Gemeinsam sind wir Kirche

Predigtarchiv

Predigt vom 6. Jänner - Heilige drei Könige

Liebe Gottesdienstgemeinschaft,

Das Fest der Heiligen Drei Könige, auch Epiphanie oder Erscheinung des Herrn genannt, wird bei uns am 6. Januar gefeiert und erinnert an die biblische Erzählung von den Weisen aus dem Morgenland, die dem neugeborenen Jesuskind Gold - eine Opfergabe für Könige, Weihrauch - als Zeichen seiner Göttlichkeit - und Myrrhe - für die Einbalsamierung, die den Tod ankündigt – brachten.

Das kennen und wissen wir alles und man denkt sich unbewusst, so wie wir feiern, wird das wohl überall in der katholischen Welt sein.

Ein Blick nach Europa zeigt aber schon, dass es auch in unserer näheren Umgebung viele Formen des Feierns am 6. Jänner gibt!

Allein schon in Europa gibt es dazu sehr unterschiedliche Traditionen!

In Deutschland und Österreich ist vor allem der Brauch des Sternsingens verbreitet. Kinder, Jugendliche und Erwachsene verkleiden sich als die drei Könige – Caspar, Melchior und Balthasar – ziehen von Haus zu Haus, singen Lieder und sammeln Spenden für wohltätige Zwecke. Dabei schreiben sie mit Kreide den traditionellen Haussegen über die Tür: 20+C+M+B+26
Die Buchstaben werden volkstümlich oft als Namen der Könige gedeutet, stehen jedoch ursprünglich für den lateinischen Segensspruch „Christus mansionem benedicat“ („Christus segne dieses Haus“). Inzwischen werden auch schon viele Aufkleber erbeten, weil auf vielen neuen Türen die Kreide nicht zu sehen ist!

In Frankreich und Belgien ist der Dreikönigstag vor allem ein kulinarisches Fest. Traditionell wird ein Blätterteigkuchen mit Mandelcreme, gegessen. In dem Kuchen ist eine kleine Figur versteckt. Wer sie findet, wird für einen Tag zur Königin oder zum König gekrönt und darf oft bestimmen, wer das nächste Mal bezahlt.

In Spanien spielen die Heiligen Drei Könige eine besonders zentrale Rolle, denn dort bringen nicht der Weihnachtsmann oder das Christkind die Geschenke, sondern die Heiligen drei Könige!
Am Abend des 5. Januar finden in vielen Städten große Umzüge statt.
Die Kinder stellen in der Nacht Schuhe bereit, in die am nächsten Morgen die Geschenke gelegt werden.

In Italien ist die Epiphanie eng mit der Figur der Befanav verbunden, einer alten Frau auf einem Besen. Der Legende nach wollte sie die Weisen begleiten, verpasste sie jedoch und sucht seitdem das Jesuskind. In der Nacht vom 5. auf den 6. Januar bringt sie den Kindern Geschenke oder – bei Unartigkeit – Kohle aus Zucker.

Noch einmal aber ein Blick zu unserer Tradition in Österreich.
Bei uns ist das Sternsingen rund um den Jahreswechsel seit Jahrzehnten eine schöne und wichtige Aktion der Katholischen Jungschar!

In Purgstall waren heuer über 100 Kinder, Jugendliche und Erwachsene an 5 Tagen vor und nach dem 1. Jänner unterwegs, verkündeten die Geburt Christi in Bethlehem und sammelten Geld für Menschen in Not in armen Ländern. Über 500 Projekte werden heuer wieder unterstützt, ihr habt ja alle einen Begleitzettel bekommen mit genaueren Daten!

21 Gruppen, davon 6 Erwachsenengruppen waren bei uns in Purgstall heuer unterwegs, 29 Routen gibt es in Purgstall und 20 BegleiterInnen.

Natürlich braucht es da im Hintergrund ein starkes Team, damit die ganze Aktion gut begleitet ist.
Da gibt es einmal unsere Helferinnen für die Gewänder, also 4 Frauen, die die Gewänder vorbereiten, den Kindern beim Ankleiden helfen, reparieren und alles wieder in Ordnung bringen: Monika Greimel, Nina und Gisela Wutzl und Verena Jagesberger.
Und im Hintergrund gibt es das Hauptteam der Sternsingeraktion bei uns: Monika Liedler, Birgit und Werner Wenighofer und Andreas Karner. Da laufen alle Fäden zusammen, da wird von langer Hand vorbereitet, geprobt und organisiert. Heuer schon zum 10-ten Mal ist dieses Team in der Verantwortung! Danke für eure Arbeit in der Pfarre für die Sternsingeraktion!

Ein großes Danke auch allen Familien, die heuer die Sternsinger verköstigt haben! Alle Gruppen wurden zum Mittagessen eingeladen.

Ich selber war auch wieder einen Tag als Begleiter unterwegs und ich bin immer überrascht, wie freundlich, erwartungsvoll und wohlwollend die Sternsinger aufgenommen werden. Viele warten auf die Sternsinger oder sind traurig, wenn sie sie verpassen!

Jetzt werdet ihr fragen: und wieviel wurde gespendet?
Ich kann nur dankbar verkünden: wieder ein Rekordergebnis - wie schon all die Jahre zuvor! Um 1400.- Euro wurde heuer mehr gesammelt als letztes Jahr, im Gesamten bis jetzt 25661,42 Euro! Danke und Vergelt’s Gott!

Jetzt aber freuen wir uns, dass auch wir heute noch einmal Besuch von den Sternsingern hier in der Kirche bekommen:
Sternsingergruppe in der Kirche

Pfarrer Franz Kronister

Predigt vom 4. Jänner

Liebe Gottesdienstgemeinschaft,

Weihnachten ist noch nicht vorbei.
Auch wenn uns genau das Fernsehen, Radio und Wirtschaft schon seit dem 25. Dezember sagen: „Weihnachten ist vorbei. Jetzt kommt der nach – weihnachtliche – Geschenke – Umtausch – Stress!“

Als Kirche zeigen wir etwas anderes: Weihnachten ist noch! Wir sehen es am Kirchenschmuck: Christbaum, Weihnachtsbild, die kleine Krippe vor dem Kreuz, die große Krippe auf der Kirchenplatz-Seite. Wir hören und singen es in unseren Liedern. Und wir hören es im Evangelium: Den gleichen Text haben wir am Weihnachtstag gehört.
„Im Anfang war das Wort. ... Im Anfang war es bei Gott.“
Das soll uns besonders daran erinnern, dass mit dem 24. Weihnachten nicht vorbei ist, sondern dass es der Beginn ist!

Der Beginn einer neuen Erfahrung mit Gott: Gott zeigt sich, wie er ist.
Dieser Beginn ist für mich ganz besonders ausgerückt im Evangelium: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“
So zeigt sich Gott: als Mensch unter Menschen.

Was bedeutet es, wenn etwas Fleisch wird – Gestalt annimmt, wie wir heute sagen würden?
Damals hat das geheißen: Gott nimmt in Jesus Gestalt an. Und lebt nicht im Königspalast oder bei den Priestern, sondern in einer ganz normalen Familie.
Er lernt das Leben kennen und lieben. Er lebt mit den Menschen, erfährt und teilt ihre Freuden und Sorgen. Er lernt das Leben von allen Seiten kennen, an seinem eigenen Körper, seiner eigenen Gestalt – Höhen und Tiefen, Freud und Leid, Leben und Tod.

Damals nahm das Wort Gestalt in Jesus an. Das Wort bekommt ein Gesicht und Hand und Fuß und hinterlässt Spuren. Es ist der Fingerabdruck Gottes, ein persönlicher Stempel: Im Menschen kommt Gott zur Welt.

Und heute? Welche Gestalt nimmt Gott heute an?
Diese Frage kann ich nicht für euch alle beantworten – für jeden von uns wird es etwas anderes bedeuten.
Ich möchte mit euch teilen, was für mich zur Zeit bedeutet: „... und das Wort wird Fleisch …“ - Gott nimmt Gestalt an:

Ich komme mit vielen unterschiedlichen Menschen zusammen – in der Schule, in der kfb, im Alltag und im Beruf.
Und ich sehe das Wort Gottes Gestalt annehmen in den Menschen in den Pfarren, für die der Glaube wichtig ist, die ihr Leben aus dem Glauben heraus gestalten, die sich mit Gott, mit Gottes Wort beschäftigen.
Ich sehe das Wort Gottes Gestalt annehmen in den Menschen, die gemeinsam beten singen, suchen fragen, feiern, einander helfen.
Ich sehe das Wort Gottes Gestalt annehmen, wenn in Diskussionen Verständnis wächst und Glaubenserfahrungen geteilt werden.
Ich sehe das Wort Gottes Gestalt annehmen in Jugendlichen, die fragen, zweifeln und mich als Lehrerin herausfordern: „Warum glauben Sie an Gott?“

In den vielen Gesichtern dieser Menschen nimmt Gott für mich Gestalt an, bekommt Hand und Fuß und hinterlässt Spuren.

Eines bin ich mit sicher: Gott wird auch heute Fleisch, nimmt auch heute Gestalt an und wohnt unter uns.
Und so wie damals ist das Wort Gottes klein und unscheinbar und ohnmächtig – ein kleines Kind.
Ein Beginn, kein Ende.
Weihnachten ist nicht vorbei. Weihnachten ist der Beginn.

Monika Liedler

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Predigt vom 25. Dezember

Liebe Gottesdienstgemeinschaft,

An den beiden wichtigsten Hochfesten unseres Glaubens – Ostern und Weihnachten, und auch bei vielen anderen liturgischen Anlässen, hat das Licht, das Licht bringen einen zentralen Platz in unseren Feiern. Denken Sie an das Osterlicht, die Osterkerze, die Taufkerze, an die adventlichen Kerzen, das Licht von Bethlehem, an das ewige Licht in unserer Kirche, an die Gedenkkerzen für die Verstorbenen im Rückraum unseres Gotteshauses – und viele, viele Lichtsymbole mehr! Ich bin mir ziemlich sicher: Es gibt keine wichtigere Symbolik für unseren Glauben als das Licht.

In dieser Meinung bestätigt mich das heutige Weihnachtsevangelium ganz nachdrücklich, indem der Evangelist Johannes gleich zu Beginn seines berühmten Prologes eine ganze Passage dem Licht, dem Lichtbringer Jesus Christus widmet. Ich wiederhole: „In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.“ Und weiter heißt es: „Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.“ Allein diese wenigen Sätze zeugen davon, welche Kraft, welche Leuchtkraft von Jesus ausgehen will, auf welche Kraft wir in unserem Glauben bauen können!

Das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst. Ich bitte Euch nun, Euren Blick auf unser schönes Weihnachtsbild am Hochaltar zu richten. Der uns unbekannte Maler hat diesen Satz vom Licht in der Finsternis bildlich wunderbar umgesetzt, indem er aus einer rundum dunklen Umgebung die Krippenszene, das Jesuskind in hellem Licht erstrahlen lässt. Dieser - besonders in der Barockzeit angewandte - Malstil soll das Wesentliche in einem Bild in deutlicher Weise hervorheben. In unserem Bild hebt der Künstler aus der dunklen Stallumgebung diesen lichtbringenden Jesus heraus.

Und das ist nicht nur Symbolik, das ist auch der Lebensrealität der Menschen geschuldet, der damaligen Bewohner von Judäa ebenso wie unserer heutigen Erdbevölkerung. Sind doch die Menschen damals wie heute vom Dunkel umzingelt, immer wieder bedroht durch dunkle, furchtbare, ja katastrophale Ereignisse, die machtgierige, brutale und über Leichen gehende Menschen hervorrufen, die über uns Menschen hereinbrechen wie Naturkatastrophen.

Damals vor 2000 Jahren waren das die römischen Eroberer und Besatzer, die eigene jüdische Machtschicht, wie zum Beispiel Herodes, der hunderte Buben im Land ermorden ließ, heute sind es die Präsidenten der Supermächte, die mit ihren Eroberungsgelüsten und Machtdemonstrationen abertausende in den Tod und die Verzweiflung treiben. Gerade im Heiligen Land spiegeln sich Zeichen der Zerstörung und des Todes wider, die wir aus biblischen Schilderungen zur Zeit Jesu gut kennen.

Nicht zu vergessen, die kleinen und größeren dunklen Ecken, die wir in jedem Lebensbereich ausmachen können, unsere eigenen, die der Nachbarn, die in unserer Gemeinde. Auch die tragen zum Dunklen in unserer Welt bei, wie wir das eben als Sinnbild in dem Kunstwerk an unserem Altar wahrnehmen können.

Doch da ist eben auch das Zentrum des Bildes, das lichtdurchflutete, das lichtbringende Jesuskind. Auch das ist Sinnbild, ja überwältigende Symbolik, die da drinnen steckt. Das lichte, das erhellende, das wärmende, das göttliche lässt sich von keiner Finsternis verdrängen, im Gegenteil, das Licht kann die Dunkelheit wandeln und das Gute, es kann das Helle, das Heile, den Heiland hervorbringen.

Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kann Böses in Gutes wandeln, kann Hass in Versöhnung wandeln, kann Verletzung in Heilung wandeln, kann Krankheit in Gesundheit wandeln, kann Krieg in Frieden wandeln, kann Sterbliches in ewiges Leben bei Gott wandeln. Insofern ist jede Wandlung in unseren Messfeiern auch eine Lichtfeier.

Ich spreche hier nicht nur von Lichtsymbolik, sondern von handfesten Tatsachen: Würden nicht abertausende Menschen, das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, täglich, stündlich, minütlich billionenfach über die ganze Erde verteilen, hätten wir eine Dunkelheit auf dieser Welt, die sich niemand vorstellen mag, eine Sonnenfinsternis der Menschlichkeit, die alles Leben auf dieser Erde vernichten würde.

Aber da sind wir mit unseren kleinen Lichtern davor: Da wird geholfen, wenn Katastrophen über Menschen hereinbrechen, Rettung, Feuerwehr, Zivilschutz, private Hilfe, da wird Versöhnung versucht, gefördert, da werden Menschen geheilt durch medizinische Eingriffe, durch psychologische Unterstützung, da wird Streit geschlichtet durch Verhandlungen und Gespräche, da werden Kinder gestärkt und wertschätzend erzogen, da gibt es für Trauernde seelsorglichen Zuspruch, da gehen Menschen zu den Ärmsten der Armen, um ihnen eine Spur von Menschenwürde zu ermöglichen, da versöhnen sich streitende Ehepaare immer und immer wieder und so weiter und so fort…

Es weihnachtet sehr auf unserer Welt und zwar ununterbrochen. Täte es das nicht, die Dunkelheit würde uns umfassen. Das ist der Kern der weihnachtlichen Botschaft: Dass wir das Licht, das uns erleuchtet und lebendig macht, zur Welt bringen. Damit können wir die Dunkelheit zurückdrängen und in Schach halten.

„Wird Christus tausendmal in Bethlehem geboren und nicht in dir, du bleibst doch ewiglich verloren.“ Ich möchte diesen durchaus sehr bekannten Satz des deutschen Dichters Angelus Silesius, mit bürgerlichen Namen Johannes Scheffler, in eine positive Richtung drehen und umdeuten: „Wird Christus nicht nur in Bethlehem geboren, sondern tausende Male in uns, dann ist die Welt ganz sicher nicht verloren.“

Diese Sehnsucht nach dem Guten, dem Hellen, dem Wärmenden, dem Menschlichen, dem Heilenden, dem Heiligen, das drücken wir doch zu Weihnachten mit unseren vielen Geschenken aus.

Ein Geschenk, dass sich jeder immer wieder über das ganze Jahr machen kann, ist, bewusst wahrzunehmen und zu sehen, wie in den Menschen, denen du begegnest, immer wieder göttliches Licht aufleuchtet, wie durch Menschen die Welt lichter gemacht wird.

Und es ist so wie im Stall von Bethlehem: Am besten siehst du die Leuchtkraft Gottes in den einfachen Leuten, die um dich sind.

Du kannst dafür ein Sensorium stärken und entwickeln. Du könntest ein Lichtentdecker werden und dadurch selbst licht werden. (Werde Licht!)

So könnten wir alle nachhaltiger weihnachtlich feiern und damit uns und unseren Mitmenschen immer wieder Gutes tun, uns gegenseitig stärken, ermutigen und aufbauen. An so ein Christkind können doch auch Erwachsene glauben, oder nicht?

Diakon Franz Hofmarcher

Predigt der Christmette 24. Dezember

Liebe Pfarrgemeinde,

Der heilige Abend und das Weihnachtsfest leben von Geschenken.
Was wäre Weihnachten ohne Geschenke? Ohne Schenken und Beschenktwerden? Eigentlich für uns alle unvorstellbar!
Ich hoffe, dass jede/r von uns heute schon ein Geschenk gegeben hat und auch bekommen hat!
Ich persönlich schenke sehr gerne, aber manchmal ist es auch
herausfordernd und mühsam, zu Weihnachten alle Geschenke beisammen zu haben. Ich will ja niemanden übersehen und vielen Freude machen. Und das Geschenk soll natürlich passen und überraschen.
Heuer habe ich es ein bisschen stressig erlebt und war froh und erleichtert, als ich alle Geschenke eingepackt hatte.

Übrigens: warum packen wir eigentlich die meisten Geschenke mit buntem Papier ein, wo dann ja doch wieder alles aufgerissen werden muss, die schönen Bänder zerschnitten werden und die Verpackung dann gleich weggeworfen wird?
Ich glaube, damit sagen wir: das eigentliche Geschenk ist nicht da drinnen, das Materielle, das Gekaufte oder das selbst Gemachte. Lass Dich nicht täuschen vom Geschenk selber, deshalb ist es im bunten Papier versteckt!
Das eigentliche Geschenk halte ich nicht in Händen und gebe es Dir in deine Hand, das wirkliche Geschenk sind wir Menschen füreinander.
Das eigentliche Geschenk bist Du für mich und bin ich für Dich!

Wir haben das im Pfarrhof heute am Heiligen Abend genau vor 13 Jahren sehr anschaulich und berührend erlebt.
Damals kam unser erster indischer Kaplan Wilson wenige Tage vor Weihnachten zu uns in den Pfarrhof. Alles war neu für ihn, wirklich alles, auch das Weihnachtsfest in unserer Art und Weise und das Beschenken und Beschenktwerden und natürlich auch unsere Traditionen im Pfarrhof.
Wir im Pfarrhof hatten kleine Geschenke für Wilson vorbereitet und überreichten sie ihm am Heiligen Abend nach Abendessen, Ausrauchen und Beten.
Wilson hatte noch keine Geschenke für uns vorbereiten können und war sehr traurig und ziemlich verlegen, weil er nichts geben und schenken konnte.
Da wollten wir ihn trösten und sagten zum ihm: „Lieber Wilson, das Geschenk von dir für uns im Pfarrhof sind nicht kleine gekaufte Packerl, das Geschenk heuer zu Weihnachten für unsere Pfarrhoffamilie, das bist DU, Du als Mensch!“
Ich weiß nicht, ob er mit dieser Einsicht damals gleich ganz zufrieden war, aber später haben wir diese Erfahrung oft erinnert und erzählt - und es stimmt eigentlich: das eigentliche Geschenk ist nicht das im bunten Geschenkspapier versteckte Gekaufte, sondern das sind wir Menschen füreinander!

Wir haben das ja von unserem Gott gelernt! Wie macht es unser Gott?
Natürlich auch so!
Gott schenkt - so hören wir im heutigen Evangelium – ein Kind, also einen Menschen, eingewickelt in Windeln, dargeboten für die Ärmsten zuerst, für die Hirten! Dann für alle Menschen, für alle Welt.
Das ist das Ur-Geschenk zu Weihnachten, ein Mensch, der Menschensohn Jesus als unser Freund, Bruder, Retter und Erlöser!
Gott schenkt einen Menschen, weil immer schon ein Mensch das beste Geschenk für einen Menschen ist.

Wie schön und weihnachtlich ist es, wenn jemand zu einem Menschen sagen kann: „Du bist ein Geschenk für mich, der Himmel hat Dich in mein Leben geschickt. Kein materielles Geschenk kann das ausdrücken, was Du für mich bist“.
Wir sollten das auch öfter zueinander sagen! Ein weihnachtlicher Gedanke!

So dürfen und sollen wir zu Weihnachten von unserem Gott lernen, der als Geschenk, als Mensch zu uns kommt.
Wie der Evangelist Lukas schreibt: „Und das soll euch als Zeichen dienen: ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.“
Gott ist Liebe, Liebe will schenken, sich selber schenken.

Weihnachten lebt vom Schenken und Beschenktwerden.
Jedes verpackte Geschenk möge uns erinnern und zeigen, dass das eigentliche Geschenk immer ein Mensch ist.
Amen.

Pfarrer Franz Kronister

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Predigt vom 14. Dezember

Liebe adventliche Feiergemeinschaft!

Wie soll das zusammen gehen, der Sonntag Gaudete, der Sonntag der Vorfreude auf das Kommen unseres Bruders Jesus Christus und gleichzeitig der Versöhnungssonntag, also der vorweihnachtliche Sonntag, an dem wir – so wie wir das auch in unseren Wohnungen zu Hause machen - innerlich ein bisserl zusammenräumen, den Alltagsstaub unserer Belastungen wegwischen, die Dinge und Eigenschaften, die uns im Weg stehen, wegräumen, und das, was uns guttut, in den Vordergrund stellen.

Sauber machen soll ja kein Selbstzweck sein, es soll dazu führen, dass ich Freude am Wohnen habe, so wie das innerliche Befreien von Last und Schuld Freude an meiner Lebenswohnung fördern soll.

Freuen dürfen wir uns wirklich, wenn es uns gelingt, zumindest einen Teil unserer Innenwohnung aufzuräumen, denn wie wir alle aus unserer Haushaltserfahrung wissen: Der Moment der Sauberkeit ist gleichzeitig der Beginn neuerlicher Verstaubung und Verschmutzung. Das Leben ist wie ein Küchenblock, der durch andauerndes Vorbereiten und Kochen verschmutzt und daher immer wieder gesäubert werden muss. Wer Leben wirklich lebt, der produziert automatisch Abfälle und Verschmutzungen. Das lässt sich nicht vermeiden. Das müssen wir uns immer wieder bewusst machen. Und ich sag euch: Gott sei Dank ist das so und Gott sei Dank weiß das auch Gott.

Also: Unser Inneres aufräumen kann bedeuten: Über sich nachdenken, in sich gehen, an sich arbeiten, sich sein Verhältnis zu seinen Mitmenschen und zu Gott vor Augen führen.

Mit welchem Ziel?

Es gibt ein herausragendes Ziel, für das es Sinn macht, sein Innerstes zu reinigen, es zum Glänzen zu bringen: Und das ist – unsere Liebesfähigkeit zu erhalten und vielleicht sogar zu steigern.

Für uns als Christen, geht es fundamental darum, Beziehungen in Liebe zu leben. Es ist unser Hauptgebot, dass uns Jesus gegeben hat und von dem sich all unser Handeln ableiten soll. Unser Möglichstes an Liebe in unsere Beziehungswelt einzubringen, unsere Liebe zu uns selbst, zu unseren Nächsten und zu Gott, der ja die Liebe ist.

Der deutsche Theologe Benedikt Schmidt hat sich in der Zeitschrift „Leben jetzt“ mit diesem Hauptgebot unseres Glaubens unter dem Titel „Gesichter der Liebe“ auseinandergesetzt. Und er plädiert unter anderem dafür, dass wir diesen drei Polen unseres Hauptgebotes – Selbstliebe, Nächstenliebe, Gottesliebe - immer wieder bewusst nachspüren sollen.

Schmidt macht aus diesem Beziehungsdreieck – Ich, meine Mitmenschen und Gott – eine Art Raster, indem er sich jeden Eckpunkt unter den drei Gesichtspunkten Wahrnehmung (Achtsamkeit – Aufmerksamkeit), Wertschätzung und praktisches Handeln, ansieht. Und ich möchte Euch nun in kurzen mediativen Phasen anleiten, über jeden Eckpunkt der Liebe unter diesen drei Aspekten nachzudenken. Es sind nur unvollständige Gedankensplitter und wenig Zeit zum Nachdenken. Aber vielleicht schafft es der eine oder andere trotzdem, sich schon hier und jetzt darauf einzulassen, sonst kann man die Idee auch gerne für sich selbst zu Hause probieren – eventuell an einem ruhigen Abend beim Adventkranz.

Also beginnen wir mit der Selbstliebe, die ja Grundlage der Liebesfähigkeit jedes Menschen ist: Wie nehme ich mich wahr, wer bin ich in meiner Selbsteinschätzung, was macht mich aus? // Das führt gleich zum zweiten Schritt: Was mag ich, was liebe ich an mir? Worauf bin ich stolz, was gelingt mir immer wieder gut? Und erst wenn du diese ersten Fragen ausführlich überdacht hast, sollst du folgende Fragen stellen: Womit tue ich mir mit mir selbst schwer? Womit bin ich dort und da unzufrieden? Vielleicht auch, wobei bin ich laufend überfordert oder überfordere mich selbst? // Und der 3. Schritt: Womit kann ich mir Gutes tun, wie schaffe ich es, kleine Schritte aus meinen Defiziten heraus zu machen. Wer könnte mir dabei helfen?

Den Dreischritt bei der Nächstenliebe starte ich mit der Frage: Wie nehme ich meine nächsten Mitmenschen wahr, kann ich mich in ihr Wesen (= das wesentliche in ihnen) hineinfühlen? Sind sie in meinen Gedanken präsent, spüre ich ihre Not, ihre Freude, ihre Emotion? // 2. Schritt: Was schätze ich an meinen nächsten Mitmenschen? Nehme ich bewusst wahr, was sie zu leisten imstande sind, womit sie beseelt sind, aber auch welche Zuwendung sie benötigen? // Und letztlich: Wie äußert sich meine Liebe zu den Allernächsten ganz konkret, nehme ich mir Zeit für sie, bin ich da, wenn ich gebraucht werde und umgekehrt: Nehme auch ich ihre Liebe in Anspruch, indem ich sie spüren lasse, wie ich sie immer wieder brauche?

3. Überlegung: Gott, die Liebe selbst - wahrnehmen, wertschätzen und praktische Beziehungsarbeit leisten. Gott wahrnehmen heißt doch, sich über Gottes Schöpfung, die Menschen, die Tiere, die Natur zu wundern. Zu bewundern, dass Gottes Liebe jeden Tag milliardenfach hervorbricht aus allen Poren der Erde, auch wenn Leid und Tod manchmal überwältigend scheinen. Gelingt mir dieses Hinschauen, dieses Wundern dort und da und immer öfter? // Daraus ergibt sich die Frage: Vermag ich Gottes schöpferische Geschenke so oft wie möglich bewusst wertzuschätzen, indem ich dankbar bin. // Und schließlich: Nehme ich mir Zeit, wirklich bewusst Zeit, Danke zu sagen für das, was mir geschenkt wird, was mir zukommt, ohne dass ich darüber verfügen kann? Finde ich Zeiten der Stille, in denen ich mit Gott reden kann, eben danken, bitten, jubeln, aber auch schimpfen, ärgern, jammern kann?

Meine Einladung steht: Einmal statt des Hausputzes, oder davor bzw. danach einen gemütlichen Stuhl nehmen und 10 – 15 min das innere Lebenshaus anhand des Beziehungsdreiecks Selbstliebe, Nächstenliebe, Gottesliebe durch zu putzen.

Vielleicht ist sogar ein Gespräch mit dem Partner oder der Partnerin möglich? Mit Gott können wir ja immer und immer wieder ohne vorherigen Termin sprechen – ein unglaubliches Service, finden sie nicht auch?

Apropos mit Gott sprechen. Zum Abschluss meiner Anleitungen möchte ich Euch noch zu einem gemeinsamen Bußgebet einladen.
Gotteslob 9/7

Diakon Franz Hofmarcher

Predigt vom 7. Dezember

Werte Gottesdienstgemeinschaft!

Hör-Erfahrungen

Während die Kinder jetzt in der Sakristei eine Geschichte hören, dürft ihr die Predigt hören - ja, es geht heute um Hör-Erfahrungen.

Johannes tritt in der Wüste auf und verkündet - da braucht er Zuhörer! Und die bekommt er: Die Menschen pilgern zu ihm in die Wüste, fast wie es Fanx heute tun, um ein Sportereignis zu erleben oder das Konzert einer Rockband. Johannes braucht allerdings keine Bühnenshow oder ein extravagantes Outfit, um auf sich aufmerksam zu machen. Er inszeniert sich auch nicht selbst.
Es ist seine Botschaft, die die Menschen anzieht.

Johannes rüttelt seine Zuhörer auf, trifft sie mit seinen Worten - manchmal sind es allerdings auch sehr harte Worte, wenn er z.B. zu den Pharisiäern und Sadduzäern (den adeligen und führenden Männern in Israel) „Schlangenbrut“ sagt!
Was Johannes allerdings glaubwürdig macht, ist, dass er selbst vorlebt, was er predigt. Seine kraftvollen Worte bewegen die Menschen, überzeugen sie und wecken gleichzeitig die Hoffnung auf einen neuen Anfang mit Gott. Das spricht sich herum. Und nicht nur das! Seine Zuhörer lassen den Worten von Johannes Taten folgen! Sie lassen sich taufen, ändern sich, ändern ihr Leben. Ganz schön überzeugend, dieser Prophet!

Doch warum lebt er in der Wüste? Warum hat er diesen Ort für seine Hör-Erfahrungen gewählt? Er hätte die Menschen ja leichter in den Dörfern und Städten getroffen, auf den Marktplätzen und in den Synagogen.

Stattdessen ist er in der Wüste: über ihm der Himmel, unter ihm Sand und Stein. Und genau das ist wichtig: keine Ablenkung, kein Lärm, keine verplante Zeit. Die Wüste ist ein Ort, um einfach da zu sein. Um im Jetzt - in der Gegenwart zu leben. Und um zu hören - Hör-Erfahrungen zu machen und vielleicht die Stimme Gottes im Leben wahrzunehmen. Hör-Erfahrungen mit Gott!

Johannes ruft die Menschen heraus aus ihrem Alltag in die Stille und Abgeschiedenheit der Wüste. Und so konfrontiert mit der Wüste wirkt die Botschaft, die Hör-Erfahrung umso deutlicher: ich kann - herausgerufen aus dem Alltag - mich selber, meine eigene Stimme wieder hören, meine Bedürfnisse, meine Erfahrungen - Hör-Erfahrung mit mir selber!

Aus diesen Hör-Erfahrungen - mit Gottes Stimme und mit mir selber - gelingt es mir dann vielleicht auch, die Stimmen in meiner Umgebung, meiner Mitmenschen (wieder) zu hören. Hinhören, was andere brauchen, sagen oder vielleicht auch nicht sagen oder ausdrücken können. Hör-Erfahrungen mit anderen!

Das hebräische Wort für „Wüste“ bedeutet übersetzt: „Ort des Wortes“ oder auch „Er sprach“. Dahinter stehen Hör-Erfahrungen: Gott spricht in der Stille der Wüste.
Ich wünsche euch im Advent Zeiten in der Wüste mit Hör-Erfahrungen - mit mir selber und anderen und mit Gottes Stimme!
Amen

Monika Liedler

Predigt vom 16. November

Werte Gottesdienstgemeinschaft!

Das Evangelium scheint genau auf unsere Zeit zu passen - es ist von Kriegen und Unterdrückung, Seuchen und Hungersnöten die Rede. Mir ist vor allem der letzte Satz hängengeblieben:

Sogar eure Eltern und Geschwister, eure Verwandten und Freunde werden euch ausliefern und manche von euch wird man töten.
Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden.
Und doch wird euch kein Haar gekrümmt werden.
Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.

Das erinnert mich an die Heilige, die dem heutigen Sonntag den Namen gegeben hat: Elisabethsonntag.

Von ihr wird erzählt, dass sie sich um Bedürftige kümmerte und Armenviertel besuchte. Dies wurde trotz der Unterstützung, die Elisabeth von ihrem Mann erhielt, von seiner Familie mehr als skeptisch betrachtet.

In den Legenden werden immer wieder wundersame Ereignisse erzählt: Sie hat einen Aussätzigen zur Pflege in ihr Bett legen lassen und wurde gezwungen, aufzudecken, wer da im Bett lag. Aber statt Elisabeth zu ertappen, fanden die Ankläger das Bild des Gekreuzigten Christus. Als sie im Hungerjahr 1226 alles verfügbare Korn austeilen ließ und auch Geld aus der Staatskasse zur Hilfe verwendete, wurden heftige Vorwürfe erhoben - da bedeckte sich plötzlich der Boden des Saales mit Korn, und Korn füllte alle Kammern.

Das Rosenwunder ist besonders bekannt: Ludwig wurde von seiner Umgebung gegen Elisabeths angebliche Verschwendung aufgehetzt: Als sie mit einem mit Brot gefüllten Deckelkorb die Burg herab stieg, trat Ludwig seiner Frau Elisabeth mit der Frage entgegen: „Was trägst du da?“ Er deckte den Korb auf, sah aber nichts als Rosen.

Ausführlich berichten die Legenden, wie sie unerschüttert den Verleumdungen und Vorwürfen ihrer Umgebung standhielt. Besonders durch ihre Großzügigkeit und ihren Einsatz für die Armen, Entrechteten und Kranken wurde Elisabeth zur Patronin der Caritas.

Auch in unserer Pfarre gibt es viele, die sich einsetzen in konkreter Nächstenliebe, auch beruflich bei der Caritas.
Gott berührt Menschen und inspiriert sie, die Botschaft vom Reich Gottes, von Gottesliebe und Nächstenliebe zu verkünden und zu verwirklichen. Danke, dass du dich in diesen Dienst nehmen lässt.

Gerade in einer Zeit, in der die meisten von uns genug, ja sogar mehr als genug haben, um unsere lebensnotwendigen Bedürfnisse zu stillen, können wir über das nachzudenken, was wir teilen können:
Zeit zum Zuhören
Ehrlichkeit mir selbst gegenüber
Zeit und Kraft zur Stille
Offenheit anderen gegenüber
Freiheit, um zu teilen und zu schenken
Vertrauen
Mut zum Glauben
Zeit zum Beten
Freude am Leben
Dankbarkeit
Liebe

Heilige sind Menschen, durch die das Licht Gottes scheint. Eine Frau, die das Licht Gottes durch ihr Leben scheinen ließ und weitergegeben hat, ist die hl. Elisabeth. An sie denken wir heute, am Caritas-Sonntag besonders. Und auch an alle Menschen, die ihrem Beispiel folgen!

Amen

Monika Liedler

Predigt vom 9. November

Werte Gottesdienstgemeinschaft!

Der heutige Sonntag, der 9. November ist in vielen Belangen ein denkwürdiger Tag.
  • Es ist der Gedenktag an die Reichsprogromnacht 1938.
  • Es ist der Sonntag nach Allerheiligen – traditionell bei uns der Tag des Totengedenkens beim Kriegerdenkmal , am Ortsfriedhof und am Lagerfriedhof Schauboden, wozu der Kameradschaftsbund besonders einlädt.
  • Es ist der 32. Sonntag im Jahreskreis – also das Kirchenjahr neigt sich langsam dem Ende zu.
  • Es ist der 9. November, und damit der Festtag der Weihe der Lateranbasilika.
  • Und heuer neu: Es ist der Gedenktag der Alltagsheiligen.

Im November des Vorjahres hat Papst Franziskus angeregt, künftig am 9. November an „Heilige des Alltags“, an „Heilige von Nebenan“ zu denken. Heuer, am 9. November 2025 ist es also das erste Mal, dass diesem Wunsch nachgekommen wird, Papst Franziskus erlebt das ja leider nicht mehr.
Er wolle keinen neuen Gedenktag einführen - vielmehr will er wohl dem bestehenden Gedenktag der Weihe seiner Bischofskirche eine zusätzliche Deutung geben.

„Mutter und Haupt aller Kirchen des Erdkreises“ - so steht es auch auf der Fassade der Lateranbasilika: dieser Titel und der damit verbundene Anspruch hat an Bedeutung verloren, nicht nur bei uns, auch gesamtkirchlich.
Es geht Papst Franziskus wohl nicht um den zentralistischen Führungsanspruch Roms, es geht schon gar nicht um die zur-Schau-Stellung von Prunk und prachtvollen Kirchen, „es gehe vielmehr um jene Schätze des Christentums, die die Kirche immer schon reich gemacht haben“ - prachtvoller und größer als der schönste Kirchenbau: es geht „um die vielen lebendigen Steine, aus denen die Kirche besteht“.

Dieses Konzept der „Heiligkeit von nebenan“ beschäftigte Papst Franziskus schon lange. Bereits 2018 widmete er dem Thema „Heiligkeit in der Welt von heute“ ein eigenes 48-seitiges Schreiben: „Gaudete et exsultate“ – auf Deutsch: „Freut euch und jubelt“.
Darin richtet Franziskus den Blick nicht nur auf diejenigen, die formal selig- oder heiliggesprochen wurden:
Obwohl er sehr viele Menschen heiliggesprochen hat, lehnt Papst Franziskus grundsätzlich eine Überhöhung von Heiligen ab: "Nicht alles, was ein Heiliger sagt, ist dem Evangelium vollkommen treu, nicht alles, was er tut, ist authentisch oder perfekt." So Relativiert er jede Idealisierung.

Vielmehr lenkt er unseren Blick auf das, was wir selbst tun können, auf das, was wir Gutes im Leben möglich machen können. „Die Liebe leben, die Liebe Gottes durchscheinen lassen – dort wo wir leben“. Schreibt Papst Franziskus.
Als Kennzeichen eines heiligmäßigen Lebens formuliert Franziskus unter anderem Durchhaltevermögen, Freude, Sinn für Humor, Wagemut, Gemeinschaftssinn und Gebet. Heiligkeit sei damit "nichts anderes als in Fülle gelebte Liebe" (Nr. 21).

Dieser Heiligkeit im Alltag begegne ich Gott sei Dank immer wieder, bei so vielen Menschen.
  • Etwa bei Menschen, die verantwortungsvoll ihrem Beruf nachgehen,
  • bei Eltern, die ihre Kinder mit so viel Liebe erziehen,
  • bei kranken und alten Menschen, bei denen ich Geduld und Hoffnung lernen kann,
  • bei Kindern und Jugendlichen, deren Begeisterung ansteckend sein kann,
  • bei Ärzten, Krankenschwestern und Rettungskräften,
  • bei Feuerwehrleuten, die alles liegen und stehen lassen, um Menschen in Not zu Hilfe zu eilen.
  • bei hilfreichen Nachbarn, die die Herausforderungen des täglichen Lebens lindern helfen
  • bei Menschen, die ihre Angehörigen pflegen,

In einem Gebet heißt es: „Gott, du hast uns verschiedene Gaben geschenkt. Keinem gabst du alles - und keinem nichts. Jedem gibst du einen Teil. Gib, dass wir einander dienen mit dem, was du einem jeden zum Nutzen aller gibst …“

Ein neuer Feiertag - eine neue Inspiration das Gute, das oft unscheinbare Heilige im Leben zu entdecken und zu würdigen.

Amen

Diakon Peter Leichtfried