geburtstagsgeschenk für die Kirche sind die vielen runden Tische, wo wir miteinadner reden, zuhören, streiten, ringen, beten und hoffen, dass Kirche durch die Geistkraft Gottes lebendig bleibt als Helferin für alle Menschen. Alles Gute zum Geburtstag, liebe Kirche!

Amen!

Pfarrer Franz Kronister

Predigt vom 12. Mai 2024


Liebe Gottesdienstgemeinschaft, liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

Im heutigen Evangelium hören wir wie Jesus mit Gott / seinem Vater spricht und für seine Jünger betet:

„Ich bin nicht mehr in der Welt,
aber sie sind in der Welt und ich komme zu dir.
Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen,
den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir!“


Bewahre sie in deinem Namen… bewahren.
Von wo kennen wir dieses Wort „bewahren“?

Ich habe eine Schatzkiste mitgenommen… ich bewahre darin mir Wichtiges auf.
Wir bewahren einen Schatz auf, damit er in Sicherheit ist.
Jesus will also, dass wir in Sicherheit, in Geborgenheit sind.


Heute ist Muttertag.
Mütter / Eltern wollen unsere Kinder gut bewahrt wissen.
Wir dürfen sie ein Stückchen lang begleiten.
Anfangs meist eine sehr intensive Zeit, wo es heißt, sie in den Händen zu tragen, bei der Hand zu nehmen, sie zu beschützen, ihnen einen Weg vor zu zeigen…
Die Elternschaft zu übernehmen heißt auch Verantwortung tragen.
Beim Schriftsteller Antoine de Saint Exupéry heißt es in der Geschichte vom „Kleinen Prinzen“:

„Du bist für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.“

Gott ist in Jesus ganz Mensch geworden, er hat sich zu uns als Mensch gemischt, er hat sich uns vertraut gemacht.
Die Jünger haben ihn vertraut,
er wurde somit auch ganz konkret verantwortlich für seine Jünger.

Nun ist Jesus auf einmal gestorben, er ist von der Bildfläche verschwunden. Die Jünger stehen ohne ihrem Vorbild plötzlich da, sie fühlen sich verlassen.
Jesus war sich seiner Verantwortung den Menschen / seinen Jüngern gegenüber bewusst, so war es ihm wichtig dies nochmals deutlich zu machen und zu Gott zu beten:

„Bewahre sie in deinem Namen, damit sie eins werden wie wir.“

Er gibt uns Menschen in die Obhut des Vaters.

Mütterliche Liebe begleitet die Kinder zuerst, die Mutter trägt das Kind wohlig im Arm, sie hält es sicher, sie hält es warm,
die Kinder wachsen heran, wir nehmen die Kinder bei der Hand und führen sie, aber irgendwann lösen sich die Kinder und wir begleiten sie nur mehr.

58 Kinder feierten gestern das Fest der Erstkommunion.
Es geht um die bewusste Begleitung – um das Vertrauen zu Jesus.
Die Erstkommunionkinder sind in einem Alter, wo sie natürlich die Fürsorge der Eltern noch brauchen, aber sie sind schon so weit selbstständig, dass sie ihr Leben bewusst auch stückchenweise selbst in die Hand nehmen können. Sie gestalten immer öfter ihre eigenen Wege. Sie haben in der Erstkommunionvorbereitung gelernt, dass sie sich in der Liebe Gottes geborgen sind.
Sie dürfen sich wohlig aufgehoben fühlen.
Ja, sie dürfen sich bewahrt fühlen in der Liebe Gottes.

Und dieses Bewahrtsein in Gottes Händen, in Gottes Liebe soll uns Geborgenheit, Trost, Zuversicht und Wegweiser in unserem Leben sein.

Als Mutter von 4 Kindern, kenne auch ich so manche Höhen und Tiefen in der Begleitung unserer Kinder.
Die Mutterschaft ist nichts, was mir immer vollkommensten Glück beschert. Nein, sie kann wirklich fordernd sein, zum Teil überfordernd.
Manchmal habe ich auch wirklich das Gefühl, etwas in der Kindererziehung falsch gemacht zu haben, dass mir das Leben der Kinder aus den Händen gleitet. Man hat Ängste über deren Zukunft.
Wird wohl alles gut ausgehen?
Ja, man bemüht sich, aber manchmal zweifelt man als Elternteil.
Und ja, ich gebe es zu, manchmal würd ich das eine oder andere meiner Kinder (manchmal auch gerne alle zusammen) auf den „Mond schießen“.
Und genau in diesem Moment dürfen wir Christen, die wir an die Liebe Gottes glauben, uns wohlig aufbewahrt fühlen.
Wir dürfen darauf vertrauen, dass der liebende Gott uns begleitet in allen Höhen und Tiefen.
Und wenn wir einmal wirklich in unseren Beziehungen, in unserem Leben anstehen, können wir jederzeit zu Gott kommen.
Wir können ihm unsere Ängste, Nöte dabringen (zB zum Altar bringen) und sie von ihm wandeln lassen.

Wir dürfen uns durch Gottes Liebe begleitet und bewahrt fühlen.

Ich wünsche uns allen,
und vor allem auch den Erstkommunionkindern,
dass wir uns immer gut in Gottes Händen bewahrt fühlen.

„Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen,
damit sie eins sind wie wir!“


Amen

Pastoralassistentin Doris Sturmer

Predigt vom 5. Mai 2024


Liebe Gottesdienstgemeinschaft!

Ich habe die Lektorin gebeten, die Lesung aus dem Johannesbrief extra langsam und meditativ zu lesen, und auch ich selbst habe das Evangelium sehr betont vorgetragen, weil ich meine, dass in diesen Stellen soviel Klares, Einfaches und Verständliches über die Liebe und damit über Gott ausgesagt wird, dass es gar keiner zusätzlichen Erklärung bedürfte. Wie sie sich aber denken können, kann ich es doch nicht lassen, einige Gedanken dazu zu äußern.

Zuerst ein formaler Hinweis: Im Johannesevangelium finden wir mehrere sogenannte Abschiedsreden Jesu, in denen der Evangelist Johannes unter anderem noch einmal zusammenfasst, was die wichtigsten Gottesbotschaften Jesu sind. Gerade der heutige Abschnitt ist in hervorragender Weise eine Subsummierung dessen, wozu sich Christus in die Welt gerufen fühlt, wenn er mit den eindringlichen Worten endet: „Dies trage ich euch auf, dass ihr einander liebt.“

Ja, und um die Liebe und damit um Gott geht es allemal in beiden heutigen Bibelstellen. Insgesamt neunzehn Mal kommt das Wort Liebe vor - ganz exzessiv in den ersten Sätzen des Johannesbriefes, wenn es da heißt:

„Geliebte, wir wollen einander lieben, denn die Liebe ist aus Gott und jeder, der liebt stammt von Gott und erkennt Gott. Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt, denn Gott ist Liebe!“

Dichter könnte man nicht mehr formulieren: Gott ist Liebe!

Gott ist Liebe. Auch auf die Gefahr hin, dass sie sagen, der Hofmarcher predigt immer dasselbe, möchte ich diese Aussage als DAS Axiom unseres Glaubens bezeichnen.

Das Wort Axiom kommt aus der Wissenschaft und bedeutet einen als absolut richtig erkannten Grundsatz, eine gültige Wahrheit, die keines Beweises bedarf. „Gott ist gleich Liebe“ ist so ein Axiom. Das ist meine allertiefste Überzeugung.

Ich durfte vor drei Jahren, mitten in der Coronazeit, schon einmal über diese Bibelstellen predigen. Daher möchte ich mich ausnahmsweise einmal selbst zitieren: Damals meinte ich:

„Die DNA der Liebe ist Gott. Wenn es uns als Menschen gelänge, nicht nur die Gene von Coronaviren und anderen Lebewesen zu sequenzieren, sondern das Gen der Liebe, dann würden wir unweigerlich auf Gott höchstpersönlich stoßen. Und darum ist es auch unerlässlich über Liebe immer wieder zu forschen, zu reden, zu publizieren und – vor allem – sie zu leben. Dann können wir nämlich (wie ich immer wieder gerne sage) Gott live bei seiner Arbeit erleben.“

Wir bezeugen das Jesuswort von „Gott als die Liebe“ immer wieder auch im Taize – Lied „Ubi caritas et amor, deus ibi est“. Übersetzt: Wo Liebe ist, da ist Gott.

Mehr bräuchte man über unsere Religion eigentlich nicht zu wissen.

Wobei interessant ist, dass in dem lateinischen Text zwei Formen der Liebe gleichwichtig angesprochen sind – Caritas und Amor!

Die Liebe und damit Gott ist also auf vielfältigste Weise und ununterbrochen auffindbar auf dieser Erde, präsent in unserer Gemeinde, auch in unserem familiären Umfeld.

Natürlich geht es auch um die große Liebe, aber es sind gerade die kleinen, alltäglichen, liebenden Beziehungen, die das Wirken Gottes ausmachen. Es sind die Schmetterlinge im Bauch zweier Verliebter ebenso, wie die nicht ausgesprochene Boshaftigkeit in einer langjährigen Beziehung. Es ist das kurze freundliche Wort gleichwohl wie das lange Zuhören, wenn jemand sein Leid klagt. Es ist der kleine helfende Handgriff in gleicher Weise Liebesbeweis wie die professionelle Hilfe in Pflegeheimen. (Hinweis: Indien)

Endlos könnte ich diese Beispiele fortführen. Stellen sie sich vor, was jetzt, grade in diesem Moment auf dieser unserer Erde milliardenfach an Zeichen der Liebe, also an Manifestationen Gottes geschieht. Jetzt – und jetzt – und jetzt!

Es gäbe keine Menschheit auf dieser Erde, gäbe es nicht dieses unendlich vielfältige Wirken Gottes durch die Liebe. Liebe ist nie nur „Geben“, Liebe ist immer „Geben und Nehmen“.

Das heißt Liebe = Gott ist immer nur in Beziehung erlebbar – entweder zwischenmenschlich oder zwischen mir und Gott.

Dazu möchte ich gerne die von mir sehr geschätzte Theologin Dorothee Sölle zitieren, die in einem Text mit dem Titel „Im Anfang war Beziehung“ folgendes schreibt:

„Wo Liebe ist da ist Gott. Nicht Gottesverehrung in Ergebenheit, nicht Anbetung eines höheren unbegreiflichen Wesens ist das Herz der Religion, sondern Liebe im Doppelsinn dieses Wortes, das uns als Geliebte und als Liebende benennt. An die Liebe = an Gott glauben heißt, sich selber erfahren als bejahte, gewollte, angenommene Wesen- und zugleich als solche, die selber Liebe schenken, Liebe werden. Liebesfähig zu werden ist das Ziel des Lebens.“

Und dann meint sie in etwa weiter:

„Was wir mit einem alten Wort „die ewige Seligkeit“ nennen, bedeutet nichts anderes, als dass Liebe und Gerechtigkeit endgültig ihre Kraft zeigen: in allen und für alle!!“

Gott liebt auf dieser Erde durch uns Menschen unentwegt und unendlich oft und legt damit den Grundstein für ein Leben in seinem Himmel und in seiner ewigen Seligkeit.

Christus hat uns das vorgelebt – bis in den Tod. Aber er hat es uns auch oft genug gesagt und aufgetragen.

„Dies ist mein Gebot: Liebt einander“

Dazu gibt es ein einfaches, sehr schwungvolles Lied in unserer Liedermappe, das einige von uns schon gut können, und das wir nun gemeinsam singen werden: LM 45 – Dies ist mein Gebot, dass ihr liebt einander, dass die Freude in Euch sei!

Amen.

Diakon Franz Hofmarcher

Predigt vom 28. April 2024


Geschätzte Gottesdienstgemeinschaft!

Das heutige Evangelium beschenkt uns mit einem der großen „Ich bin“ – Worte Jesu im Johannesevangelium: Ich bin der Weinstock (Joh 15, 5)

Die Jünger verstanden sehr gut, was damit gemeint war, ist doch das Bild von Weingarten und Weinstock auch in den Schriften des ersten Testaments (etwa bei Jesaja 5,1 oder Jeremia 2,21) einige Male ausgefaltet. Auch für uns ist dieses Bild des Weinstockes ein gut verständliches Gleichnis.

Zwei Dimensionen, die Jesus besonders betont, sind: „Verbundenheit“ und „Frucht bringen“.

Das Bild vom Weinstock drückt aus, wie wichtig es ist, die richtigen Verbindungen zu haben. Vielen Menschen ist es heute wichtig, möglichst immer „online“ zu sein, mit der ganzen Welt verbunden zu sein. In der Flut der Möglichkeiten, die uns die Technik heute bietet, ist es nicht nur entscheidend, wie gut eine Verbindung ist, sondern zunehmend stellt sich die Frage nach der richtigen Verbindung.

Die Firmlinge bieten uns mit ihrem Firmsymbol in der Mitte der Kirche eine Hilfe:
Diese Verbundenheit mit Jesus, diese Verbundenheit mit Gott schenkt die Energie, die uns zum leuchten bringen kann. Das ist die Frucht der Glühlampen, uns das Leben Hell zu machen.
Jetzt kann man natürlich einwerfen: Glühlampen? Oder sind LEDs? Oder Halogenlampen? Auf alle Fälle: ein technisches Gerät?
Sind da Kerzen oder ähnliches nicht viel eher geeignet?
Ja natürlich haben wir auch die Kerzen, die vorne beim Seitenaltar stehen – auch für jeden Firmling eine Kerze. Das Besondere des Symbols der Glühlampen ist aber schon, dass sie an ein Stromnetz anschlossen werden müssen, ein Netz, das meist im Verborgenen – in der Mauer verlegt – vorhanden ist, und ohne diese Verkabelung leuchtet keine der Lampen. Noch verborgener ist aber die Energie, die durch die Kabeln fließt. Wer hat schon einmal den elektrischen Strom gesehen? Und doch wissen alle – oder zumindest viele - welche Auswirkungen diese unsichtbare Kraft haben kann, und wie wir sie nutzen können. Ist das nicht auch so mit der Kraft Gottes, seinem Heiligen Geist, diesem unsichtbaren Beistand? Wer hat Gott gesehen? Und doch wissen wir um seine Wirkmächtigkeit.
Schöne Gedanken, zu denen uns die Firmlinge mit ihrem Symbol anregen können.
Ich habe ja auch eine persönliche Theorie: In meiner Beobachtung sind relativ viele Elektriker und Menschen, die mit dem Strom arbeiten, im kirchlichen Umfeld engagiert. Meine Theorie: Diese Menschen haben einen täglichen Umgang mit einer unsichtbaren Realität. Gilt das nicht auch für uns als Glaubende?

Verbundenheit und Frucht bringen.
Wie sehr Jesus an der Verbindung mit jedem und jeder einzelnen von liegt, haben wir gerade zu Ostern gefeiert, feiern wir in jeder Messe.
Wie sehr wir auch die Verbundenheit mit anderen Menschen und vor allem mit Gott brauchen, drückt sich auch im Symbol aus, wenn wir sehen, dass die Glühlampen der einzelnen Firmlinge für sich, aber miteinander und nebeneinander in diese Welt strahlen und leuchten können.
Wenn in der 10:00 Uhr-Messe die Firmlinge da sein werden, werden sie verschiedene Menschen ganz konkret bitten, für sie zu beten. Das gilt auch für uns, für die ganze Pfarrgemeinde: die Erinnerung daran, die Verbindung, ob persönlich oder im Gebet, lebendig zu halten und auf die Kraft Gottes zu vertrauen.

Amen.

Diakon Peter Leichtfried

Predigt vom 21. April 2024


Guter Hirte

Am 21. April 2019 (also heute vor genau 5 Jahren) war Ostersonntag und dann bald der Beginn der großen Kirchenumgestaltung! Es war ein besonders herausforderndes Jahr für uns alle, mit so viel Planung und Mithilfe, mit der Pfarrheimkirche und Überraschungen.
Heute wissen wir: alles ist gut gelaufen und wir dürfen uns zurecht freuen über die gelungene Kirchenrenovierung.
Ich habe es schon einmal gesagt: Wir haben das Glück, eine Kirche zu haben mit vielen positiven Zeichen und Symbolen unseres Glaubens. Von den Schlüsseln, die Jesus dem Petrus überreicht bis zur Darstellung des „Guten Hirten“ oben auf dem Schalldeckel der Kanzel.

Vom „Guten Hirten“ haben wir heute im Evangelium gehört, der 4. Sonntag in der Osterzeit ist bei uns immer der „Gute-Hirten-Sonntag“, verbunden mit dem Gebet um geistliche Berufe.

Das hat eine gewisse Brisanz!
Denn im ersten Testament wird klar: der eigentliche „gute Hirte“ ist Gott selber, weil alle menschlichen Hirten versagt haben und mehr für sich leben als für die Schafe.
„Der gute Hirt“ ist ein für Gott selber reservierter Titel – und Jesus kommt im Namen Gotttes als der von Gott gesandte „gute Hirt“.

Es ist also eigenartig, fast gefährlich von Menschen als „Hirten“ und „guten Hirten“ zu sprechen, weil man damit Menschen gewollt oder ungewollt heraushebt aus der Herde – und dann ist man schnell bei „den Hirten“ der Kirche und den „Oberhirten“ und meint damit Priester und Bischöfe!
Und heute lädt die Kirche ja sogar ein zum Gebet um geistliche Berufe und meint damit vor allem Priester- und Ordensberufe.
Seit Jahrzehnten beten wir um „geistliche Berufe“ – mit mäßigem Erfolg, wie man weiß: Die Klöster, vor allem die Frauenklöster sind am Aussterben, die diözesanen Priesterseminare in Europa sind fast leer.

Ein Pfarrer sagte vor kurzem in einer Priesterrunde: Es ist eigenartig, wir beten intensiv um geistliche Berufe und schreiben dabei Gott vor, was er zu tun hat, wen er berufen darf. Die Hälfte der Menschheit schließen wir gleich mal aus, die Frauen. Von den Männern werden nur genommen, die zölibatär (ohne Frau und Kinder) leben wollen und können. Und die Gebete fruchten nicht. Vielleicht beruft Gott ja genug Menschen, aber eben nicht mit den Bedingungen, die unsere Kirchenleitung stellt.

Wir stehen vor gewaltigen Veränderungen in der Kirchenstruktur und werden uns bald „bezahlte Hirten“, also Menschen, die von der Kirche angestellt und bezahlt werden im gewohnten Ausmaß einfach nicht mehr leisten können.
Im Prozess „Purgstall 2030“ möchten wir uns ja auch darauf vorbereiten. In einigen Jahren wird wohl auch Purgstall keinen eigenen Pfarrer mehr haben, weil überall Pfarrverbände errichtet werden, wo mehrere Pfarren sich einen Priester teilen müssen. Das ist zur Zeit die Vorgabe der Diözesanleitung.

Diesen Prozess der Transformation können wir aber aktiv mitgestalten, wir brauchen uns davor nicht zu fürchten, sondern sind aufgefordert zu fragen, was denn Gott heute von uns will und wozu er uns herausfordert! Da soll man weit und kreativ denken und manche Vorgabe der Kirchenleitung kritisch hinterfragen.

Katharina von Siena sagt einmal sinngemäß: Es ist die List Gottes, dass er keinem von seinen Menschen alle Talente gegeben hat und anderen nichts! Jede und jeder hat andere Begabungen und Fähigkeiten, die wir einsetzen dürfen, um das Miteinander zu stärken und den Aufbau von Gemeinde und Pfarre zu gestalten.

Ich danke allen, die sich bei uns einbrigen mit ihren Fähigkeiten, mit Zeit und Engagement, um Pfarre mitzugestalten. Wir brauchen euch heute dringender als früher, um das Evangelium zu verkünden und uns im Leben als Christen zu bewähren.

Wenn wir heute um geistliche Berufe beten, dann müssen wir das dringend ausweiten auf das Gebet um „kirchliche Berufe“, „Berufungen zur Mitarbeit in den Gemeinden“, bezahltes und unbezahltes Engagement in den Pfarren: um Gott die Freiheit zu lassen, wie er den Weg der Kirche in die Zukunft gestalten möchte!

Amen.

Pfarrer Franz Kronister