Liebe sommerliche Gottesdienstgemeinschaft!
Es ist Hochsommer, dass spüren wir alle, noch dazu Ferienbeginn. Eine Zeit der Freude,
eine Zeit des Durchatmens, manchmal auch eine Zeit des Versteckens in der Wohnung,
wenn es - so wie letzte Woche - unendlich heiß wird.
Aber trotz aller Hitzebedrohung überwiegt doch die Freude über die sommerlichen
Tage, über das ungestüme Wachstum in der Natur, über den Genuss des kühlenden
Wassers in Flüssen und Bädern, über die Sonnenwärme, die auch die Nachstunden
noch durchheizt.
Der Sommer wartet mit einer Überfülle an Sinnesreizen auf. Denken wir an das
duftende Heu, an die Farben der Blumen, an den Geschmack der frischen Früchte wie
z.B. Beeren und Kirschen.
Wie ihr vielleicht schon bemerkt habt: All diese positiven, lebensfrohen Seiten des
Sommers sollen heute bei unserer Messfeier in Liedern und Texten Platz haben.
Und da reihen sich die Bibelstellen des heutigen Tages ganz hervorragend ein.
Sowohl im Text aus dem ersten Testament als auch im Evangelium wird ein
hoffnungsvolles, optimistisches, zukunftsgläubiges Bild gezeichnet, wenn zum
Beispiel im Buch Sacharija geradezu visionär von einem Messias gesprochen wird,
der gerecht und demütig ist, der die Kriegslust der Menschen ausmerzt und den
Nationen Frieden verschafft.
Und Jesus steht dem in seiner frohen Botschaft um nichts nach, wenn er uns
verspricht: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch
erquicken. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von
Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch ist
sanft und meine Last ist leicht.“
Das fühlt sich doch wie Balsam an in unseren Herzen. Oder? Bibel zum Seele
schmeicheln, zum Aufatmen, zum Entspannen, genau passend zur Sommer - Urlaubs - Ferienzeit.
In einem Kommentar zu Jesu Worten las ich sogar von Seelen-Wellness, andere,
kritischere sprechen von einem Text aus der Werbe und Marketingabteilung der
ersten Christen.
Aber angesichts der niederschmetternden Situation in Katastrophen - und
Kriegsgebieten, der erschütternden Krankheitsschicksale vieler Menschen, der
immer wieder aufflammenden bösartigen Konflikte in Familien: Können da die
Betroffenen Jesu Worte ernst nehmen, wenn er von einer leichten Last und einem
sanften Joch spricht, dass er uns auferlegt? Darf ich, in Not geraten, nicht
fragen: Wo ist deine Erquickung, Jesus, die du uns versprichst?
Berechtigte Fragen, finde ich! Und trotzdem: Gerade in Zeiten von Krieg, Terror,
Gewalt sollten wir die vielen Geschenke des Lebens, des tausendfachen Aufblühens
von Menschlichkeit, der vielen, vielen kleinen Hilfsleistungen, die unzähligen
kleinen Wunder des Alltags auf keinen Fall übersehen.
Trotz ökologischer und sozialer Krisen sollten wir bewusst auf jene Menschen und
Kräfte schauen und bauen, die uns Lasten erleichtern, die uns Ruhe finden lassen,
die gütig und von Herzen demütig sind.
Manchmal sind wir so verbissen auf die Probleme unserer Zeit und der Suche nach
Lösungen fixiert, konzentrieren uns so auf den Widerstand gegen zerstörerische
Kräfte, dass wir das viele Gute, dass um uns herum passiert und das letztlich
unsere Welt zusammenhält, nicht wahrnehmen.
Jesus ist kein blauäugiger Gutmensch, der die Probleme seiner Umgebung nicht
wahrnimmt: Wie wir gehört haben, spricht er gerade die an, die mühselig und
beladen sind.
Und er sagt: „Kommt alle zu mir und lernt von mir“. Er meint damit:
Macht es so wie ich: Bekämpft die Bosheit einiger und haltet euch an das Gute
der Vielen, lasst Euch nicht von wenigen aufeinanderhetzen, sondern baut auf
die vielen, die sich gegenseitig unterstützen.
Und seid gewiss, ihr seid immer angefragt von Gott, ob ihr nicht seine Hand,
sein Fuß, sein Mund, seine Liebe sein könnt für andere, egal in welch tollem
oder erbärmlichem Zustand ihr im Moment zu sein scheint.
Die Frage, die der ehemalige amerikanische Präsident J. F. Kennedy in seiner
Antrittsrede an seine Landsleute weitergegeben hat: „Fragt nicht, was euer Land
für euch tun kann, fragt vielmehr, was Ihr für Euer Land tun könnt“, lässt sich
als Heilmittel nach Christi Vorbild auch auf unser Leben mit unserem Gott
anwenden: Frage nicht, was Gott für dich tun kann, sondern frag, was Du für die
Liebe Gottes auf dieser Welt beitragen kannst.
Selbst für schwer angeschlagene Menschen ist das kein zynisches Rezept, es kann
die Last meines Lebens sehr erleichtern, wenn ich aus meinem Leidenshaus
herausfinde und meine kleinen Kräfte, meine Sorgen, meine beschränkten
Möglichkeiten mit anderen teile. Übrigens: Ich finde, das ist Beten in Reinform.
Drei sommerliche, d.h. lebensbejahende Botschaften leite ich aus den heutigen
Bibelstellen ab:
- Lassen wir uns nicht allzu sehr von den Problemen dieser Welt, von den
Untergangsprophetien entmutigen und hinunterreißen. Wir sollen uns hochziehen,
aufhelfen, ermutigen lassen von den vielen Menschen guten Willens, von der
Schönheit, der Natur, von der Bereicherung durch Kunst und Kultur und vor allem
von der Zusage Gottes, dass wir seine geliebten Kinder sind.
Wir sollen mit Verve und Einsatz jene unterstützen, die Frieden zu leben
versuchen und nicht der Spaltung und Herabwürdigung das Wort reden und wir
sollen auf Begegnungen mit Menschen setzen, die Probleme nicht nur
heraufbeschwören, sondern tatsächlich tagtäglich lösen. Kurze Nachdenkpause:
Wer könnte so wer sein?
- Eine zweite sommerliche Botschaft: Wir sind immer wieder selbst angefragt,
an Lösungen von Problemen mitzuwirken - nach unseren Kräften und Möglichkeiten
eben. Manchmal kann es sogar bei der Lösung von eigenen Problemen helfen.
- Und letztlich: Jesus teilt im heutigen Evangelium mit uns seine Vision von
einem guten, leichten, erlösten Leben für alle, nicht nur im Himmel, sondern
auch im Hier und Jetzt.
Zugleich erinnert er uns daran, dass ein Kern seiner Botschaft - die Welt zu
erlösen - nicht unsere Aufgabe ist und nicht in unserer Hand liegt. (Gefahr
durch „menschliche Erlöser“). Wir können, sollen und dürfen höchstens daran
mitwirken – und ein wesentlicher Punkt dabei ist: versuchen, selbst gut, leicht
und erlöst zu leben.
Einen Platz an der Sonne anstreben, sich in der Liebe Gottes räkeln dürfen, ist
ein erstrebenswertes Lebensziel. Vielleicht kann diese Sommerzeit auch bei Euch
einen kleinen Beitrag dazu leisten. Amen!
Diakon Franz Hofmarcher