Liebe Gottesdienstgemeinschaft!
Wie schon einmal hat mir beim Vorbereiten meiner Predigt ein Artikel aus der Zeitschrift „Leben jetzt“, ehemals „Stadt Gottes“ weitergeholfen. Da findet sich auf der Titelseite der Februarausgabe ein Bild von Pipi Langstrumpf (da fällt mir doch zu, dass unsere junge Organistin Magdalena letzte Woche am Faschingssonntag die Titelmelodie des Pippi Langstrumpffilms verwendet hat).
Also Pippi auf dem Titelbild mit dem untergelegten Text: HÖR AUF…zu gehorchen und hör auf die Stimme, die dich ruft. Und auf den Innenseiten des Heftes geht es eben genau darum: Wo sind wir als Christen gerufen zu gehorchen, wo sind wir verpflichtet Widerstand zu leisten, und wie hängt das mit der Freiheit zusammen, die uns Menschen von Gott verliehen wurde.
Ich kann zu diesen Themen nur kurz ganz weniges aufreißen, es ist ein weites, weites Spannungsfeld unseres Glaubens und ich will euch hiermit einladen, alleine oder mit Freunden darüber weiterzudenken. Beide heutigen Bibelstellen beziehen sich auf diesen Themenkomplex: Gehorsam – Widerstand – Freiheit.
Zuerst zur Lesung: In unserer Schöpfungsgeschichte ereignet sich laut Bibel gleich zu Beginn ein Akt des zivilen Ungehorsams. Adam und Eva essen verbotenerweise vom Baum der Erkenntnis und müssen den Garten Eden verlassen.
In der Zeitschrift „Leben jetzt“ lese ich dazu – ich zitiere:
„Der Philosoph und Psychoanalytiker Erich Fromm interpretiert diese Erzählung nun so, dass Adam und Eva durch ihren Ungehorsam nicht etwa verdorben oder bestraft, sondern freigesetzt wurden – freigesetzt, um ganz Mensch zu werden.
Dass ein Akt des Ungehorsams ganz am Anfang der biblischen Menschheitserzählung steht, ist schon interessant. Es gehört offenbar zu Gottes Plan, dass die Freiheit zu entscheiden, wesentlich für unser Menschsein ist. Gott meint es ernst mit dieser Freiheit.“
Blickwechsel auf das Evangelium: Jesus leistet dem Verführer, dem Teufel heftigsten Widerstand in seinen Verlockungen.
Nicht nur da in der Wüste – an vielen Beispielen aus Jesu Leben kann man festmachen, dass der Menschensohn gegenüber der Bosheit von Mächtigen und Verführern zivilen Ungehorsam zeigt. Was ihn ja letztlich bis ans Kreuz brachte, wie wir wissen.
In dieser Sinngeschichte vom Teufel als Verführer leistet Jesus dreimal Widerstand und Ungehorsam:
Erst einmal indem er dem Teufel sein Angebot ausschlägt aus Steinen Brot zu machen und ihm damit vermittelt, dass die materielle Grundversorgung für uns Menschen zwar wichtig ist, dass aber Beziehung untereinander, Beziehung zu unserem Schöpfer noch viel wichtiger sind und dass aus diesem sozialen Beziehungsverhalten mehr als genug materielles Vermögen für alle entstehen könnte.
Der zweite Verführungsversuch des Teufels scheitert, weil Jesus der Hybris, der Selbstüberschätzung abschwört, der Mensch könne sich zu Gott erheben und wäre dadurch unverletzlich und unangreifbar.
Und letztlich schmettert Jesus den letzten Versuch des Teufels ab, indem er der Verführung zu unendlicher Macht widersteht. Der Sohn Gottes outet sich gleichzeitig als erster Diener Gottes, er ist nur gehorsam gegenüber seinem Vater.
Jesus widersteht der Verlockung von menschlicher Macht, menschlicher Allmacht und setzt darum ein wesentliches Zeichen wie wir als Christen kritisch sein sollen gegenüber jenen, die sich Macht aneignen oder sogar in einen Machtrausch verfallen, wie wir es dieser Tage vielfältig auf unserer Erde erleben können.
Aus dem Verhalten von Jesus in dieser Parabel lässt sich ein wichtiger Grundsatz unseres Lebens herauslesen: Die einzige Verpflichtung, der wir auf dieser Welt uneingeschränkt Folge leisten sollen, ist die Liebe.
Damit ist auch festgelegt, dass wir nur
einem wirklich Gehorsam leisten sollen, nämlich unserem Gott, der ja die Liebe selbst ist.
Wer sich Jesus zum Vorbild nimmt, dem sollte ganz klar sein, dass sich Jesus mächtigen Menschen gegenüber durchaus widerspenstig gezeigt hat, dass er immer wieder entgegen dem Mainstream jene unterstützt hat, die der Liebe bedurften. Ich denke da an Maria Magdalena, an den Zöllner Zachäus, an die des Ehebruchs beschuldigte Frau usw.
Es gibt ja viele, viele Menschen, manche namenlos, andere berühmt, die sich dem Widerstand gegen die Versuchung des Bösen, des Teuflischen verschrieben haben, auch weil sie sich die Freiheit genommen haben, gehorsam das Wesen der Liebe vertreten.
Mir fällt da zum Beispiel Hildegard Burjan ein, die die Caritas Sozialis in Wien gegründet hat, Franz Jägerstätter, der sich gegen die Anordnung eines Vernichtungsregimes gestellt hat, die Suffragetten, die in England das Wahlrecht für die Frauen erkämpft haben, bis zu Maximilian Kolbe, Martin Luther King, Nelson Mandela, Mahatma Ghandi, um nur einige wenige zu nennen.
Wie gesagt, es finden sich immer wieder Menschen, die sich gegen die Bosheiten, die Machtgelüste einiger weniger, die Niederträchtigkeit von Machthabern beharrlich wehren.
Jede/Jeder dieser Vorbilder ermutigt uns, im Ringen um Liebe, liebevolles und damit gottgewolltes Handeln stark zu bleiben.
So könnte also ein Fastenvorsatz darin bestehen, sich mit Wort und Tat besonders für die eine oder den anderen Schwächeren einzusetzen, bewusst in der Öffentlichkeit seine Solidarität mit Bedürftigen aller Art zu zeigen und den Mund aufzumachen, um gegen abfälliges und ausgrenzendes Sprechen aufzutreten – und versuchen, der Liebe in dieser Welt Auftrieb zu verleihen.
Diakon Franz Hofmarcher